25.06.2017, 20°C
  • 14.03.2017
  • von Henri Kramer

Alter Markt in Potsdam: Die „Pipi-Lounge“ kommt weg

von Henri Kramer

Andrang. Der Toilettencontainer am Alten Markt war Anfang März aufgestellt worden – vor allem, damit sich vor dem Museum Barberini wartende Menschen erleichtern können. Nun wird er wieder verschwinden. Foto: Sebastian Gabsch

Nach nur wenigen Tagen wird das öffentliche WC am Alten Markt wieder abgebaut, weil es sich für den Betreiber nicht gelohnt hat. Es gab aber auch einige Beschwerden über die frivole Innengestaltung.

Potsdam - In Potsdam gibt es eine weitere Debatte um die Innengestaltung einer Toilette. Doch diese ist vermutlich nur von kurzer Dauer, denn die Anlage wird schon wieder abgebaut. Es geht um die Anfang des Monats aufgestellte „Pipi-Lounge“ am Alten Markt – und das Interieur des Toilettencontainers. Wegen dessen frivoler Innengestaltung habe es einzelne Beschwerden gegeben, bestätigte Stadtsprecher Jan Brunzlow am Montag auf PNN-Anfrage. Daher werde die Stadt nun das Gespräch mit dem Betreiber suchen, ob der Toilettencontainer innen neutraler gestaltet werden kann.

"Hausfrau: 0,50 Euro. Jungfrau 2,00 Euro"

Unter anderem geht es um zwei Schilder, die an den Eingangstüren für den Damen- und Männerbereich hängen. Auf dem Schild für die weiblichen Benutzer ist vermerkt: „Achtung. Preisanpassung nach neuer EU-Richtlinie. Hausfrau: 0,50 Euro. Jungfrau 2,00 Euro.“ Für die Männer heißt es ganz ähnlich: „Kleiner Penis 0,50 Euro. Großer Penis 2,00 Euro.“ Ungewöhnlich sind auch die Männerpissoirs gestaltet – mit lachenden Frauen, die mit Fingern oder Blicken auf die Urinale deuten – über denen jeweils „Bier“, „Wein“ oder „Schnaps“ steht. Dazu prangt groß der Spruch „Bitte helfen Sie uns zu trennen“. Auf den Türen der Damen-WCs sind die Namen von Hollywood- und Fußballstars wie George Clooney, David Beckham und Hugh Jackman zu finden, den Herren-Toiletten sind Stars wie Heidi Klum und Marilyn Monroe zugeordnet.

Stadtsprecher Brunzlow sagte, über diese Innengestaltung werden man nun mit dem Inhaber der Toilette sprechen – dem Stahnsdorfer Schaustellerbetrieb „Meyer & Sohn“. Doch die Gespräche sind nun gar nicht mehr nötig. Denn die Toilette werde ohnehin am heutigen Dienstag wieder entfernt, sagte ein Sprecher des Schaustellerbetrieb am Montagnachmittag auf PNN-Nachfrage. Der Betrieb – der Eintritt kostete 50 Cent – habe sich nicht gerechnet. Von Beschwerden über die Innengestaltung habe er nichts gehört. „Wir wollten damit helfen.“

Eigentlich sollte der Toilettencontainer bis Ende Mai auf dem Alten Markt stehen

Auch Stadtsprecher Brunzlow bestätigte, der Betreiber sei mit der Idee, den sonst bei Rummelfesten genutzten Toilettencontainer am Rande des Alten Markts aufzustellen, auf die Stadt zugekommen. Eigentlich war die befristete Lösung bis Mai vorgesehen. Hintergrund ist der Besucheransturm auf das Kunstmuseum Barberini, vor dem sich häufig Warteschlangen bilden. Deswegen hatte es Kritik gegeben, weil sich am Alten Markt keine öffentlichen Toiletten befinden. Als langfristige Lösung erwägt die Stadt die Errichtung einer öffentlichen Toilette hinter dem Filmmuseum in der Schlossstraße. Zudem seien schließlich in allen Einrichtungen am Alten Markt auch Toiletten vorhanden. Als Übergangslösung war zunächst aber die nun geschlossene „Pipi Lounge“ vorgesehen.

Nicht der erste Streit um Toiletten in Potsdam

Erst kürzlich hatte der Streit um die Gestaltung einer Toilette in Potsdam sogar bundesweit Schlagzeilen gemacht. Dabei ging es um Urinale in Mundform, die in dem neuen Potsdamer Club „Pirschheide“ und im Fitnesscenter „John Reed“ hängen. Dagegen hatte sich der Frauenpolitische Rat des Landes Brandenburg zusammen mit der städtischen Gleichstellungsbeauftragten und dem Potsdamer Frauenzentrum gewandt. „Wir schlagen vor, diese Urinale schnellstmöglich zu demontieren.“ An einem öffentlichen Ort damit „zu kokettieren, dass bereitwillig aufgesperrte Frauenmünder jederzeit für die Verrichtung der männlichen Notdurft bereitstehen“, sei gedankenlos und schlimmstenfalls frauenverachtend, so der Zusammenschluss von 20 Frauenorganisationen in einer Mitteilung. Es folgte Kritik an der Kritik – etwa von der frauenpolitischen Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Kristy Augustin. „Sollten wir uns als engagierte Frauen in unseren Verbänden nicht den wirklichen Herausforderungen stellen und für Lohngleichheit, einen höheren Frauenanteil bei politischen Ämtern, Vereinbarkeit von Familie und Beruf und vieles mehr eintreten, statt uns über Pipifax aufzuregen?“

Die niederländische Designerin der wie ein Frauenmund mit knallroten Lippen geformten Pissoirs hatte in einer Stellungnahme betont, bei dem „Kisses!“-Urinal handele es sich um ein geschlechtsloses Kunstobjekt im Cartoon-Style. Dagegen hatte Potsdams SPD-Chefin und frühere Frauenratsvertreterin Ulrike Häfner zuletzt im PNN-Interview erklärt, das Pissoir entspreche einer sexistischen Symbolik. „Die unwidersprochene Duldung kommt einem Gutheißen und damit einer Legitimation gleich. Frauenfeindlichkeit wird banalisiert.“ Auch die Grünen-Fraktion hatte das Abhängen der Pissoirs gefordert.

Social Media

Umfrage

Soll die Biosphäre abgerissen werden, wie es die Grünen-Fraktion im Stadtparlament nun fordert? Stimmen Sie ab!