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  • 25.03.2017
  • von Peter Buske

Chapeau!

von Peter Buske

Schillernde „KlangFarben“: KAP-Konzert im Barberini

Die Höhen der Kultur wollen wahrlich erstiegen werden. Da der Fahrstuhl im Museum Barberini bereits im 1. OG endet, muss das Auditorium in der nächsten Etage fußläufig erreicht werden. Keinen schreckt es, und so ist der Vortragssaal bis auf den letzten Platz besetzt. Hier luden am Donnerstag Museum und Kammerakademie Potsdam erstmals zu einem kooperierenden Gesprächskonzert unter dem Titel „KlangFarben“. Es findet im Rahmen der Ausstellung „Klassiker der Moderne. Liebermann, Munch, Nolde, Kandinsky“ statt. Edvard Munchs „Sommernacht am Strand“ und Wassily Kandinskys „Weißer Klang“ sind auserwählt, werden mit Schönberg-Werken detailreichen Werkanalysen unterzogen, für die rbb-Moderator Clemens Goldberg und Museumsdirektorin Ortrud Westheider zuständig sind. Reicher Erkenntnisgewinn ist garantiert.

Der erste Vergleich über Komposition in Malerei und Musik findet mit Munchs „Sommernacht am Strand“ und Schönbergs Streichsextett op. 4 „Verklärte Nacht“ nach Richard Dehmels gleichnamigem Gedicht statt. Die Dichtung beginnt mit einer Naturschilderung: „Zwei Menschen gehen durch kahlen, kalten Hain; der Mond läuft mit, sie schaun hinein …“ Clemens Goldberg rezitiert sie in Teilen, erklärt wenig später den kompletten Inhalt. Die Vertonung folgt der Struktur des Gedichts, in dem eine Frau ihrem Mann beichtet, dass sie von einem ungeliebten Fremden schwanger wurde („ich geh in Sünde neben Dir“). Sehr intensiv, düster und getragen wird dieser Abschnitt von den Kammerakademisten Meesun Hong Coleman und Christiane Platz (Violine), Jennifer Anschel und Christoph Starke (Viola) sowie Vashti Hunter und Jan-Peter Kuschel (Cello) gespielt. Im gleichzeitigen Sehen des projizierten Bildes mit der Musik entstehen assoziationsreiche Stimmungen.

Seine analytischen Gedanken ergänzt Clemens Goldberg mit Musikbeispielen. Wie, fragt er, könne man des Textes „schwer Verlangen nach Mutterglück und Pflicht“ vertonen? Die klingende Antwort folgt sogleich. Dichte Klangfarbenatmosphäre dringt ins Ohr. Die Klangschnipselei mündet schließlich in die komplett gespielte erste „Nacht“-Hälfte. Doch was hat das alles mit dem Munch-Bild zu tun? Die Museumsdirektorin liefert die Antworten. Auch in der „Sommernacht“ gehe es um Ausdruck, Psychologie und viel Farbensymbolik – Dinge, mit denen sich Künstler im ersten Viertel des vorigen Jahrhunderts ausgiebig beschäftigt haben.

Davon kündet auch das Verhältnis von Schönberg zu Kandinsky, dessen „Weißer Klang“ mit dem ersten Satz aus dem Schönbergs Streichquartett op. 10 in Bezug gesetzt wird. Beide Werke sind 1908 entstanden. Drei Jahre später beginnt ein enger Kontakt zwischen beiden, erkennen sie ihre Wesensverwandtschaft. Da trifft atonal werdende Musik auf immer abstraktere Malerei. Erneut geht Goldberg ins erläuternde musikanalytische Detail. Wir erfahren von weiteren symbolistischen Zutaten, von der Suche nach neuen Räumen und spirituellen Welten. Für Kandinsky kein Problem, denn er gehört zu jenen, die Klänge sehen und Farben hören konnten. Sein Fazit: „Was letztlich bei einem Bild herauskommt, ist Klang.“ Den von op. 10 breiten die Musiker sehr transparent, klar in der Linienführung, enorm farbenreich, glut- und spannungsvoll aus. Nach ihren verdienstvollen Kinder- und Jugendprojekten hat sich die KAP nun also der speziellen Erwachsenenqualifizierung verschrieben. Chapeau und weiter so! Peter Buske

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