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  • 17.10.2017
  • von Henri Kramer

Was passiert bei einem Zwischenfall?: Potsdam fehlt beim Training am Wannsee-Reaktor

von Henri Kramer

Gamma 2017. Potsdamer Kräfte fehlten bei der Übung. Foto: Britta Pedersen/dpa

Die Feuerwehr hält Jodtabletten für 23 500 Haushalte in Potsdam bereit. Bei einer Katastrophenübung am Forschungsreaktor des Helmholtz-Zentrums im benachbarten Berlin-Zehlendorf waren aber keine Einsatzkräfte aus Potsdam dabei.

Berlin/Potsdam - An einer groß angelegten Übung zum Katastrophenschutz am Forschungsreaktor des Helmholtz-Zentrums im benachbarten Berlin-Zehlendorf haben sich Potsdamer Einsatzkräfte nicht beteiligt. Das bestätigte Rathaussprecher Stefan Schulz den PNN am Montag auf Anfrage: Es habe keine Übungsinhalte für das Potsdamer Gebiet gegeben, sagte er. Zumindest aber sei ein Mitarbeiter der Potsdamer Katastrophenschutzbehörde – im Rahmen der Zusammenarbeit mit dem Berliner Senat – als Beobachter im Übungsstab anwesend gewesen.

Bei der Übung unter dem Motto „Gamma 2017“ war am Wochenende ein Unfall mit einem Forschungsreaktor simuliert worden. Rund 350 Mitarbeiter – Feuerwehr, Polizei, Deutsches Rotes Kreuz, das Bundesamt für Strahlenschutz, mehrere Senatsverwaltungen und Bezirksämter – hatten sich an dem Test beteiligt. Das Ziel sei gewesen, das Zusammenwirken aller Einsatzkräfte für einen Notfall zu optimieren, hieß es danach. Dazu gehöre auch die interne Kommunikation. Auf dem Gelände des Helmholtz-Zentrums in Berlin-Zehlendorf steht der sogenannte Wannsee-Reaktor, der Neutronen für wissenschaftliche Untersuchungen liefert und nicht mit einem Atomkraftwerk zu vergleichen ist.

Feuerwehr bunkert Jodtabletten für 23 500 Haushalte

Potsdams Stadtsprecher Schulz versicherte, die Katastrophenschutzplanung zu dem Reaktor befinde sich stets auf aktuellem Stand. Es gebe auch regelmäßige Beratungen mit der zuständigen Senatsverwaltung in Berlin. Derzeit würden unter anderem Festlegungen für die Zeit des geplanten Rückbaus des Reaktors beraten, sagte Schulz – das ist wie berichtet für spätestens 2020 vorgesehen.

Zuletzt hatte bereits die Fraktion Die Andere offiziell gefragt, ob die Stadt hinreichende Schutzmaßnahmen für einen Katastrophenfall in dem Forschungsreaktor getroffen habe. Dazu teilte die Feuerwehr mit, die dann erforderliche Ausgabe von Jodtabletten an mehr als 23 500 Haushalte „erfolge auf der Grundlage bereits erstellter Routenpläne“ – überwiegend durch Fachkräfte der Feuerwehr. Bei erhöhten Strahlenwerten sollen solche Jodtabletten eingenommen werden, damit die Schilddrüse blockiert wird und kein radioaktives Jod aufnehmen kann. Einst hatte die Stadt erwogen, für das Verteilen der Tabletten auch Taxifahrer einzusetzen. Bei einem Reaktorunfall sieht der Notfallplan weiterhin vor, dass etwa Anwohner in Babelsberg zeitweise ihre Häuser nicht verlassen sollten.

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Kommentar: Dass die Katastrophenschutzübeung am nahegelegenen Forschungsreaktor ohne Potsdamer Einsatzkräfte durchgeführt wird, ist unverständlich, meint PNN-Autorin Jana Haase in ihrem Kommentar. 

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