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  • 09.02.2018
  • von Heidi Jäger

Hagemeister soll aufsteigen in Corinth-Liga

von Heidi Jäger

Potsdam Museum plant für 2020 große Schau

Um Lovis Corinth ausstellen zu können, muss Karl Hagemeister erstmal weichen. Wie in der gestrigen Ausgabe in den PNN berichtet, erhielt das Potsdam Museum von einer süddeutschen Erbengemeinschaft einen Corinth als Dauerleihgabe. Ab April soll der „Weibliche Akt“ in der Dauerausstellung integriert werden, ebenso wie die zweite Dauerleihgabe aus gleichem Besitz: „Das Mausoleum in Sanssouci“ von Anna Fründ. Diese Malerin lebte eine Zeitlang in Potsdam und ist für die Kunstwelt eine Neuentdeckung.

Von dem berühmten deutschen Impressionisten-Dreigestirn Corinth-Liebermann-Slevogt besitzt das Potsdam Museum ansonsten keine Arbeiten. Corinths Akt ist die erste. „Unser größter impressionistischer Bestand ist von Karl Hagemeister: nach dem Bröhan-Museum deutschlandweit der zweitgrößte“, sagt Museums chefin Jutta Götzmann auf PNN-Nachfrage.

Bislang wurde der gebürtige Werderaner (1848-1933) jedoch eher regional wahrgenommen. Das soll sich ändern. 2020 widmet ihm das Potsdam Museum eine große Ausstellung. Dort sollen nicht nur Ölgemälde zu sehen sein, sondern auch die weniger bekannten Pastelle. Das Geld für Restaurierungskosten konnte schon eingeworben werden. In dieser Ausstellung sind dann auch Leihgaben aus dem Bröhan-Museum Berlin zu sehen, das selbst gerade seine Ausstellung mit Meisterwerken von Hagemeister und Leistikow bis 25. Februar verlängert hat. Für Götzmann steht fest, dass Hagemeister bislang unterschätzt werde. Sie möchte ihn auch durch die eigene Ausstellung in eine Liga mit dem „Dreigestirn“ heben.

Dennoch werde Hagemeister jetzt aus der Dauerausstellung entfernt, um Platz für die beiden restaurierten Bilder von Corinth und Fründ zu schaffen. Sie werden in dem Abteil „Modernisieren und Beharren“ hängen, das über die 20-er Jahre und Weimarer Zeit erzählt und auch über den Potsdamer Kunstsommer 1921. Dort war Lovis Corinth mit vertreten. Das Bild von Anna Fründ passe ebenfalls in die Zeit und den impressionistischen Stil. „Die Berührungspunkte von Corinth zu Potsdam wollen wir aber noch genauer recherchieren.“ Für den weiblichen Rückenakt könnte Anna Fründ selbst Modell gesessen haben. Jedenfalls befand sich das Corinth-Bild in ihrem Nachlass.

Ein weiterer Impressionist, der mit zahlreichen Werken im Potsdam Museum vertreten ist, sei Otto Heinrich. „Bisher sind wir davon ausgegangen, dass wir rund 750 Werke von ihm haben. In der internen Datenbank, die wir derzeit aufbauen und in der wir nach und nach den kompletten Bestand einpflegen, sind es inzwischen schon 1000“, so Götzmann. Auch die hervorragenden Arbeiten des Impressionisten Philipp Franck und seines Schülers Paul Kuhfuss sollten unbedingt mal gezeigt werden. „Es fehlt indes der Platz, um die ganze Kunstlandschaft abzubilden“, bedauert Jutta Götzmann.Heidi Jäger

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