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  • 12.01.2018
  • von Heidi Jäger

Schiffbauergasse in Potsdam: Licht an!

von Heidi Jäger

Verzauberung. Eine Lichtkugel tauchte im November die wuchtige Bühne des Waschhauses in eine heimelige Atmosphäre. Für temporäre Lichtspots soll in diesem Jahr verstärkt gesorgt werden. Foto: Tobias Koch

Das Kulturamt will bis 2021 in der Schiffbauergasse endlich mehr Orientierung schaffen.

Potsdam - Es tut sich was in der dunklen Schiffbauergasse. Mehr Licht soll kommen, mehr Werbung, mehr Übersicht. Die Missstände sind altbekannt. Neues Personal wird helfen, sie endlich zu beseitigen. In dieser Woche schreibt das Kulturamt Potsdam eine Mitarbeiterstelle aus, die sich künftig um das Projektmanagement und die Standortentwicklung kümmert.

Seit drei Jahren gibt es mit Isabel Ahrens eine Ansprechpartnerin für das Kulturmanagement, die für die Belange der Anrainer wie T-Werk, fabrik, Hans Otto Theater und Theaterschiff mit verantwortlich ist. An technischen Fragen, wie der des Brandschutzes, des Schallschutzes und der Eigentumsrechte schieden sich indes oft die Geister. Da konnte es schon mal passieren, dass bei einer Großveranstaltung wie dem Fest der Landesregierung auf der einen Seite der Rasen gemäht war und ein Meter weiter in die Höhe schoss. Dazwischen verlief eben eine Grenze. Der eine Bereich gehörte zum Sanierungsträger, der andere zum Grünflächenamt. Natürlich ist klar, was wem zuzuschreiben ist, aber es muss eine Person geben, die das auch weiß und entsprechend handelt. Ein Ansprechpartner für alle und alles, der die Fäden zusammenführt – das schwebt der Kulturamtsleiterin Birgit-Katharine Seemann vor. Der Veranstalter soll jedenfalls künftig keinerlei Schwierigkeiten im Hintergrund spüren. Und die Anfragen auf Vermietung nehmen zu.

Seit November 2017 ist klar, dass kein Management von außen kommt, um die Probleme im Kulturareal Schiffbauergasse zu richten. Das Kulturamt ist vorerst bis 2021 in der Pflicht. Hausaufgaben gibt es viele: mehr Präsenz in der Innenstadt und auf den Bahnhöfen, mehr Werbeflächen für Anlieger um die Schiffbauergasse herum, mehr Orientierungshilfen für Besucher – und vor allem mehr Licht.

Das künftige Doppel aus Isabel Ahrens und dem oder der Neuen soll bis spätestens März vor Ort einziehen: in das sanierte Office, den Backsteinbau zwischen Parkhaus und Waschhaus-Riesenbühne. Ein Infopoint und eine Ausstellung, die die Entwicklung der Schiffbauergasse seit 1992 mit den ersten Waschhauspartys dokumentiert, ist dann dort ebenfalls zu finden. Und die so oft geforderte öffentliche Toilette. Am 5. Mai gibt es ein Fest zum „Tag der Städtebauförderung“ für das Publikum, an dem auch noch einmal an die Anfänge erinnert wird.

726 000 Euro sind für das Standortmarketing Schiffbauergasse 2018 vorgesehen. Die gab es auch schon 2017, nachdem um 300 000 Euro aufgestockt worden war. 160 000 Euro fließen davon in „Stadt für eine Nacht“, die 2018 zukunftsweisend „Licht an“ überschrieben ist.

Vieles wurde in den Anfangsjahren der Schiffbauergasse mit Fördermitteln umgesetzt, wie die viel zu hoch angebrachte Beschilderung und das klägliche Licht. „Wir müssen jetzt schauen, wie wir das besser hinbekommen, ohne Fördermittel zurückzuzahlen. Bereits 2018 wollen wir einiges aufbrechen: schnell nach außen zeigen, dass sich etwas ändert, auch beim Licht“, kündigt Seemann an. Zwei temporäre Lichtprojektionen liegen in der Hand des Künstlers Rainer Gottemeier, der Veranstaltungsdienstleister Trollwerk will punktuell und temporär für Spots sorgen. Bauliche Veränderungen, wie etwa Lichtwegestrahle, dauern indes länger. „Wir versuchen auf jeden Fall, mit einigen Spots atmosphärisches Licht zu schaffen, dass es nicht gruselig ist. Beim Lichtspektakel im November haben wir bereits einiges ausprobiert und einen ,Zauberwald’ geschaffen“, sagt die Standortbeauftragte Isabel Ahrens. Vielleicht kann sich die Spiegelkugel über der Freilichtbühne ja dauerhaft drehen?!

Das 12 Hektar große Areal ist jedenfalls riesig und erschließt sich für Uneingeweihte nur schwer. Um sich etwas besser am Standort orientieren zu können, gibt es bis zum Sommer schon mal digital einen 360-Grad-Rundgang: eine smarthone-taugliche Version. Eine App könnte folgen. „Die Erwartung, dass Leute auch am Tage hinströmen, halte ich indes für verfehlt. Es funktioniert erst so richtig ab dem frühen Abend“, sagt Seemann. Aber natürlich muss es neben der „Beachbar“ der fabrik im Sommer auch im ganzen Jahr ein Café geben. Das Mittagsangebot der fabrik wird jedenfalls wieder aufgenommen. Das Geld für eine neue Küche ist in Höhe von 140 000 Euro fest eingeplant.

Die Schiffbauergasse will sich vor allem international aufstellen, sagt die Kulturamtsleiterin. Festivals mit überregionaler Ausstrahlung, die sich standortübergreifend in mehreren Häusern präsentieren, bekommen eine zusätzliche Förderung. Wie zum Beispiel das Festival „Unidram“, das zu seinem 25. Geburtstag 30 000 Euro mehr erwarten darf und dafür auch den Kunstraum bespielt. „Man kann nur etwas vermarkten, wenn man auch gute Produkte hat. ,Unidram’ kann inzwischen Produktionen einkaufen, an die sie vorher nie denken konnte. Bei ,Made in Potsdam’ haben wir auch einen Teil des Marketings übernommen. Wir können uns jetzt stärker darauf konzentrieren, weil es in unseren Händen liegt“, sagt Seemann.

Es soll auch einen Extra-Festivaltopf geben mit 25 000 Euro, um Festivals langfristig auf sichere Füße zu stellen und neue anzuschieben. Über die Vergabe des Geldes entscheidet eine Jury. Für Festivals gibt es zudem Geld aus Marketingmitteln. Die fabrik soll einschließlich der Landesmittel 470 000 Euro (4000 Euro mehr als 2017) erhalten. Zudem hat sie bei der Stadt 30 000 Euro für das „Tanzpaket“ beantragt, eine Tanzplattform für alle Generationen, das ähnlich wie „150 tanzen“ im ganzen Land Brandenburg unterwegs ist.

Insgesamt erhält der Fachbereich Kultur und Museum 1,3 Millionen Euro mehr als 2017 und damit rund 20 Millionen. Davon profitiert vor allem der Standort Schiffbauergasse durch die neue Stelle und das neue Office-Gebäude. Aber auch die Führungswechsel in den verschiedenen Häusern müssen finanziert werden. Das Hans Otto Theater erhält für Abfindungen der Schauspieler, die noch kein Anschlussengagement haben, für den Intendantenwechsel sowie für die Tarifsteigerung von 2,4 Prozent und Sachkostenzuwächse 600 000 Euro. Für eine neue Tonanlage im Theater gibt es 235 000 Euro und 440 000 Euro für neue Bühnentechnik. 2019 ist geplant, für 750 000 Euro die Bestuhlung in dem 2006 eröffneten Theaterhaus zu erneuern.

Das ganze Finanzwerk muss indes erst von den Stadtverordneten beschlossen werden – und das passiert nicht vor März.

„Bis 2021 geht es um Grundlagenarbeit, darum, bestehende Formate zu stärken und neue zu entwickeln.“ Aber Birgit-Katharine Seemann spinnt den Faden gern weiter: Regionale Kunstmärkte auf dem Schirrhof, Ateliers in der großen Kaserne, die jetzt noch von der Polizei genutzt wird, das alles schwebt ihr vor.

Bis 2021 ist noch der Sanierungsträger als Treuhänder der Stadt eingesetzt. Wird das Areal aus der Sanierungssatzung entlassen und an die Stadt übertragen, muss eine neue Rechtsform gefunden werden. Dazu soll es einen Bebauungsplan geben, der gerade vorbereitet wird. Ziel dieses Planes ist die Festschreibung der kulturellen Nutzung.

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