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  • 06.12.2017
  • von Jana Haase

Streaming-Dienste: Filme für alle

von Jana Haase

Bunte Mischung. Der Filmstreamingdienst „filmfriend“ ist mit mehr als 1000 Filmen gestartet, wöchentlich sollen neue hinzukommen. Im Angebot sind deutsche und internationale Filme sowie Serien. Der Dienst richtet sich an öffentliche Bibliotheken und deren Nutzer. Entwickelt wurde die Plattform von der Babelsberger Firma Filmwerte. Beim Innovationspreis Berlin Brandenburg wurde der Dienst als soziale Innovation ausgezeichnet. Screenshot: promo

Die Potsdamer Firma Filmwerte hat einen Streamingdienst für öffentliche Bibliotheken gestartet. Warum sie dafür einen Innovationspreis bekommen hat.

Potsdamer - Kinderfilme, Thriller, deutsches Kino, internationale Filmklassiker und Arthouse-Kino aus verschiedenen europäischen Ländern – alles läuft per Klick auf dem heimischen Bildschirm. Auf den ersten Blick unterscheidet sich die Internet-Filmplattform „filmfriend“ nicht von anderen derartigen Angeboten. Das Besondere: Erarbeitet wurde sie für öffentliche Bibliotheken. Die Nutzer der beteiligten Bibliotheken können über den Dienst kostenlos beliebig viele Filme anschauen.

Hinter der Plattform steht das Babelsberger Unternehmen Filmwerte GmbH. Für das Projekt wurde die Firma vor wenigen Tagen beim Innovationspreis Berlin Brandenburg ausgezeichnet – nach Babelsberg ging der erstmals vergebene Sonderpreis für Soziale Innovationen, dotiert mit 10.000 Euro. Mit dem Angebot öffne Filmwerte „Türen, die sonst verschlossen blieben“, begründete die Juryvorsitzende des Innovationspreises, Professor Jutta Allmendinger, die Auszeichnung. Als „sehr demokratisches und offenes Angebot“ sieht auch Filmwerte-Geschäftsführer Andreas Vogel das Projekt.

In Verhandlungen

Potsdamer Bibliotheksnutzer haben davon momentan allerdings noch nichts. Bei der Stadt- und Landesbibliothek Potsdam hält man es für „sehr wünschenswert, wenn die öffentlichen Bibliotheken solche Streamingdienste führen“, wie Stadtsprecher Jan Brunzlow auf PNN-Anfrage sagte. Man sondiere derzeit die Angebote und sei in Verhandlungen, auch mit „filmfriend“. Dabei müsse man aber auch auf die Kosten achten.

Bezahlt wird die Filmplattform von den teilnehmenden Bibliotheken über eine Art Abo – zum Einstieg über mindestens zwei Jahre, wie Andreas Vogel erklärt. Dabei gebe es verschiedene Preismodelle, abhängig von der Größe der Stadt. Der genaue Preis richte sich nach der Zahl der aktiven Nutzer, also der Bibliotheksnutzer, die mindestens einmal im Jahr tatsächlich etwas ausleihen. Pro Nutzer fielen für die Bibliothek jährliche Kosten im Cent-Bereich an.

Die Nutzerzahlen stiegen schnell

Gestartet war die Plattform im Juli mit dem Verbund der Öffentlichen Bibliotheken Berlins (VÖBB). Ab Januar ist auch die Hansestadt Hamburg mit dabei, wie Andreas Vogel den PNN sagte. Man sei überdies in Gespräch mit weiteren Standorten – theoretisch sei die Zusammenarbeit mit Bibliotheken in Deutschland, Österreich und der Schweiz möglich. Für all diese Länder gelten dieselben Lizenzen. In Berlin sei der Start von „filmfriend“ auch ohne große Werbung sehr gut gelaufen – seit Juli habe man bereits rund 10.000 Nutzer gezählt.

Bei der Babelsberger Firma ist der Start der Filmseite rund zwei Jahre lang vorbereitet worden, berichtet Vogel. Rund fünf Mitarbeiter waren damit beschäftigt. Und eine Begleitung wird es auch weiterhin geben. Denn das Filmangebot soll laufend erweitert werden, die Plattform wird zudem redaktionell betreut: Mitarbeiter schreiben also kurze Texte zu den Filmen, stellen Filmreihen zusammen oder wählen zu verschiedenen Anlässen passende Filme aus – derzeit etwa gibt es Filme zum Geburtstag von US-Schauspieler Jeff Bridges und zum internationalen Tag der Kinderrechte. Gestartet ist „filmfriend“ mit gut 1000 Filmen. Künftig sollen wöchentlich neue Filme hinzukommen.

Was die größten Herausforderungen sind

Die größte Herausforderung für das Projekt sei die Überzeugung der Lizenzgeber gewesen, berichtet Vogel. Denn „filmfriend“ steht im Wettbewerb mit internationalen und entsprechend finanzstarken großen Streamingdiensten. „Durch uns werden die Lizenzgeber nicht reich“, fasst es Vogel zusammen.

Anders als bei E-Büchern, die bereits seit längerem ebenfalls über Bibliotheken online ausgeliehen werden können, gibt es bei den Filmen auf „filmfriend“ keine sogenannte Kopienbeschränkung: Die Filme können von beliebig vielen Nutzern gleichzeitig angesehen werden. Mit der Plattform betritt Filmwerte in Deutschland Neuland, ähnliche Angebote gibt es bislang nur im Ausland, beispielsweise in Dänemark. Zwar böten verschiedene deutsche Bibliotheken Filme zum Streaming an, sagt Vogel – allerdings nicht sehr nutzerfreundlich und wenig ansprechend präsentiert. „filmfriend“ will demgegenüber nicht nur mit der redaktionellen Betreuung punkten, sondern auch einfach und ohne Gebrauchsanweisung zu bedienen sein.

Die 2010 gegründete Babelsberger Firma Filmwerte hat bereits Erfahrungen mit dem Aufbau eines Filmstreamingdienstes: Sie steckt auch hinter der Plattform „alleskino“, die 2013 als Online-Videothek für den deutschen Film gestartet ist (PNN berichteten). Filmfans können den Dienst über ein Abo-Modell oder gegen Zahlung pro Film nutzen. Die Plattform bietet auch Hintergrundinformationen zu Filmschaffenden sowie spezielle Themenseiten. Vogel hatte „alleskino“ gemeinsam mit den beiden Filmproduzenten Hans W. Geißendörfer („Die Lindenstraße“) und Joachim von Vietinghoff („Die Werckmeisterschen Harmonien“) ins Leben gerufen.

www.filmfriend.de

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