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  • 13.04.2017
  • von Ariane Lemme

Die Kunst der Bewegung als Komplettpaket : Tanztage: Neues Format für Workshops

von Ariane Lemme

Tanz und Parkinson. Bewegung und Improvisation mit Monica Gillette F.: Maurice Korbel

Das mit den Workshops ist fast das Schönste an den Tanztagen. Weil sie auffangen, was sonst oft überläuft oder versickert, wenn man sich großartige Kunst ansieht, im Museum, im Theater, egal wo. Das Bedürfnis, das Ganze selbst auch einmal auszuprobieren. Nicht weil man glaubt, dass man es ebenso gut kann wie die Künstler, sondern eher um zu begreifen, was die da tun. Deshalb ist es kein Wunder, dass die fabrik jedes Jahr mehr Workshops anbietet und immer mehr Menschen von immer weiter her anreisen, aus Taiwan, den USA, Skandinavien, Frankreich etwa, Gäste, die eine ganze Woche Urlaub nehmen und das Komplettpaket mit allen Workshops buchen.

Wenn die Tanztage, das Festival für zeitgenössischen Tanz in Potsdam, am 16. Mai beginnt, beginnen dieses Jahr auch die 33 Kursangebote, in fast allen können fast alle mitmachen. Es gibt Angebote für Kinder, für ältere Menschen, für Menschen mit und ohne Tanzerfahrung und einen für Menschen mit und ohne Parkinson. Oder für Rauflustige: In diesem Jahr gibt es erstmals einen Playfight-Workshop. Playfight – in Berlin gerade angesagt – ist etwas für Leute, die nicht länger alleine auf Yogamatten turnen, sondern in Kontakt mit anderen kommen wollen. Menschen, die keine Angst davor haben, andere anzufassen. Playfight ist eine Verabredung zum Raufen mit Fremden, spielerisch, gewaltlos. Im Mittelpunkt steht nicht, jemanden zu bekämpfen, sondern die eigenen und die Grenzen anderer auszutesten. „Es geht darum, ein Gespür zu bekommen für die eigene Angst und die der anderen, wenn man ein bisschen weiter geht, als man es in der alltäglichen Interaktion mit anderen gewohnt ist“, sagt Laurent Dubost von der fabrik. Dazu muss man zunächst dem Fremden vertrauen. Dass das passiert, dafür wird Bruno Caverna sorgen, der den Workshop leiten wird. Cavera kommt aus Brasilien, er bringt Ideen und Techniken von Capoeira, Akrobatik und Kontakt zu Improvisation mit ein.

Zum ersten Mal gibt es Workshops zur Arbeit und zum Repertoire von zwei großen Ikonen des zeitgenössischen Tanzes: zu Trisha Brown, der erst vor Kurzem verstorbenen Choreografin, geleitet von Judith Sanchez Ruiz und zu Pina Bausch. Marigia Maggipinto, die den Workshop „Tanztheater nach Pina Bausch“ leitet, ist seit vielen Jahren Mitglied in Bauschs Wuppertaler Ensemble. Sie wird verschiedene choreografische Formen und Techniken vermitteln, aber auch Ausschnitte, kleinere Phrasen aus Bauschs Stücken „Kontakthof“, „Nelken Revue“ oder „Viktor“. Im Workshop zu Trisha Browns Repertoire werden hingegen gemeinsam Muskelerinnerungen, der Begriff von Bewegung und Zeit sowie die mögliche Verbindung zum Boden erforscht.

Maggipinto bietet allerdings noch einen zweiten Workshop an, „Golden Age“ heißt er und richtet sich speziell an Menschen ab 55 Jahren, die Lust haben, zu improvisieren. Aus dem so entstehenden Bewegungsmaterial wird eine kleine Komposition entstehen, beeinflusst natürlich von Maggipintos langen Jahren bei Pina Bausch, aber auch von ihrem Studium bei Martha Graham. Noch so eine Grande Dame des zeitgenössischen Tanzes. Auch zu ihrer Arbeit und der von ihr geprägten Technik gibt es in diesem Jahr einen Kurs. Schwerpunkt dabei ist es, Gefühle durch das Prinzip von Kontraktion und Entspannung auszudrücken, alles dreht sich dabei um die Körpermitte – nicht nur im übertragenen, sondern ganz im wörtlichen Sinn.

Und wo wir schon bei den Grande Dames sind: Auch zur Technik von Germaine Acogny findet ein Workshop statt. Anders als Bausch, Graham und Brown lebt Acogny, die Ikone des modernen afrikanischen Tanzes, noch. Die Senegalesin war 2015 selbst an der fabrik zu erleben – mit ihrer Version des Tanz-Klassikers „Le Sacre du Printeps“. Die Grundlagen ihrer Arbeit – Verbindung zwischen Natur und Mensch, die Erdung und Ausrichtung des Körpers über die Wirbelsäule - wird jetzt Aida Colmenero Diaz vermitteln - im Open Air Studio, da ist es leichter, die eigenen Vorstellung mit der Natur zu verbinden, „die Kälte zu spüren oder die Wärme“, sagt Dubost. Ariane Lemme

Potsdamer Tanztage, 16. bis 28.Mai in der fabrik, Schiffbauergasse 10

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