25.04.2017, 9°C
  • 18.03.2017
  • von Marco Zschieck

FORTUNAS Fazit: Überfischt

von Marco Zschieck

Das Tagesgeschehen ist oft von einer gewissen Fallhöhe gekennzeichnet. So war es jedenfalls zu Wochenbeginn: Am selben Tag, als Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) ankündigte, bei der nächsten Wahl nicht mehr zu kandidieren, wurde bekannt, dass das mobile Toilettenhäuschen auf dem Alten Markt wieder verschwindet. Die Ära von Jakobs währte mit bisher 15 Jahren zwar bedeutend länger als die des Toilettenwagens, dennoch bewahrte Potsdam die Fassung. Weinende Menschenmassen wie in Pjöngjang oder Havanna waren nicht zu sehen. Allerdings bleibt das Stadtoberhaupt ja auch noch gut anderthalb Jahre im Dienst. Es bleibt also Zeit für den Abschied und die Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin.

Gesucht werden auch Lehrer. Denn der Anteil ersatzlos ausgefallener Schulstunden ist in Potsdam im ersten Schulhalbjahr gestiegen. Dabei wäre Bildung doch so wichtig, um Lösungen für alte und neue Probleme zu finden. Zum Beispiel um zu erforschen, wie Potsdam seine wachsenden Verkehrsprobleme bewältigen kann. Damit beschäftigte sich auch eine Podiumsdiskussion im Treffpunkt Freizeit am Dienstag. Zur Lösung soll auch das Fahrrad beitragen – so hat es zumindest die Stadtverwaltung bisher ausgemacht. Es sollen nämlich noch mehr Potsdamer Fahrrad fahren. Das fällt bisweilen schwer, weil Fahrräder in Potsdam häufig gestohlen werden. In der Vergangenheit waren Fahrraddiebe in Potsdam häufig auf der Suche. Nun überraschte die Polizei mit der Nachricht, dass die Zahl der Fahrraddiebstähle 2016 erstmals seit Langem wieder gesunken ist. Ein Erfolg der Ermittlungsarbeit, hieß es. Nur böswillige Geister würden vermuten, dass die Diebe vielleicht nicht mehr genug lohnenswertes Material entdecken. Also eine Art Überfischung.

Rar sind in Potsdam auch Pflegekräfte. Viele von ihnen ziehen es nämlich vor, in Berlin zu arbeiten, weil dort besser bezahlt wird. Gesucht werden in Potsdams Mitte seit dem heutigen Samstag auch Bauherren für die Grundstücke auf dem Areal der jetzigen Fachhochschule Am Alten Markt. In die künftigen Häuser könnten dann Lehrer, Pflegekräfte und vielleicht sogar ein Oberbürgermeister einziehen. Das wäre doch was. Es soll dort ja sozial gemischt zugehen. Vielleicht findet sich sogar noch Platz für eine Fahrradgarage und eine öffentliche Toilette.

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