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  • 16.10.2017
  • von Sarah Stoffers

Designtage Brandenburg in Potsdam: Real und virtuell, aber handgemacht

von Sarah Stoffers

Bei den Designtagen Brandenburg zeigen Kreative ihre Schöpfungen – von der Filztasche für den Kopfhörerohrstecker bis zum Playstation-Spiel.

Potsdam - Mit hoher Geschwindigkeit saust das Raumschiff durch den Weltraum. Die unzähligen Sterne werden zu langgezogenen Streifen. Fast rammt es beim Austritt aus dem Warp den Mond, der plötzlich als riesengroße Kugel vor ihm auftaucht. Mit einem Ruck dockt es an der Station an. Dort begrüßen die beiden Roboter Robott und Greg die Besatzung, führen sie durch die Station. Doch plötzlich ist die Gravitation verschwunden. Greg hat etwas falsch gemacht, die Raumfahrer purzeln durch die Station.

Nicht nur Kinder hatten am Wochenende viel Spaß am Stand der Firma Baby Giant Hollyberg aus Potsdam, die bei den Designtagen Brandenburg den Teaser „AI – Artificial Idiots“ ihrer geplanten neunteiligen Virtual-Reality-Serie vorstellten. Mehrere Tausend Besucher kamen in die Schiffbauergasse, um Kreatives zu sehen und zu kaufen. Bereits zum sechsten Mal organisierte das Ministerium für Wirtschaft und Energie des Landes Brandenburg die Veranstaltung. Designer aus Brandenburg und Berlin präsentierten ihre Ideen und Produkte.

Viele Besucher zieht es in den Virtual-Reality-Bereich

Neben dem Designmarkt kommt der Virtual-Reality-Bereich besonders gut bei den Besuchern an. Die Firma Baby Giant Hollyberg, die Büros in der Medienstadt Babelsberg und Los Angeles unterhält, gründete sich 2016; zuvor gab es eine ähnliche Vorgängerfirma. „Wir machen hauptsächlich VFX, also visuelle Effekte, sowie Animationen und seit letztem Jahr auch Virtual Reality“, sagt Mitgründer und Geschäftsführer Heiko Nemmert. Die Firma mit ihren etwa 25 Mitarbeitern in Potsdam und dem kleinen Büro in Los Angeles sitzt derzeit an eigenen Animationsfilmen, zwei Animationsserien und fünf Virtual-Reality-Projekten. Die Serie um eine Gruppe von Robotern soll Ende nächsten Jahres als Playstation- Spiel erscheinen. Zuviel will Nemmert noch nicht verraten: „Der Betrachter wird ein Teil dieser Gruppe sein. Es ist so eine Art Sitcom. Sie wird mit viel Humor und Witz gespickt sein.“ Zurzeit arbeitet die Firma auch an visuellen Effekten für den nächsten Spreewaldkrimi. Dafür wird die Firma auch eine 3D-Figur entwickeln. Genaues darf noch nicht verraten werden.

In der Mitte des Designmarkts in der Schinkelhalle präsentiert das „Haus Brandenburg“ die Stücke seiner Designer. „Haus Brandenburg“ ist eine Initiative, die Anfang 2017 von der Fachhochschule Potsdam gemeinsam mit der Deutschen Manufakturenstraße gestartet wurde. Ziel ist es, regionale Handwerksbetriebe und Manufakturen mit den Designern zusammenzubringen und gemeinsam besondere und qualitätsvolle Produkte zu schaffen. Derzeit arbeitet die Initiative daran, ihre eigene Kollektion auf den Markt zu bringen. Einen Vorgeschmack konnte man bei den Designtagen sehen – wie die geschwungene Liege „Rippel“ der Designerin Martina Del Ben, die aus Eiche und Schilf gearbeitet ist. „Rippel“ ist in Zusammenarbeit mit der Rohrweberei Pritzerbe aus Havelsee und der Tischlerei Stilvollholz aus Werder (Havel) entstanden. Ein schönes Stück ist auch die Lampe „Alveare“ der Designerin Marta Carlesso. Die Leuchte hängt von einer Holzleiste herab und hat die Form eines Bienenstocks. Sobald das Licht angeht, das warm und golden durch die wabenartige Struktur der Lampe scheint, erwartet man fast, dass gleich der Honig heraustropft oder Bienen anfangen zu summen.

Waschbecke, selbstgemachte Taschen und Handschuhe aus Filz

George Croissant, der mit seinem Lampensystem „Lili“ in der vergangenen Woche in der Kategorie Nachwuchs den zweiten Platz beim Designpreis Brandenburg errang, präsentierte sein hölzernes Waschbecken „Baniow“, das ein wenig an einen alten Waschzuber erinnert. Das Waschbecken ist Teil einer Holzserie fürs Bad, die zusammen mit der Böttcherei Messerschmitt aus Neu Zittau und der Firma BMU Metallverarbeitung entstanden ist.

Farbenfroh geht es am Tisch der jungen Designerin Maria Radewahn zu. Sie präsentiert ihre selbstgemachten Filztextilien, die rostrot, senfgelb, tannengrün oder petrol gefärbt sind. Die Berlinerin hat im Sommer vergangenen Jahres ihren Abschluss in Produktdesign an der Fachhochschule Potsdam gemacht. Für ihr Label „mDesign Handwerk“ verknüpft die 29-Jährige traditionelles Handwerk mit modernen Formen und Farben sowie verschiedenen Materialien. „Ich möchte traditionelles Handwerk wieder in den Alltag bringen“, sagt Radewahn. Für ihre Filzprodukte wie Taschen oder Handschuhe arbeitet sie in Kooperation mit Südtiroler Bauern, von denen sie die Wolle und das Zirbelkiefernholz bezieht, das sie zum Teil für ihre Taschen verwendet. Zu ihren neuen Kreationen gehören Taschen für Kopfhörer.

Die kleinen, bunten Kugeln, die etwas größer als ein Golfball sind, haben einen Schlitz und sind innen hohl. Die Kopfhörer-Stecker können hineingelegt und das Kabel einmal um den Ball gewickelt werden, um verhedderte Kabelage und Kabelbruch zu verhindern. Für Radewahn waren die Designtage der Auftakt zum realen Verkauf. Bisher sind ihre Produkte nur auf ihrer Webseite erhältlich. Doch sie sagt: „Ich habe so viel Freude dabei, auch mit den Menschen zu arbeiten. Ich hoffe, das ist und bleibt meine Zukunft.“

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