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  • 26.03.2018
  • von Erik Wenk

Deutschlandfunk im Museum Barberini: Demokratie als gelungene Show

von Erik Wenk

Foto: Ronny Budweth

Deutschlandfunk diskutierte in seiner Podiumsdiskussion „Wortwechsel“ im Barberini über Politik als Theater.

Potsdam - „Wir amüsieren uns zu Tode“, mag man sich hin und wieder denken, wenn man in einer Mischung aus Belustigung, Grusel und Empörung die neuesten Medienberichte über Donald Trump konsumiert. Die Auslassungen von Trump, Putin, Erdogan und Co. mögen gut für Journalisten und Satiriker sein – aber für den Rest? „Politik als Theater – Wie unterhaltsam darf Demokratie sein?“, fragte daher nun der Deutschlandfunk in seiner Podiumsdiskussion „Wortwechsel“, die am Freitagabend live aus dem Museum Barberini übertragen wurde. Rund 60 Besucher verfolgten die Diskussion zwischen dem politischen Grafiker Klaus Staeck, dem Intendanten des Theaters und Orchesters Heidelberg, Holger Schultze, der Inhaberin der PR-Agentur Köttker Kommunikation & Consulting, Verena Köttker, und dem Leiter des Ressorts „Salon“ beim Magazin „Cicero“, Alexander Kissler.

„Demokratie muss nicht unterhaltsam sein, aber Politik schon, sonst dringt sie nicht mehr durch“, differenzierte Köttker zu Beginn. „Wenn Politiker nicht mehr als visionär wahrgenommen werden, haben sie keine Wirkungsmacht.“ Kissler stimmte zu, dass die Inszenierung heute mit dazu gehöre, wenn man als Politiker in der Öffentlichkeit stehe: „Wenn die Kamera an ist, muss man sich dessen bewusst sein, da darf die Krawatte nicht schief sitzen.“

"Für mich ist Trump eine Gefahr für die Demokratie.“

Dass immer wieder Trump als Beispiel vermeintlich gelungener Inszenierung bemüht wurde, führte bei Klaus Staeck zu Unmut: „Manche mögen das ja spaßig finden, für mich ist Trump eine Gefahr für die Demokratie.“ Dem widersprachen sowohl Kissler als auch Köttker, die Inszenierung in der Politik verteidigten – wenig verwunderlich, stellt doch das alltägliche Polittheater für Journalisten wie auch für die PR-Beraterin die Lebensgrundlage dar. „Trump sorgt definitiv für ein steigendes Interesse an Politik, die Leute schauen hin, was er macht, die Auflage der New York Times steigt“, so Kissler.

Paradoxerweise ist es der Theaterregisseur, der den Blick von der Bühne weglenkt: „Wir kommen immer mehr in einen Hype aus Vereinfachung und Populismus, aber das hat mit normaler Sachpolitik nicht mehr viel zu tun“, sagte Holger Schultze. Außerdem gebe es in der Politik viel schlechte Unterhaltung: „Vielleicht rührt die Politikmüdigkeit daher, dass es zu viel Show gibt“, so Schultze. „Das Verkaufen von Politik wird immer mehr zum Zentrum des Ganzen.“

Ein System, das Blender belohnt?

Weitgehend unbeantwortet blieb der ketzerische Einwurf von Moderatorin Susanne Führer, die fragte, ob staatsmännische Inszenierungen à la Putin einer Demokratie überhaupt angemessen sind: „Passt das nicht eher zu Imperatoren?“ Kissler räumte ein: „Diktatoren haben inszenatorisch leider einen Vorteil, da sie alle Gestaltungsmittel in der Hand haben.“ Auch sonst bleiben die echten Knackpunkte offen: Ob der ständige Zwang zur Inszenierung Sachpolitik nicht verunmöglicht, ob ein System, das Blender belohnt, ein grundlegendes Defizit hat, ob dies ein inhärentes Problem repräsentativer Demokratien ist und ob nicht auch eine Demokratie ohne Polittheater denkbar ist, wird kaum diskutiert.

Letztlich ist die Frage nach dem Unterhaltungsfaktor von Demokratien eine Scheindebatte, die auch nur deswegen geführt wird, weil die derzeitige Politik so unbefriedigend ist. Nach dem Motto: Wenn wir schon schlecht regiert werden, dann wenigstens unterhaltsam. Staeck bemerkte deshalb richtig: „Ich brauche keine Unterhaltung – ich brauche einen funktionierenden Staat.“ 

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