17.07.2018, 27°C
  • 31.03.2018
  • von Richard Rabensaat

Freundschaftsinsel Potsdam : 7 Ausstellungen: Glaubenssache

von Richard Rabensaat

Foto: Sebastian Gabsch

Wie der Brandenburgische Kunstverein mit seiner aktuellen Schau auf der Freundschaftsinsel an das Nicht-Sichtbare appelliert.

Potsdam - Gleich „Sieben Ausstellungen“ finden derzeit im Pavillon auf der Freundschaftsinsel statt. So jedenfalls kündigt es Kurator Lukas Töpfer in der Vorschau an. Wie aber soll das gehen, fragt sich der unbedarfte Besucher, auf der relativ kleinen Fläche des luziden Pavillons sieben Ausstellungen unterzubringen?

„Der Titel ist natürlich auch ein wenig als Provokation gemeint“, gesteht Gerrit Gohlke, der künstlerische Leiter des Brandenburgischen Kunstvereins Potsdam (BKV), der den Pavillon bespielt. Die Lösung ist dann auch gar nicht so schwierig: Es handelt sich um Konzeptkunst. Und die spielt sich bekanntermaßen zu weiten Teilen im Kopf und nicht auf der Wand oder im Raum ab. So sind auch die Eingriffe und Exponate der Künstler im Raum eher minimal – wodurch tatsächlich sieben verschiedene Ausstellungskonzepte im Raum positioniert werden können.

Sprengung von Hochhäusern

Der BKV gibt dem gläsernen Kubus mit jeder Ausstellung ein völlig neues Gefüge. So auch bei der gegenwärtigen Ausstellung, bei der wiederum im Winkel postierte Stellwände den Raum neu strukturieren. Die künstlerischen Eingriffe und das Konzept der „Sieben Ausstellungen“ fügen sich gut in die so gewonnene Ausstellungsfläche. So tickt das Werk von Johanna Jaeger unscheinbar auf der umgebenden weißen Wandfläche. „n.t. (time implant)“ ist der Titel. Es handelt sich um ein „hinter der Wand installiertes Uhrwerk, Sekundenzeiger“, erläutert der Ausstellungstext. Tatsächlich sind ausschließlich die beiden kleinen Zeiger zu sehen, die sich auf der dementsprechend recht riesig erscheinenden Wandfläche drehen.

Auffälliger sind da schon die Fotos der Sprengung eines Hochhausblocks, der US-amerikanischen Sozialbausiedlung Pruitt-Igoe. Mithilfe des immergleichen, urheberrechtsfreien und in verschiedenen Varianten gerahmten Fotodokuments beschäftige sich der Kurator „exemplarisch mit dem Format Ausstellung sowie der Kanonbildung in der Kunst“, so der Ausstellungstext.

 „20ml Steinbohrstaub auf Holzpodest“

„Kunst entsteht durch wiederholte Präsentation und Rezeption von Kunstwerken in relevanten Ausstellungszusammenhängen“, sagt Lukas Töpfer. Deshalb die wiederholte Hängung des Bildes, das aber auch als Zeitdokument interessant ist. Denn mit der Sprengung endete nach Angaben des Kunstkritikers Charles Jencks die moderne Architektur: Das Konzept des gemeinsamen Wohnens verschiedener sozialer Schichten sei in Pruitt-Igoe gescheitert und mit der Sprengung der Häuser spektakulär beendet worden.

Ein Teil der Ausstellung findet nicht im Pavillon, sondern im Potsdamer Stadtgebiet statt. Allerdings sind die Kunstwerke nicht sichtbar. Denn es sind Handlungsanweisungen, die Künstler an Personen ausgegeben haben, die eine Assistentin des Vereins aus beliebigen Potsdamer Bürgern ausgesucht hat. „Hiermit bitte ich Sie, einen Liter Wasser aus der Havel zu entnehmen. Eine leere Flasche ermöglicht Ihnen, dabei genau zu sein“, wünscht sich der Künstler Felix Kiessling von der beauftragten Person. „In der Ausstellung sind lediglich die Anweisungen zu lesen. Die Umsetzung bleibt den Leihnehmern überlassen und wird nicht dokumentiert“, so der Ausstellungstext. Ob und wie weit die aus der Handlung bestehenden Kunstwerke entstehen, bleibt so letztlich dem Glauben und der Fantasie des Betrachters überlassen. Wie auch bei einigen anderen Kunstwerken, beispielsweise bei der „Wasserspiegelsenkung Elbe, 2018“ von Felix Kiessling. Die besteht aus: „20ml Steinbohrstaub auf Holzpodest“.

Ein persönliches Werk hat Lukas Töpfer allerdings auch in die Ausstellung eingebracht. Das Gemälde von Erich Hartung heißt: „Wartburg“ und zeigt diese auch, in schöner Landschaft gelegen, ordentlich gemalt mit Öl auf Leinwand. Das Bild sei ein Erbstück aus der Familie, erläutert Töpfer. Eigentlich gerate es in der rein konzeptuelle Ausstellung zum Fremdkörper.

„Sieben Ausstellungen“, bis 3. Juni. Ostersonntag und -montag von 13 bis 17 Uhr geöffnet

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