16.08.2018, 28°C
  • 06.04.2018
  • von Richard Rabensaat

Ausstellung in Potsdam: Ruhe in verhangener Landschaft

von Richard Rabensaat

Bis ins Detail.

Der BVBK zeigt Bilder aus Norwegen von den Stipendiaten Marion Angulanza und Ingar Krauss.

Potsdam - Norwegen, das Land der einsamen Fjorde, der Mitternachtssonne, kann schön, aber auch recht ungemütlich sein. „Die meiste Zeit hat es geregnet. Die Temperaturen haben sich um zwölf Grad bewegt, im August“, sagt Marion Angulanza. Zusammen mit dem Fotografen Ingar Krauss zeigt die Malerin im Brandenburgischen Verband Bildender Künstlerinnen und Künstler (BVBK) Bilder, die im vergangenen Jahr in Norwegen entstanden sind. Steigen ist der Name des Ortes, 250 Kilometer oberhalb des Polarkreises gelegen. Rund 2500 Einwohner hat der Ort in der Kommune Leinesfjord, nahe der Lofoten-Inseln. Für diesen Teil der Welt sei das schon ein recht großer Ort, versichern die beiden Künstler, die 2017 ein Stipendium des Landes Brandenburg in Kooperation mit dem BVBK Potsdam erhielten: eben diesen zweimonatigen Arbeitsaufenthalt in den Lofoten.

Krauss hatte mehr Glück mit dem Wetter. So konnte der Fotograf ausführliche Wanderungen in der Landschaft unternehmen. „Ich wollte nicht das typische Klischee von Norwegen zeigen: Fjorde, Berge“, sagt Krauss. Deshalb hat der Künstler ein Fotoprojekt fortgesetzt, das er schon in Brandenburg begonnen hatte: Wälder, Bäume sind das Thema und: „Es geht mir auch um den menschlichen Eingriff in die Landschaft“, so Krauss. Baumstämme, in den Wald geschlagene Schneisen, Pfade sind auf den schwarzweißen Fotografien zu sehen. Die Filme der analog aufgenommenen Fotos entwickelt Krauss selbst und bringt sie dann auf Papier. „In Norwegen hatte ich natürlich kein Labor, also habe ich die Bilder erst in Deutschland belichtet“, sagt der 1965 geborene Krauss. Im Oderbruch hat er mit seiner Partnerin einen Bauernhof renoviert und startet von hier aus zu Fototouren, die unter anderem zu Ausstellungen in Museen in Frankreich und England und zu Stipendien der Stiftung Kunstfond und des Berliner Kultursenates geführt haben.

Dunkle Szenarien

Es sind eher dunkle Szenarien, die Krauss von der norwegischen Flora aufs Papier gebannt hat. Eine sonderbare, geheimnisvolle Spannung scheint den Bildern innezuwohnen. Die Landschaft wirkt wie verwunschen, als könne sogleich irgendein mythisches Wesen unter einen Stein oder einem Ast hervorspringen. Die Landschaftsfotografien ergänzen Bilder von Stockfischen, die Krauss zwar ohne künstliches Licht, aber in sorgfältigem Arrangement wie altmeisterliche Stillleben fotografiert hat. Der getrocknete, eher banale, bis aufs Skelett abgenagte Fisch bekommt so eine sonderbare Aura. Der Blick auch für die eher unspektakulären Wunder der Natur wird geschärft.

Hiermit korrespondieren die Landschaften von Angulanza, die vorwiegend mit Bleistift zeichnet. Es sind fast fotografisch genau Detailskizzen von Landschaften, Himmel und weiten Fjorden, die in ihrer ziselierten Kleinteiligkeit faszinieren. „Im Ort und in der Natur habe ich recherchiert und Skizzen gemacht und dann im Atelier gezeichnet“, schildert Angulanza ihren Stipendiatenalltag. Die drei Ateliers in dem ehemaligen Geschäftshaus seien recht groß gewesen, etwas spärlich möbliert, aber so war konzentriertes Arbeiten möglich, hat die Künstlerin festgestellt. „Ich wollte mit dem Stipendium künstlerisch etwas Neues ausprobieren“, beschreibt Angulanza ihre Motivation. Daher seien nicht nur die weiten, schraffierten Bleistiftlandschaften entstanden, sondern auch kleinteilige Aquarelle. Auch die sind nah an der Natur, zeigen einsame Strände und verhangene Wolkenbänke. „Das sind fast Postkartenlandschaften, so schön war es. Es hat wirklich so ausgesehen“, versichert die Künstlerin. Es dauerte einige Zeit, bis sie mit einem alten Fahrrad die richtigen Perspektiven und Blickwinkel für ihre aufwendigen Zeichnungen gefunden hatte. Die so entstandenen Bilder lassen den Betrachter in die norwegische Landschaft eintauchen. Einen Haken hatte der so beschauliche Aufenthalt in entschleunigter Landschaft dann aber doch, kritisiert die 57-jährige Künstlerin: „Der Wein und der Alkohol überhaupt waren nicht sonderlich gut und sehr teuer.“

Zu sehen bis 29. April in der Produzentengalerie des BVBK, Charlottenstraße 122, Mi bis Fr 11–17 Uhr, Sa/So 12–16 Uhr

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