16.12.2017, 3°C
  • 07.12.2017
  • von Steffi Pyanoe

PYAnissimo: Welcome in der Preußenhütte

von Steffi Pyanoe

Steffi Pyanoe. Foto: A. Klaer

Unsere Kollegin Steffi Pyanoe über die Modernisierung des HBGP. Nein, HPBG. Nein. Wie war das nochmal?

Potsdam - Es gibt ein paar Museen, die klingen, also alleine vom Sound her, richtig gut. Grünes Gewölbe, da dachte ich als Kind immer Wunder, was da drin ist. Zwinger, noch besser, ich kannte ja nur den von Nachbars nervigem Schäferhund. Und das Berliner Zeughaus klang richtig anstößig. Dass da das Deutsche Historische Museum drin ist – Nebensache.

Was hat in Potsdam das Zeug zum Schlagwort? Bestimmt das Barberini. Sonst fällt mir jetzt nicht so viel ein. Jedenfalls nicht das HBPG. Das was – ?, fragen mich in der Regel sogar Einheimische, wenn ich den Versuch mache, jemanden dafür zu begeistern. Manchmal hilft ein Verweis auf den Kutschstallhof, dann fällt der Groschen. „Ach da... ja, da ist was.“

Esprit einer Trauerweide

Dieses Was ist, ausgeschrieben, das Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte. Ein Kopplungsmonster mit dem Esprit einer Trauerweide. Da kann auch die schnittige Abkürzung nichts mehr retten. Dass die Besucherzahlen vor sich hin kleckern, liegt sicherlich auch an der Verstocktheit der Leute. Wer als Tourist nach Potsdam kommt, der sucht immer zuerst Sanssouci, und wer von hier ist, wähnt sich gerne voll im Bilde über die Historie seiner Heimat. Oder es ist ihm wurscht. Verzweifelt werden deshalb schon Schulklassen besuchsverpflichtet. Unvergessen aber auch der Moment, als ein älterer Bürger hilflos vor einer Vitrine stand und bat, dass mal das Licht angemacht wird. Er sehe ja gar nichts. Doch das Licht hätte leider den Exponaten geschadet.

Aber Rettung naht. Nein, kein neues Beleuchtungskonzept, Wegeleit- und Parksystem, auch kein neuer Name, knackig und informativ „Brandenburgmuseum“ zum Beispiel oder mutig-fetzig „Preußenhütte“. Nein, viel schöner: Das HBPG wird „Education Center“. Yes. Was für ein Coup! Das „Innovationskonzept“ – natürlich gibt es eins – beinhaltet „flexible Module und mediale Elemente, um auf aktuelle Fragen und Bedarfe kurzfristig reagieren bzw. Themen von Kulturland Brandenburg und Ergebnisse von Partnerprojekten aus dem Land zeitnah integrieren zu können“. Hui!

Ergo: Mehr Knöpfe

Ich übersetze mal: Mehr Knöpfe, Stecker, Kopfhörer und Bildschirme. Und Regale und Schubkästen, die man fix neu bestücken kann. Geplant sind fürderhin eine Werkstatt und ein digitaler Speicher, das Medienzentrum.

Das zu erfinden hat natürlich seine Zeit gebraucht. Viele Jahre der Überzeugungsarbeit und intensive Debatten, heißt es vom Haus. Im Umkehrschluss heißt das leider, dass offensichtlich jahrelang zugeschaut wurde, wie sich das Haus ins Abseits manövrierte. Während es weiterhin viel Geld kostete. Geld von uns allen übrigens, ob wir nun hingehen oder nicht.

Na gut, schauen wir nach vorn. 2019 kommt die Ausstellung „Fontane.200 / Brandenburg – Bilder und Geschichten“. Ganz raffiniert, man könnte glatt denken, die 200 ist nicht das Jubiläum des Geburtsjahrs, sondern ein Upgrade. Da fühlen sich bestimmt gleich doppelt so viele Schulklassen angesprochen. Fehlt nur noch ein Untertitel, der das Thema rockt. Ich wüsste ja was: „Theo, alter Schwede, was macht dein Cross-Country-Blog? Welcome in der Preußenhütte“.

Unsere Autorin ist freie Mitarbeiterin der PNN. Sie lebt in Babelsberg

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