21.08.2018, 23°C
  • 04.06.2018
  • von Steffi Pyanoe

Klassik am Weberplatz: Soundtrack Babelsberg

von Steffi Pyanoe

Bestens besucht. Die zehnte Auflage von „Klassik am Weberplatz“. Foto: Manfred Thomas

Besucherrekord und ein doppeltes Orchester zur zehnten „Klassik am Weberplatz“.

Potsdam - Zwei Orchester, 107 Musiker, 3800 Zuschauer, zwei Knuts und kein einziger Regentropfen – so ließe sich das Jubiläumskonzert „Zehn Jahre Klassik am Weberplatz“ knapp zusammenfassen. Aber diese lange Samstagnacht war so viel mehr, wunderbare Musik, Festivalstimmung und ein Publikum, das mit seinen zwei Orchestern feierte: dem Sinfonieorchester Collegium Musicum und dem Filmorchester Babelsberg. Es war das erste Mal, dass sich diese auf der Bühne begegneten. Die Instrumente waren jeweils hälftig besetzt, von acht Hörnern bis zwei Harfen – traumhafte Spielbedingungen.

Das Programm lag nahe, quasi um die Ecke: Filmmusik „made in Babelsberg“. Knut Andreas, Orchesterleiter des Collegium Musicum, hatte passend dazu Kinoexperten Knut Elstermann zur Moderation gewinnen können – zwei Experten, die sich gekonnt und genussvoll die Bälle zuwarfen. Der Abend begann mit einem Medley aus unbeschwerten Ufa-Zeiten und „Tango für Paul“ erinnerte an Frank Beyers „Der Bruch“ von 1989, Günther Fischer schrieb die Musik. Dann ging es weiter zurück in die DDR-Zeit, Barockes aus dem Historien-Mehrteiler „Sachsens Glanz und Preußens Gloria“ mit Musik von Karl-Ernst Sasse. Fischer, Sasse und Peter Gotthardt, der für „Paul und Paula“ komponiert hatte, waren die drei großen Filmkomponisten der Defa, so Elstermann, und es gab sie mehrfach zu hören.

Gojko Mitic' Filmfigur  sollte gar nicht sterben

Sasse konnte eben nicht nur Barock, er konnte auch Western wie in „Der Scout“ und „Spur des Falken“. Elstermann wusste Unterhaltsames zu berichten, zum Beispiel, dass sich die DDR-Kulturpolitik schwertat mit der Idee, den Helden Gojko Mitic am Ende sterben zu lassen. „Da gab es ernsthaft Überlegungen, ob man das dem Publikum antun könnte.“ Aus „Solo Sunny“ spielte Saxophonist Ulrich Tewes den schmachtvollen Part, den Günther Fischer geschrieben hatte und der damals von Jazzsängerin Regine Dobberschütz so wunderbar gesungen wurde.

Ganz anders neue Filmmusik, wuchtiger, kompakter, oftmals ein Klangteppich mit vielen Wiederholungen. Das sei der neuen Filmtechnik geschuldet, erklärte Andreas. „Da wird bis zuletzt geschnitten und die Musik muss flexibel sein – mal ein paar Takte mehr oder weniger, das darf nicht weiter auffallen.“ „Monuments Men“, „Anonymus“, „Operation Walküre“ und „Bridge of Spies“ holten das neue Babelsberg-Hollywood auf die Bühne. Der Weberplatz war bis zuletzt voll mit einem begeisterten Publikum aus allen Altersgruppen und aus den umliegenden Fenstern schauten Anwohner zu. Die letzte Zugabe erklang um 23.30 Uhr: „Pink Panther“, ein Gruß aus dem fernen Hollywood. 

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