27.04.2017, 11°C
  • 13.04.2017
  • von Grit Weirauch

Im Hamburger Olymp des Erfolgs: Die Kammerakademie Potsdam zu Gast in der Elbphilharmonie

von Grit Weirauch

Foto: Andreas Klaer

Für ein Orchester ist die Hamburger Elbphilharmonie derzeit so etwas wie der Olymp der Klassiksäle. Wer in den immer noch andauernden Eröffnungswochen des neu gebauten Saales als Gast hier auftreten darf, hat es in die obersten Reihen geschafft. Die Kammerakademie Potsdam, die KAP, hat am Montagabend diesen Olymp mit dem Fahrstuhl erklommen. Bis zur zehnten Etage führt er die Musiker in die Höhe – dort wo der Empfang für die Künstler ist und ein Chip ihnen die Zugangsberechtigung dafür erteilt, dass sie noch einmal zwei Stockwerke höher den Backstagebereich betreten dürfen. Alle Fenster geben dort einen grandiosen Blick frei nach außen, auf die Stadt, die Elbe und, wie im Fall der KAP zumindest, auch auf die im übertragenen Sinn erreichte Höhe.

Vor drei Monaten wurde die Elbphilharmonie, der als Jahrhundertsaal gefeierte Neubau der Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron, eröffnet. Bislang spielten hier nicht nur der Hausherr, das NDR-Orchester, sondern hochkarätige Klangkörper wie das Chicago Symphony Orchestra oder die Wiener Philharmoniker. Und eben am Montagabend die KAP zusammen mit ihrem Dirigenten Antonello Manacorda und dem türkischen Pianisten und Komponisten Fazil Say ihr leicht abgeändertes Programm, das sie bereits im Nikolaisaal in Potsdam zuvor vorgestellt hatten. Das Konzert war ausverkauft.

Für die Kammerakademie sei der Auftritt ein „Meilenstein in der Entwicklung“, sagt KAP-Geschäftsführer Alexander Hollensteiner. Die Einladung sei von einer privaten Konzertagentur gekommen. „Die könnten jeden anrufen und alle würden alles stehen und liegen lassen, um in diesem Saal zu spielen. Und wir kriegen den Anruf.“ Aufgrund der Qualität des Klangkörpers seien sie angefragt worden, so ist sich Alexander Hollensteiner sicher, und – nicht zuletzt – aufgrund der guten Netzwerkpflege des mit 17 Jahren noch relativ jungen Orchesters.

Von dem Saal schwärmt nach dem Abend nun auch der Geschäftsführer: „Klein und groß gleichzeitig“ sei der mit 2000 Plätzen bestückte Raum. Nach dem Vorbild der Berliner Philharmonie sind die Zuhörerreihen um das in der Mitte sich befindende Orchester terrassenförmig verschachtelt angeordnet. „Man fühlt sich überall nah dran“, so Hollensteiner. Die viel gelobte Transparenz des Klanges im Saal beeindruckte auch ihn. Doch ohne Tücken ist das nicht. Der Saal sei so gut, wie das, was man auf die Bühne setze, zitiert Alexander Hollensteiner den Dirigenten Antonello Manacorda. Sprich, der transparente Klang bezeugt auch jeden Fehler im Spiel des Orchesters.

Vor dem Konzert war deshalb Probe angesetzt, zwei Stunden lang: Kein bloßer Durchlauf des Programms, sondern auch und vor allem auf Klangfühlung mit dem Raum gehen. Antonello Manacorda lief dabei durch die Reihen, tastete die Akustik einzelner Plätze ab, immer auf der Suche nach der idealen Umsetzung seiner Klangvorstellung im Konzertsaal. Vor allem für die Stücke von Wolfgang Amadeus Mozart, der wie kein anderer die Schattierungen zwischen Orchester und Solist einst auskomponierte.

Frenetischen Applaus gab es für Mozarts g-moll-Sinfonie. Und das zwischen den einzelnen Sätzen – eher als unschicklich geltend im Klassikbetrieb. Doch anscheinend kann das, was sonst Tabu, in Hamburg aufgebrochen werden. Hollensteiner war wie wohl auch alle Musiker überwältigt von dem Konzert. Als „fast ein Zuviel an Eindrücken“, so beschreibt er den Abend. „Ich hatte das Gefühl, erst am nächsten Morgen realisiert zu haben, was passiert ist.“ Da fügt es sich gut, dass erst drei Tage später die KAP in den Ebenen zeigen muss, was sie in Sachen kulturelle Bildung kann: Als eines von zehn für den BKM-Preis der Bundesregierung Nominierten wird das Orchester bei seiner Arbeit in Drewitz begutachtet. Aussicht auf Erfolg besteht auch da.

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