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  • 06.12.2017
  • von Henri Kramer

Potsdams neue Mitte: Schwierige Debatte ums Rechenzentrum

von Henri Kramer

In einem Workshop wird ein neuer Standort für das Kreativzentrum gesucht. Foto: Sebastian Gabsch

Die Drucksituation soll helfen: Bis 2023 muss es einen Ersatz für das Rechenzentrum geben. Das ist nicht viel Zeit. Wie sich die Beteiligten einigen sollen.

Potsdam - Gesucht wird ein Kompromiss, mit dem die Stiftung Garnisonkirche und die Kreativen im Rechenzentrum leben können: Vor dem ab Januar geplanten Szenario-Workshop für ein neues Kreativhaus in der Potsdamer Mitte hat Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) an den Einigungswillen der Beteiligten appelliert. Die Zeit dränge, einen Ersatz für das Kreativhaus Rechenzentrum in der Breiten Straße zu planen und bis 2023 bezugsfertig aufzubauen. „Diese Drucksituation kann helfen“, sagte Jakobs am Dienstag bei der Vorstellung der Workshop-Pläne.

Den Grundsatzbeschluss dafür hatten die Stadtverordneten Anfang November mit den Stimmen von SPD, CDU/ANW, Grünen und Bürgerbündnis/FDP beschlossen. Das Votum sieht vor, im Umfeld der sogenannten Plantage – insbesondere auf dem Areal von Langem Stall und Alter Feuerwache – bis 2023 ein Zentrum für die Kreativwirtschaft bezugsfertig zu errichten. Das wäre ein Ersatz für das Rechenzentrum, das einem möglichen Kirchenschiff für den im Bau befindlichen Turm der Garnisonkirche im Weg steht und deswegen abgerissen werden soll. Vor allem die linke Opposition im Stadthaus hat dies wiederholt kritisiert.

Einige Debattenpunkte seien "hochkontaminiert"

Nun soll unter anderem die Frage debattiert werden, wo das neue Kreativhaus entstehen könnte. Als Teilnehmer des auf drei Tage angelegten Workshops sind dabei neben Jakobs bis zu sechs Vertreter des Rechenzentrums, ein Trio der Stiftung Garnisonkirche, sieben Stadtverordnete aller Fraktionen sowie Rathausmitarbeiter und der kommunale Sanierungsträger vorgesehen. Jakobs sagte, die Debatte sei schwierig und kontrovers, einige Punkte wären sogar „hochkontaminiert“. „Aber wenn Positionen ständig wiederholt werden, kommen wir in der Sache nicht weiter“. Daher müsse ein neuer Ansatz her, so Jakobs. So solle in dem Workshop nicht noch einmal grundsätzlich über den Wiederaufbau der Garnisonkirche gestritten werden. Ein Bürgerdialog zu diesem Thema war an der Unvereinbarkeit der Positionen gescheitert.

Aus Jakobs Sicht haben die 250 Nutzer des Rechenzentrums ein Interesse daran, eine dauerhafte Lösung für Kreativräume zu finden. „Wenn man etwas haben will, muss man auch etwas geben.“ Auch die Stiftung habe „etwas nebenan, was sie eigentlich nicht wollte“, sagte Jakobs – daher besitze die Stiftung „ein immanentes Interesse“ an der Klärung, wie es mit dem Rechenzentrum weitergehe. Um eine möglichst offene Diskussion zu ermöglichen, solle der Workshop hinter verschlossenen Türen stattfinden.

Auch für die Schiffbauergasse und die Gartenstadt hat es Workshops gegeben

Erst die Ergebnisse sollen der Öffentlichkeit vorgestellt und dann auch im Stadtparlament beraten werden, hieß es. Ziel sei ein „abgestimmtes Zielbild“ für die Kunst- und Kreativwirtschaft in der Mitte. Vorbild seien ähnliche Workshops, die schon zur Zukunft der Schiffbauergasse oder zur Gartenstadt Drewitz geführt worden seien. Es gehe um die Kernfrage für alle Akteure: „Wofür lohnt es sich, gemeinsam zu kämpfen?“, sagte Marcus Goerke von der Berliner Managementberatung Unity Consulting, die den Workshop organisiert.

Das Konzept für den Szenario-Workshop werde im Hauptausschuss am kommenden Mittwoch mit den Fraktionen diskutiert, damit es im Januar losgehen kann. Auch sei ein „zügiger Verlauf“ des Workshops fest geplant, die Ergebnisse sollen dann die Stadtverordneten absegnen. Auch die Stiftung Garnisonkirche muss noch gefragt werden. Sie will ihr Kirchenschiff, für dessen Wiederaufbau die Finanzierung noch fehlt, nicht infrage stellen lassen. Deren Kommunikationsvorstand Wieland Eschenburg zog auf PNN-Anfrage eine rote Linie: „Klar ist, dass unsere Rechtsposition durch Vorschläge aus dem Workshop nicht geschmälert werden darf.“

Der Vertrag für das Rechenzentrums läuft 2018 aus

Im Frühjahr nach dem Workshop wolle das Kuratorium der Stiftung erst entscheiden, ob das Rechenzentrum zumindest bis 2023 weiter von den Künstlern genutzt werden könne, bestätigte Jakobs. Allerdings sehe er die Bereitschaft dafür als gegeben. Derzeit läuft der Vertrag für das Rechenzentrum im August 2018 aus. Zuletzt hatten die Stadtverordneten die Auszahlung von 460.000 Euro genehmigt, die vor allem der Stiftung für zusätzliche Kosten durch die geplante Verlängerung für das Rechenzentrum bis 2023 entstehen.

Völlig offen ist noch, wie teuer das neue Kreativzentrum werden soll. Das könne man noch nicht sagen, so Jakobs unter Verweis auf das noch offene Konzept für das Haus. Auch zu möglichen Rückstellungen, die Finanzdezernent Burkhard Exner (SPD) für das Kreativhaus vornehmen müsste, machte Jakobs keine Angaben: „Diese Spannung muss auch Herr Exner aushalten.“

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