22.05.2017, 19°C
  • 11.05.2017
  • von Henri Kramer

Defizitäre Tropenhalle in Potsdam: Grüne fordern Abriss der Biosphäre

von Henri Kramer

Unter dunklen Wolken. Der moderne Bau der Biosphäre im Bornstedter Feld in Potsdam könnte abgerissen werden. Das fordern die Grünen – und vielleicht nicht nur sie. Noch gibt es allerdings keine weiteren politischen Bekenntnisse für einen Abriss. Foto: A. Klaer

Die Biosphäre in Potsdam soll abgerissen werden. Das fordert die Fraktion der Grünen im Stadtparlament. Die Stadtpolitiker wollen noch vor der Sommerpause entscheiden.

Potsdam - Die Debatte um die Zukunft der chronisch defizitären Biosphäre nimmt Fahrt auf. Denn erstmals schlägt mit den Grünen eine Fraktion im Stadtparlament jetzt ernsthaft den Abriss der Tropenhalle vor. Ob der Vorstoß eine Mehrheit findet, ist bislang unklar.

Grünen-Fraktionschef Peter Schüler stellte am Mittwochabend im Hauptausschuss den brisanten Antrag vor. Danach soll ein Architekturwettbewerb für einen Neubau auf dem Biosphären-Grundstück ausgeschrieben werden – was den Abriss der Tropenhalle bedeuten würde. Zuvor müsse ein Nutzungskonzept für das Areal erarbeitet werden, um dort die für den Potsdamer Norden erforderliche soziokulturelle Infrastruktur unterzubringen – Bürgertreff, Jugendfreizeiteinrichtung, Gastronomie oder Sportanlagen.

Begründung: Biosphäre ist eine zu große Belastung des städtischen Haushalts

Zur Begründung führen die Grünen an, Sanierung und dauerhafte Bezuschussung des Gebäudes seien eine zu große Belastung des städtischen Haushalts. „So schmerzlich es ist, eine der wichtigsten Architekturen nach 1990 wieder aufzugeben“, bedauern die Grünen in dem Antrag – alle über die Jahre unternommenen Versuche, die Halle anders zu nutzen, seien gescheitert. „Die Denkschranke für einen Abriss muss fallen“, sagte Schüler. Seine Fraktionskollegin Saskia Hüneke sagte, vor allem würden nun Vergleichszahlen benötigt, inwiefern ein Neubau auch wirtschaftlicher betrieben werden könnte.

Anlass für den Vorstoß ist die zuletzt vom Rathaus vorgelegte Variantenprüfung, die einen Weiterbetrieb der Tropenhalle vorsieht. Wie berichtet will die Stadtspitze die Halle sanieren und verschönern, für mindestens 20 Jahre an einen privaten Investor abtreten und dafür zunächst mit 1,9 Millionen Euro pro Jahr deutlich mehr Geld als bisher zahlen. Dafür soll erneut eine europaweite Ausschreibung gestartet werden. „Ich halte nicht für ausgeschlossen, dass wir dabei Interessenten finden“, sagte Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD). Inzwischen seien frühere Fördermittelauflagen – unter anderem keine öffentliche Gastronomie zu betreiben – nicht mehr gültig. Daher seien die Ausgangsbedingungen nun anders, so Jakobs. Dennoch sorgt der Plan in der Stadtpolitik für erhebliche Bedenken. Das wurde auch im Hauptausschuss deutlich. Allerdings gab es zunächst keine weiteren Fürsprecher für den Abriss.

Scharfenberg (Linke) gegen Abriss der Tropenhalle

So sagte CDU-Fraktionschef Matthias Finken: „Für uns kommt nur eine Lösung infrage, die für den städtischen Haushalt vorteilhaft ist.“ Man werde noch einen konkreten Vorschlag machen. SPD-Fraktionschef Pete Heuer sagte, es sei richtig, sich mit der Debatte zur Zukunft der Halle zunächst Zeit zu lassen. Gegen einen Abriss sprach sich Linke-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg aus. Der Antrag der Grünen sei ein Paradigmenwechsel, kritisierte er – bisher hätten sich die Stadtverordneten mit großer Mehrheit für den Erhalt der zur Bundesgartenschau 2001 errichteten Halle ausgesprochen. Zugleich kritisierte Scharfenberg allerdings auch, dass die Verwaltung bisher zusätzliche Einrichtungen in der Tropenhalle – etwa einen Jugendklub – ablehnt: „Das ist für mich schwer zu akzeptieren.“

Das wiederum konterte Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD). Wer weitere Funktionen in die Biosphäre integrieren wolle, müsse mit Zusatzkosten über die besagten 1,9 Millionen Euro hinaus rechnen. Zudem sei auch klar: Wenn die Tropenhalle erhalten bleibe, werde es kein Geld und keine Flächen mehr für andere im Norden geforderte Einrichtungen geben, etwa ein Kiezbad oder ein Stadtteilzentrum. Die Untersuchungen der Stadt hätten ergeben, dass sich solche fremden Nutzungen in die Biosphäre nur mit erheblichen Aufwand einbauen lassen könnten, betonte Jakobs – wer solche Funktionen wolle, müsse für den Abriss stimmen. Ein Problem ist unter anderem ein erhebliches Gefälle am Hallenboden, das jeden Umbau erheblich teuer mache, sagte Siegfried Weise von Geschäftsstelle Stadtentwicklung. Schließlich beendete der Ausschuss die Debatte auf SPD-Antrag ergebnislos, am 31. Mai soll dort weiter diskutiert werden – laut Jakobs werde aber noch vor der Sommerpause entschieden.

Biosphäre muss saniert werden - für 6,5 Millionen Euro

Auch der allgemeine Sanierungsbedarf der Halle ist mit 6,5 Millionen Euro hoch und damit ein weiterer Kostentreiber für die Weiternutzung. Es geht unter anderem um feuchtigkeitsbedingte Korrosionsschäden an der Halle. Auf PNN-Anfrage teilte das Rathaus mit, es bestehe Instandsetzungsbedarf an der Dachdichtung und der Hallenkonstruktion. „Die Statik der Halle oder des Daches ist jedoch nicht gefährdet“, sagte ein Stadtsprecher. Auch sei die Tragfähigkeit nicht beeinträchtigt.

Keine Rolle spielten im Hauptausschuss die weitergehenden Pläne der Stadt, sollte kein Investor gefunden werden. Dann würde die kommunale Bauholding Pro Potsdam, die die Halle über eine Tochter betreibt, wieder einspringen müssen. Es wären zunächst weiterhin 1,9 Millionen Euro städtische Zuschüsse fällig – Jahr für Jahr. Schon mehrfach hat die Halle der Stadt einen Eintrag ins Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler beschert.

Social Media

Umfrage

Soll die Biosphäre abgerissen werden, wie es die Grünen-Fraktion im Stadtparlament nun fordert? Stimmen Sie ab!