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  • 17.10.2017
  • von Henri Kramer

Potsdam: Geld für das kaiserliche Labyrinth

von Henri Kramer

Erneuerungsbedarf. Dunkle Flure, rissige Böden und Decken und zugige Fenster: Das denkmalgeschützte Stadthaus in der Friedrich-Ebert-Straße ist seit Jahren ein Sanierungsfall. Allerdings wurde bereits die Barrierefreiheit verbessert – durch einen Aufzug, der alle drei Obergeschosse des Hauses erschließt. Foto: Andreas Klaer

Rathaus und Verwaltungscampus sind sanierungsbedürftig. Für beide Gebäude gibt es nun erste Fördermittel - demnächst könnte noch mehr Geld fließen.

Potsdam/Jägervorstadt - Der Termin klang nüchtern, dabei ging es um viel Geld: Brandenburgs Infrastrukturministerin Katrin Schneider (SPD) soll Rathausvertretern mehrere millionenschwere Förderbescheide aus den Programmen der Städtebauförderung übergeben. Montag, 14.30 Uhr, auf dem weitläufigen Verwaltungscampus an der Hegelallee, am Stadthaus vor der Suppenküche. Doch die Ministerin kam zu spät – und zeigte damit unfreiwillig, warum der Campus der Stadtverwaltung arg umgestaltungsbedürftig ist. Denn sie hatte den Treffpunkt schlicht nicht gefunden. „Das ist ja hier wie beim Geocaching“, frotzelte Schneider in Bezug auf die bekannte Online-Schnitzeljagd, als sie dann endlich angekommen war.

Für die „Jägervorstadt Ost“ können jetzt immer wieder Sanierungsgelder fließen

Mit Millionenbeträgen aus der Städtebauförderung soll der Verwaltungscampus in den kommenden Jahren deutlich bürgerfreundlicher umgestaltet werden. Denn Potsdam hat es geschafft, dass das gesamte Areal als Sanierungsgebiet „Jägervorstadt Ost“ in das Programm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ aufgenommen worden ist – und nun immer wieder mit Zuwendungen rechnen kann. Am Montag gab es von der Ministerin 3,2 Millionen Euro Bundes- und Landesmittel, vor allem für die bereits begonnene Sanierung des unter Denkmalschutz stehenden Rathauses. Das Geld sei sinnvoll angelegt, befand Schneider. „Was alles zu machen ist, sieht jeder, der durch diese Gänge irrt“, spielte sie auf die ungenügende und schon mehrfach öffentlich bemängelte Ausschilderung in dem mehr als 100 Jahre alten Bau aus der Kaiserzeit an.

Mit Fördergeld könnten nun in diesem und im nächsten Jahr die Fassade und mehrere öffentliche Bereiche saniert werden, sagte Bernd Richter, der Chef des zuständigen Kommunalen Immobilienservice (Kis). Zudem müsse in den Brandschutz investiert werden, mit eigenen Mitteln würden zudem noch Mitarbeiterbüros erneuert. Insgesamt hatte die Stadt den Sanierungsbedarf allein für das Stadthaus auf 15 Millionen Euro beziffert.

Vielzahl „funktionaler und struktureller Mängel“ auf dem Gelände

Doch das ist längst nicht alles, was auf dem Campus der Verwaltung zu tun ist. Es gebe eine Vielzahl „funktionaler und struktureller Mängel“ auf dem Gelände, erklärte Baudezernent Bernd Rubelt (parteilos). In einer ersten Untersuchung habe man nun den Ist-Stand geprüft, dieser soll demnächst auch den Stadtverordneten vorgelegt werden. Dann müssen daraus Schlüsse gezogen werden, etwa zu der Frage, ob zwei DDR-Blocks, in denen derzeit Bau- und Sozialbehörden untergebracht sind, abgerissen und durch Neubauten ersetzt oder saniert werden.

„Diese Diskussion werden wir führen“, sagte Rubelt. Kis-Chef Richter sagte, unter anderem gehe es um die Frage, ob man die Gebäude auch energetisch sanieren könnte, wenn darin noch gearbeitet wird. Errichte man einen Neubau, sei unklar, ob der wieder so hoch sein dürfe: „Es gibt in dieser Frage viel Pro und Contra.“ Ohnehin müsse eine generelle Lösung für den erweiterten Bürobedarf der Potsdamer Verwaltung gefunden werden, die wie die Stadt selbst wächst, sagte Rubelt. Ziel sei jedenfalls eine bürgerfreundliche, barrierearme, energetisch sanierte Dienstleistungszentrale mit guten Arbeitsbedingungen, meinte Rubelt. Er hoffe, 2018 bereits detailliertere Planungen vorstellen zu können. Ebenfalls noch nicht konkretisiert seien Pläne für einen neuen Plenarsaal. Der Bau eines solchen wird wie berichtet erwogen, weil der alte an seine Nutzungsgrenzen stößt, aus Denkmalschutzgründen aber nicht erweitert werden kann.

Millionenbeträge für Sanierung und Stadtentwicklung in Potsdam

Neben den Millionen für das Stadthaus brachte Schneider noch weitere Förderbescheide für die Stadt mit. Die Politikerin forderte bei der Übergabe, dass auch eine neue Bundesregierung den Topf für die Städtebauförderung weiter gut gefüllt lassen möge: „Ohne dieses Geld würden unsere Städte und Gemeinden anders aussehen.“ Auch Rubelt erklärte, dass Potsdam auf solche Finanzspritzen angewiesen sei. Laut Ministerium hat Potsdam seit 1991 rund 374 Millionen Euro Fördermittel aus mehreren Programmen für die Stadtentwicklung erhalten. Im Rahmen der Wohnraumförderung wurden sogar knapp 630 Millionen Euro bewilligt.

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