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  • 30.11.2017
  • von Henri Kramer

Wohnungsbau: Genossenschaften setzen auf Sozialmiete

von Henri Kramer

Bei der Vergabe der Filetgrundstücke in der Potsdamer Mitte gelten auch Sozialkriterien. Foto: A. Klaer

Das Bieterverfahren für die wertvollen Mitte-Grundstücke in Potsdam läuft – und die drei großen Genossenschaften der Stadt werben für ihre Pläne.

Potsdam - Mitten im Bieterverfahren für das geplante neue Wohn- und Geschäftskarree am Alten Markt werben die drei größten Genossenschaften der Stadt für ihre Pläne. „Mit unserem gemeinsam erarbeiteten Nutzungskonzept für den gesamten Block legen wir den Schwerpunkt auf dauerhaft bezahlbaren Wohnraum und Wohnungsgrößen, die sowohl für Singles und Paare als auch Familien geeignet sind“, teilte Matthias Pludra, Vorstand der Potsdamer Wohnungsgenossenschaft (PWG) 1956, jetzt in einer gemeinsamen Erklärung mit.

Deshalb würden die Genossenschaften für die Potsdamer Mitte Mieten von 5,50 bis 9,50 Euro pro Quadratmeter aufrufen. „Mit dem Oberwert liegen wir mit zehn Prozent unter der ortsüblichen Miete nach dem Mietspiegel“, erklärte Bodo Jablonowksi vom Vorstand der Wohnungsgenossenschaft „Karl Marx“, die sich wie berichtet mit der PWG 1956 und der Potsdamer Wohnungsbaugenossenschaft (PBG) um das gesamte Karree beworben hat. Es soll auf dem Gelände des alten Fachhochschulgebäudes entstehen, das gerade abgerissen wird.

37 Entwürfe für neun Häuser

Für den sogenannten Block III, der auf dem historischen Stadtgrundriss zwischen Altem Markt und der dann verlängerter Schwertfegerstraße geplant ist, hatte der kommunale Sanierungsträger zuletzt 37 Entwürfe für insgesamt neun zu errichtende Häuser vorgestellt.

Welche Ideen davon zum Zuge kommen, entscheidet eine mit Stadtverordneten und Bauexperten besetzte Auswahlkommission im kommenden Jahr. Ein wichtiges Kriterium ist, wie die zum Festpreis verkauften Grundstücke künftig genutzt werden sollen. Dass die Genossenschaften nun auch einen Anteil Sozialwohnungen planen, erhöht dem Vernehmen nach ihre Chancen. Zudem wären es die ersten Sozialwohnungen, die die Genossenschaften mit Hilfe der für solche Projekte neu aufgelegten Landesförderung bauen würden, wie es hieß.

Bei den von den Genossenschaften eingereichten Entwürfen für die neun Gebäude würde ein „stimmiger Mix aus Wohnen und Gewerbe“ entstehen, hieß es weiter. Konkret setze man vor allem auf kleinteiliges und regionales Gewerbe, „aber auch Angebote für Kunst, Begegnung und Bildung sind angedacht“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung, die unter anderem auf der Internetseite des Arbeitskreises Stadtspuren, dem Dachverband der Potsdamer Wohnungswirtschaft, veröffentlicht worden ist.

Begegnungsstätte für Bewohner

Das gemeinsam für das geplante Karree erarbeitete Nutzungskonzept sehe auch „typisch genossenschaftliche Angebote“ vor, darunter auch Begegnungsräume für die Bewohner, erklären die Genossenschaften. Jablonowski wird dazu mit dem Satz zitiert: „Wir planen hier Möglichkeiten für Kultur, Bildung und Kommunikation, die öffentlich nutzbar sind, also von jedem Potsdamer und jeder Potsdamerin in Anspruch genommen werden können.“

Die Zusammenarbeit zwischen den drei Genossenschaften sei sehr produktiv gewesen, erklärte PWG-Vorstand Pludra. Zwar habe jede Genossenschaft autonome Entwürfe eingereicht, „die jedoch alle aufeinander abgestimmt sind“. So habe man nicht nur ein facettenreiches und harmonisches Gesamtbild der Fassaden entwickelt, sondern auch ein grundstücksübergreifendes Konzept zur Gestaltung des Innenhofes, „der am Tage auch der Öffentlichkeit offenstehen soll“.

Auch an ein „quartiersbezogenes Energiekonzept“ und an ein „spezifisches Mobilitätskonzept“ habe man gedacht. „In der partnerschaftlichen Zusammenarbeit der Potsdamer Genossenschaften liegt eine große Chance für die Potsdamer Mitte“, so Pludra: „Unsere Gesamtlösung wäre nicht nur städtebaulich und architektonisch etwas Besonderes, sondern auch sozial und wirtschaftlich.“ Außerdem sei sie eine Potsdamer Lösung: „Wir sind Potsdamer Genossenschaften, die für Potsdamer bauen.“

Erste Entscheidung am 8. Dezember

Und nun wartet man ab. Ob das Konzept die Vertreter der Auswahlkommission für die Mitte überzeugt, werde sich Anfang Dezember zeigen, wenn die Auswahlkommission an zwei Tagen zusammenkommt, um die Entwürfe zu bewerten und eine Auswahl zu treffen. Die erste Entscheidung darüber, welche Entwürfe weiterkommen und unter Umständen nachgebessert werden müssen, wird am 8. Dezember in der roten Infobox auf dem Alten Markt öffentlich gemacht. Welche Bauherren schließlich den Zuschlag bekommen, soll im März nächsten Jahres entschieden werden.

Die Stadt treibt den umstrittenen Wiederaufbau der 1945 bei einem Bombenangriff zerstörten Potsdamer Mitte seit Jahren voran. Über den Abriss der FH hatte es heftige Debatten gegeben, das schadstoffbelastete DDR-Gebäude war im Sommer von Abrissgegnern auch kurzzeitig besetzt worden. Anfang November hat offiziell der Abbruch begonnen.

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