15.08.2018, 23°C
  • 03.08.2017
  • von Steffi Pyanoe

Neues Café in Potsdam: Sündenfall im Waffelhörnchen

von Steffi Pyanoe

Begeisterung für süße Sachen. Café-Inhaberin Eva Schulte und ihr Mann Heiko mit den Mitarbeiterinnen Marie-Luise Nitz (l.) und Hanna Tischler (r.). Im "Evas Sünde" gibt es neben Florida-Eis auch Milchshakes und selbstgebackenen Kuchen und Torten. Foto: A. Klaer

„Evas Sünde“ heißt ein neues gemütliches Café in der Innenstadt. Hier backt Eva Schmale leckere Torten und verkauft 14 Sorten originales Florida-Eis.

Potsdam - Der jeweils zweite Laden in einer Querstraße, der sei noch erste Lage, sagt Eva Schmale. So jedenfalls hat sie es gehört. Alles, was weiter weg ist von der Brandenburger, ist schwierig. Und trotzdem hat Eva Schmale vor fünf Wochen ihr Café in der Dortustraße 22 eröffnet. 60 Meter von der Fußgängerzone entfernt. Wer hier vorbei geht, ist meistens auf dem Weg zur Tram, zum Auto. Oder er bleibt im Café „Evas Sünde“ hängen. Der breite Bürgersteig unter den hohen Bäumen ist schattig, und es ist, nur eine Ecke von der Brandenburger entfernt, überraschend ruhig. „Hier sitzt es sich sehr lauschig“, sagt eine Stammkundin.

Café-Inhaberin Eva Schmale hat schon so einige Stammkunden seit Ende Juni gewonnen. Die meisten kommen, weil es hier nicht nur leckere Torten, sondern das berühmte Berliner Florida-Eis gibt. Endlich auch in Potsdam, haben so manche gesagt, die dafür sonst nach Spandau fahren. „Es ist das beste Eis hier aus der Region“, sagt Schmale. „Alles natürliche Zutaten und in Handarbeit hergestellt – es ist ja eine Eismanufaktur.“ 14 Sorten hat sie täglich im Angebot, 25 insgesamt. Für Eisbecher oder direkt ins Waffeltütchen.

Im Winter stehen Soulfood, Crêpes, Waffeln und herzhafte Flammkuchen auf dem Programm

Maxi ist sechs Jahre alt und war mit ihrer Mutter schon mehrmals hier. Zitrone mag sie am liebsten. Und am liebsten lümmelt sie dabei in einem der original Florida-Eis-Liegestühle in Himmelblau. Auch die anderen bequemen Bistromöbel sind schön bunt, etwas fürs Auge, und damit man das Café auch von weiter her wahrnimmt, sagt Schmale. Dass es nicht laufen könnte, ist ihre größte Sorge. Und der Winter. „Vor dem habe ich Angst.“

Ihr Mann Heiko Schmale sieht das nicht so düster. Der Kaufmann, der beruflich mit Immobilien zu tun hat, unterstützt seine Frau. Und beruhigt: Für den Winter werden sie alternative Angebote entwickeln. Soulfood, Crêpes, Waffeln, herzhafte Flammkuchen – da werde ihnen schon was einfallen, sagt er. Aber nun ist erstmal Sommer und die Sitzplätze unter dem Bäumen nachmittags schnell alle belegt. Etwa 20 weitere Plätze gibt es im Innenraum, auf einer Polsterbank, auf der Empore und am grob gezimmerten Holztresen im Schaufenster.

Vom Lampenladen zum Café

Bevor Eva Schmale mit ihrem Café hier einzog, war es ein Lampenladen. „Ich hab im Vorbeigehen gesehen, dass die ausräumen und dann zu Hause gedacht – jetzt oder nie“, sagte die neue Gastronomin. „Ein eigenes kleines Café war schon immer mein Traum.“ Als gelernte Werbefachfrau hatte sie unter anderem einige Jahre für Möwenpick gearbeitet, im Service oder Events organisiert. Sie schaute sich auch ab, was bei den Gästen gut ankommt. Jetzt, in ihrem eigenen Café, legt sie Wert drauf, dass auch Gäste mit Allergien oder besonderen Vorlieben etwas zu essen finden. Die Brownies backt sie komplett ohne Mehl, auch vegane Kuchen gibt es. Das meiste backt sie allerdings nach alten Rezepten der Thüringer Oma ihres Mannes. „Weniger Zucker, dafür nur echte gute Butter“, sagt sie. Auch die Käsetorte kommt indirekt aus Thüringen. Daneben stehen eine zarte Biskuitrolle und eine üppige Snickerstorte – der Renner bei den Gästen.

Das Backen hat Eva Schmale einfach so gelernt, sagt sie. Um ein Café eröffnen zu können, musste sie noch eine Hygieneschulung absolvieren und einen Gesundheitspass beantragen. Der Umbau des Lampenladens zu einem Gastronomiebetrieb mit eigener Küche und sanitären Anlagen musste zudem in Abstimmung mit dem Bauamt und Hygieneamt erfolgen. Dann kam der Umbau. „Bei schönstem Sommerwetter“, sagt Schmale. „Und am Tag der Eröffnung regnete es.“

"Nach dem Eis sind sie immer glücklich“

Die Gäste kommen trotzdem. Und schätzen die zentrale, aber doch ruhige Lage. Viele kommen aus der Nachbarschaft, aus Geschäften oder Unternehmen, aus dem Rathaus, und essen in der Mittagspause eben ein Eis. Auch Dezernenten seien schon da gewesen, sagt Schmale, und einmal eine GZSZ-Schauspielerin. Manche bringen mittlerweile eigene Thermobecher oder Tupperdosen für größere Bestellungen mit. Wer sich bei der Sortenauswahl nicht entscheiden kann, darf kosten. Und für Kinder gibt es das Angebot, zwei verschiedene halbe Kugeln zum Preis von einer zu kaufen.

Die vergangenen Wochen hat Eva Schmale durchgearbeitet. Ihr Tag beginnt gegen acht Uhr mit Kuchenbacken. Dann muss das tiefgefrorene Eis, das sie aus Berlin holt, in eine besonders temperierte Gefriertruhe – damit es sich später leicht portionieren lässt. Nebenbei hat sie ein junges Mitarbeiterteam angelernt. „Jedes Mädchen muss die Kaffeemaschine bedienen und natürlich alle Eisbecher zusammenstellen können.“ Sie erinnert sich noch, wie aufgeregt sie selbst am ersten Tag war. Das Waffelhörnchen des allerersten Kunden hat sie vor Anspannung in der Hand zerdrückt. Der Gast nahm es mit Humor. und kommt nun regelmäßig. „Egal, mit welcher Laune oder Stimmung die Gäste hier eintrudeln – nach dem Eis sind sie immer glücklich“, sagt die neue Eisverkäuferin.

Evas Sünde, Dortustraße 22, geöffnet täglich von 13 bis 20 Uhr.

Social Media

Umfrage

Die Einengung der Zeppelinstraße in Potsdam hat im Zuge der Dieseldebatte bundesweit Interesse geweckt. Ist die Maßnahme nötig, um ein Dieselfahrverbot in Potsdam zu verhindern? Stimmen Sie ab!