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  • 23.11.2017
  • von Grit Weirauch

Geschichte: Kutschstall soll zum Education Center werden

von Grit Weirauch

Der historische Kutschstall war 2016 Teil der Aktion "Unterwegs im Licht". Foto: R. Hirschberger/dpa

Schluss mit museal: Das Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte am Kutschstall will den Konkurrenzkampf in Potsdams Mitte aufnehmen.

Potsdam - Keine eigene Sammlung, eine veraltete Dauerausstellung und keine geeigneten Flächen für Sonderschauen – das Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte (HBPG) am Kutschstall hat zunehmend Schwierigkeiten, sich in der neuen Museumsmitte zu behaupten.

Das historische Stadtzentrum Potsdams wird immer attraktiver, mit Schloss, Potsdam Museum und natürlich dem Museum Barberini in der Nachbarschaft. Nur wie lässt sich davon profitieren? Gerade mal 27.000 Besucher besichtigen derzeit im Jahr das Museum. Das HBPG sehe sich mit gänzlich neuen Herausforderungen in der Vermarktung des Standorts Kutschstallensembles konfrontiert, heißt es in einem Papier, das das Land Brandenburg und die Stadt Potsdam gemeinsam verabschiedet haben – als Eckpunkte eines Konzepts, um das Haus wettbewerbsfähiger zu machen.

Gesamtes Ensemble soll umgebaut werden

Das Papier, das den PNN vorliegt, sieht den Umbau des gesamten Kutschstallensembles vor, aber auch eine interne Neustrukturierung des Hauses. Zuvorderst wollen dafür Land und Stadt die im Kutschstall ansässige Brandenburgische Gesellschaft für Kultur und Geschichte, unter dessen Dach sich das HBPG und Kulturland Brandenburg befindet, zu „einer landesweit agierenden, zentralen Institution zur Vermittlung von Landesgeschichte und Kultur“ weiterentwickeln.

Künftig soll überhaupt das Vermitteln und nicht das Ausstellen von Kultur und Geschichte oberste Priorität erlangen. Ziel sei es, die Geschichte des Landes Brandenburg an diesem zentralen Ort nicht mehr nur museal zu präsentieren, sondern interaktiv zu vermitteln.

Es reiche nicht, die rund 15 Jahre alte Dauerausstellung „Land und Leute. Geschichten aus Brandenburg-Preußen“ zu überarbeiten und ins digitale Zeitalter zu überführen, meinen die Experten. Auch seien die Möglichkeiten, was an größeren Sonderschauen gezeigt werden könne, technisch und räumlich limitiert.

Eine sehr weit gefasste Zielgruppe

„Der Aufwand zum Erhalt der Dauerausstellung und zur Realisierung von Sonderausstellungen und damit verbundenen Akquise steht zunehmend in keinem angemessenen Verhältnis zu den Besucherzahlen“, heißt es. Stattdessen wollen Stadt und Land nun das gesamte Haus als „Zentrum für historische und kulturelle Bildung“ („Education Center“) neu aufstellen. Mit einer neuen, auch digitalen „Bespielung“ der Räumlichkeiten und einer sehr weit gefassten Zielgruppe: Mittler und Lehrende ebenso wie Geschichts- und Kulturinteressierte, Familien mit Kindern sowie Touristen sollen sich im Kutschstall aufhalten, der „sukzessive ein Ort mit hoher Aufenthaltsqualität und Verweildauer werden soll“.

Statt Dauerausstellung ist eine Überblickspräsentation der Landesgeschichte geplant, „interaktiv und erlebnisorientiert“, dazu ein Experimentalraum („Brandenburg Lab“) und ein Medienzentrum. Ziel bei all dem ist eine Erhöhung der Besucherzahlen auf mindestens 70.000. Es gebe sogar noch weiteres Steigerungspotenzial, so die Münchner Kulturberatungsagentur actori, die das Konzept entworfen hat. Etwa indem man keinen Eintritt erhebe.

Die Kosten dafür sind beachtlich: Mit rund fünf Millionen Euro rechnet actori – allein der Investitionsbedarf für die bauliche Anpassung, Ausstattung und Technik belaufe sich auf rund 3,4 Millionen Euro. Hinzu kämen Kosten für die Umstrukturierung des Betriebs von insgesamt 1,6 Millionen Euro bis 2020. Nach dem Umbau müsste sich außerdem die institutionelle Förderung durch Stadt und Land um rund 900.000 Euro im Jahr erhöhen.

Verhandlungen um zusätzliche Mittel

Mit den Geldern sollten auch nötige neue Stellen geschaffen werden und bisherige befristete in feste Anstellungsverhältnisse umgewandelt werden, schlagen die Verfasser vor. Insgesamt sieht das Konzept sieben zusätzliche Mitarbeiter vor. „Das Eckpunkte-Papier ist der Startschuss für die weitere Projektentwicklung“, sagt Stephan Breiding, Sprecher des Kulturministeriums. Wer und in welcher Höhe für die zusätzlichen Mittel aufkommt, sei noch nicht klar. „Die Verhandlungen zwischen Stadt und Land sind noch nicht abgeschlossen“, so Breiding.

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