25.05.2017, 19°C
  • 20.04.2017
  • von Richard Rabensaat

Ausstellung auf dem Pfingstberg in Potsdam: Antike Musen und rotierende Sägeblätter

von Richard Rabensaat

Kantige Muse. Julia Theek verknüpft im Pomonatempel gestern und heute. Foto: Richard Rabensaat

Julia Theek verknüpft in ihrer Ausstellung im Pomonatempel auf dem Pfingstberg Street-Art und traditionelle Malerei.

Gerhard Vondruska ist ganz in seiner Rolle. Mit kräftiger Stimme lässt der Schauspieler den Fürsten von Pückler-Muskau vor dem Belvedere am Pfingstberg auferstehen. Der Fürst war nicht nur Generalleutnant und Landschaftsarchitekt, sondern auch ein Weltreisender. Damit seine Reisen nicht im Strudel der Geschichte verloren gehen, schrieb der Adlige jene Reiseberichte, die Vondruska am Ostersamstag verlas. Über Algier reiste Pückler-Muskau nach Ägypten, traf Herrscher und Potentaten und kaufte sich eine 12-jährige Sklavin, die er als Mätresse mit nach Europa nahm. Dort allerdings verstarb das Mädchen.

Verbindung zwischen Gegenwart und Histoire

Die Texte von Muskau fügten sich wunderbar in das mit Frühlingsgrün wieder erwachende gartenarchitektonische Juwel am Pfingstberg ein, das Peter Joseph Lenné einst gestaltete. Der Förderverein Pfingstberg hat auch dieses Jahr ein reichhaltiges Programm zusammengestellt, mit dem er das Areal bespielt. Es gibt Märchenlesungen und Open-Air-Kino, Ausstellungen und Konzerte. Dazu gehört auch die Ausstellung „bel vedere“ der Potsdamer Künstlerin Julia Theek, die am Osterwochenende eröffnete. Theek zeigt im Pomonatempel Bilder und Objekte, mit denen sie versucht, eine Verbindung zwischen Gegenwart und Historie herzustellen. Eine große Steele krönt ein goldener Adler. An dem meterhoch aufragenden Objekt finden sich Porzellanscherben aus Tellern und Tafeln. Gefunden hat die Künstlerin ihr Material bei den Ausgrabungsarbeiten für das kürzlich eröffnete Museum Barberini, erläutert eine Schautafel. So ist aus historischen Scherben und Fragmenten eine zeitgemäße Skulptur geworden.

Die Potsdamerin Julia Theek ist eigentlich Malerin. Früh erhielt sie Zeichenunterricht von ihrem Großvater, dem Künstler Paul August. Ein Studium der Ästhetik und Kunstwissenschaften schloss die 1966 geborene Künstlerin mit einer Arbeit zum Fernsehen ab und arbeitet seitdem als Autorin und Regisseurin. 2014 hat sie in Lübz einen alten Lebensmittelspeicher hergerichtet und für Kunstkurse und Ausstellungen geöffnet. Dort ist ein lebendiger Kunstort entstanden, erzählt die Künstlerin.

Street-Art und traditionelle Malerei

Im Pomonatempel sind indessen eigene Werke von Theek zu sehen. Mit einer Kombination aus Air-Brush-Technik, die auf Schablonen beruht, und freier Malerei stellt sie eine Verbindung aus Street-Art und traditioneller Malerei her. Auch ihre Motive verknüpfen Tradition und Gegenwart. Theek zeigt Königin Luise, der der Pfingstberg einer Anekdote zufolge seinen Namen verdankt. Als die Königin Pfingsten 1804 den Geheimrat Carl Ludwig von Oesterfeld auf seinem Weinberg besuchte, schlug sie die entsprechende Namensgebung vor, da sie den Aufenthalt recht angenehm fand.

Auch in einer weiteren Skulptur verbindet Theek Klassizismus und Gegenwart. Den Kopf des mit Scherenschnitt gesprühten Körpers der antiken Muse Polyhymnia ziert ein rotierendes Sägeblatt. So wechselt die Muse nach Belieben des Zuschauers den Kopf, wenn dieser an der Scheibe dreht. Es erscheinen sowohl der Originalkopf der Statue, wie auch der von PJ Harvey, deren Musik die Künstlerin bei der Entstehung des Air-Brush-Bildes auf der Stahlskulptur inspirierte. Zu sehen ist auch Friedrich Wilhelm IV., der, angeregt durch seine Reisen nach Italien, eine entsprechend schöne Tempelanlage auch in Potsdam entstehen lassen wollte. So plante und baute er über mehrere Jahrzehnte das Belvedere. Der König selbst schuf zahlreiche architektonische Skizzen und Zeichnungen, nach denen der hohe Säulenbau der Architekten Persius, Stüler und Hesse entstand. Gemessen an den Ideen des Königs ist das Belvedere das Fragment einer noch viel großartiger geplanten arkadischen Gartenlandschaft. Wer auf einem der Türme steht und über das Land schaut, dem erschließt sich nicht nur die namensgebende „schöne Aussicht“, sondern auch, wie wunderbar Potsdam ins grün bewaldete Brandenburg eingebettet ist. Richard Rabensaat

Julia Theek: „bel vedere“, zu sehen im Pomonatempel auf dem Pfingstberg. Die Ausstellung läuft bis zum 5. Juni und ist immer samstags, sonntags und feiertags von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

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Der Pfingstberg in Potsdam hat einen großen Fotowettbewerb ausgelobt. Bis zum 19. Mai können Sie noch mitmachen, den drei Gewinner winken wertvolle Preise. 

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