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  • 05.12.2017
  • von Alexander Fröhlich

Gesundheitsbranche: Oberlin: Ministerium fordert Klarheit

von Alexander Fröhlich

Bei Oberlin in Potsdam herrscht Unruhe. Foto: S. Gabsch

Brandenburgs Landesregierung und Potsdams Rathaus zeigen sich besorgt um den Strukturumbau beim Oberlinhaus. Einen Verkauf des Sozialkonzerns soll es aber wohl nicht geben.

Potsdam - In der Brandenburger Landesregierung und im Potsdamer Rathaus wächst die Sorge um das Oberlinhaus, dem mit 1800 Mitarbeiter drittgrößten Arbeitgeber der Stadt. Vom Kurs der Vorstände des Oberlin-Muttervereins, Matthias Fichtmüller und Andreas Koch, beim internen Strukturumbau ist auch die Oberlinklinik als Tochterunternehmen betroffen. Deshalb hat sich nun das für die Landeskrankenhausplanung zuständige Gesundheitsministerium eingeschaltet. 

Auf PNN-Anfrage erklärte das Ministerium, die Klinik denke neben personellen Veränderungen seit längerem auch über „strukturelle Veränderungen ihres Leistungsangebotes“ nach. Das Ziel dabei sei, die Qualität zu verbessern und Abläufe zu optimieren. Teil der Überlegungen seien Kooperationen, wie sie auch zwischen Krankenhäusern anderenorts existierten.

Verkaufsgerücht in Kirchenkreisen

Ob es bei den Umbauszenarien des Sozialkonzerns auch um einen möglichen Verkauf oder Teilverkauf der Oberlinklinik geht – wie in Kirchenkreisen kursiert – ließ das Ministerium offen. Zugleich forderte es aber vom Oberlinhaus Klarheit. Als Aufsichtsbehörde erwarte das Ministerium „seitens des Krankenhausträgers über Stand und Ergebnisse dieser Überlegungen weiterhin auf dem Laufenden gehalten zu werden“. 

Das Oberlinhaus erklärte, es gebe keine Überlegungen, die Oberlinklinik oder Teile davon zu veräußern. Dafür gebe es keinen Grund, ebenso keine konkreten Verhandlungen mit dem städtischen Bergmann-Klinikum oder anderen Trägern. Spekulationen über finanzielle Probleme wies der Vorstand entschieden zurück. 

Die Führungsetagen von Oberlinhaus und Bergmann-Klinikum sind sich offenbar in vielen Dingen einig. Auf Fragen zu einer möglichen Übernahme der Oberlinklinik durch das Bergmann-Klinikum und zu Beratungen mit Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) antworteten beide Häuser wortgleich. Demnach seien die Potsdamer Kliniken mit einem zunehmenden Wettbewerb durch Berliner Kliniken konfrontiert. 

Abstimmungen zwischen Kliniken üblich

Um über mögliche Veränderungen – auch wegen des ab 2020 gemeinsamen Landeskrankenhausplans Berlin-Brandenburg – zu beraten, habe es ein Abstimmungsgespräch mit dem Gesundheitsministerium gegeben. Abstimmungen zwischen den Potsdamer Kliniken seien üblich, bereits im aktuellen Landeskrankenhausplan sei eine Kooperation zwischen Oberlin und Bergmann bei der Orthopädie benannt. 

Die Oberlin-Vorstände Fichtmüller und Koch begründen den Strukturumbau des Sozialkonzerns mit Wettbewerbsdruck und Wachstumskurs. Sie haben die Führungsstrukturen gestrafft, sind nun in allen Oberlin-Gesellschaften Co-Geschäftsführer. Unruhe in der Belegschaft hatte der Rausschmiss des langjährigen Geschäftsführers der Oberlinklinik, Michael Hücker, Ende August ausgelöst. Hücker habe „die strukturellen Veränderungen im Oberlinhaus nicht mittragen“ können, erklärte der Vorstand danach. 

Wie berichtet hat auch der ärztliche Leiter der Oberlinklinik, Axel Reinhardt, Chefarzt der Abteilung Wirbelsäulen- und Beckenchirurgie, um Vertragsauflösung gebeten. Eine Bergmann-Sprecherin bestätigte, dass Reinhardt zum Stadt-Klinikum wechseln wird. Auch andere führende Mitarbeiter haben das Oberlinhaus verlassen. (Mit HK)

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