27.06.2017, 21°C
  • 18.03.2017
  • von Klaus Büstrin

Offen, humorvoll und schonungslos

von Klaus Büstrin

Die Fledermaus. Dagmar Manzel mit Uwe-Eric Laufenberg (r.). Foto: T. Aurin/HOT

Dagmar Manzel stellt ihre Autobiografie vor

Zehn Jahre ist es her. Da wirbelte Dagmar Manzel als Rosalinde über die Bühne des Hans Otto Theaters. Intendant Uwe-Eric Laufenberg holte die Schauspielerin, die gerade begann, sich als Sängerin auszuprobieren, als seine Gesangs- und Spielpartnerin für die Operetteninszenierung „Die Fledermaus“ nach Potsdam. Morgen ist Dagmar Manzel wieder auf der Bühne des Theaters am Tiefen See zu erleben. Diesmal wird der Moderator und Filmjournalist Knut Elstermann an ihrer Seite sein und mit ihm ihre Autobiografie in Gesprächen „Menschenskind“ (Aufbau Verlag) vorstellen. Elstermann fungierte bei dem Buch als Co-Autor.

In Form eines breit angelegten Interviews wird das Leben der bedeutenden Künstlerin erzählt – anschaulich und bewegend. Man spürt auf jeder Seite, dass der Interviewpartner ein Verehrer der Manzel ist. Nicht nur während der Arbeit an „Menschenskind“ beschäftigte er sich mit Leben und Kunst der Manzel, sondern bereits zu DDR-Zeiten war er ihr als Rezipient auf der Spur. Die Fragen, die er der Schauspielerin stellt, seine Betrachtungen und Kommentare, bezeugen es. Sie sind immer kenntnisreich und voller Wärme. Die Autobiografie will Zwischenbilanz, Selbstvergewisserung und Werkstattbericht sein. Ganz unverkrampft, offen, humorvoll und nachdenklich, manchmal auch schonungslos gegenüber sich selbst beantwortet Dagmar Manzel die Fragen Knut Elstermanns, die wohl nicht nach einem Katalog abgearbeitet wurden, sondern manchmal auch etwas Spontanes haben. Man hat den Eindruck, zwei Freunde unterhielten sich ganz locker bei einem Glas Wein.

Es fällt beim Lesen auf, dass Dagmar Manzel mit großen Respekt, voller Hochachtung und Begeisterung von ihren Kolleginnen und Kollegen auf der Bühne und hinter der Bühne spricht. Sie ist sich sicher: „Das meiste in meinem Leben habe ich auf der Bühne von den Kollegen gelernt, mit denen ich spielen durfte.“

Die in Berlin-Friedrichshagen Aufgewachsene besuchte die Schauspielschule „Ernst Busch“ in ihrer Heimatstadt. Bereits während des dritten Studienjahres wurde sie an das Staatsschauspiel Dresden engagiert. Mit Anfang zwanzig stand sie als Schillers Maria Stuart auf der Bühne. Sie erinnert sich, dass Thomas Langhoff, den sie auf der Schauspielschule kennenlernte, gesagt haben soll: „Wenn ich am Deutschen Theater inszeniere, möchte ich die Manzel holen.“ Das hat schließlich geklappt. Nach vier Jahren Dresdner Engagement ging sie 1984 an das Deutsche Theater Berlin (DT), wo die Großen der Schauspielkunst der Vergangenheit und Gegenwart auf der Bühne standen und stehen. „Das war für mich unglaublich erhebend, zugleich aber nahm es mich in die Pflicht.“ Große Rollen konnte sie am DT spielen. Bis heute ist Dagmar Manzel mit dem Haus in der Max-Reinhardt-Straße als Gast eng verbunden. An diesem traditionsreichen Haus entdeckte sie ihre Gesangsstimme. Mit ihr startete sie eine weitere Karriere, eine sehr erfolgreiche sogar.

An der Komischen Oper Berlin sang sie sich endgültig frei: in Operetten und Musicals, mit Chansonabenden, bei denen sie sich vor allem Komponisten der 20er-Jahre zuwandte, Komponisten, die von den Nationalsozialisten wegen ihrer jüdischen Religion verpönt und verfolgt wurden. Und sie schwärmt natürlich von Barry Kosky, dem Intendanten der Komischen Oper, mit dem sie fünf Inszenierungen realisieren konnte, alle waren sehr erfolgreich. „Seine Handschrift ist sein Herz. Geschichten, Musik, Sehnsüchte, alles geht durch ihn hindurch und entzündet seine Fantasie.“

Dann gibt es natürlich den Film und das Fernsehen im Leben der Schauspielerin. Zu DDR-Zeiten und im Nachwende-Deutschland hatte Manzel auch in diesem Genre, das naturgemäß viele Zuschauer erreicht, sehr gut zu tun. Zu ihrer umfangreichen Filmografie gehören solch wichtige Arbeiten wie „Coming out“, „Der Laden“, „Die verlorene Zeit“, „Frei nach Plan“ oder „Schtonk“. Auch als Kommissarin in der Kult-Serie „Tatort“ war sie inzwischen auf dem Bildschirm zu erleben.

In „Menschenskind“ kommen auch Wegbegleiter Dagmar Manzels zu Wort: Regisseure, Kolleginnen und Kollegen, Freunde, die Mutter und ihre beiden Kinder Klara und Paul. Der 21-jährige Paul bekennt: „Anders als meine Schwester hatte ich nie den Wunsch, selbst zu spielen. In der Schule sprachen mich manchmal Lehrer auf sie an. Peinlich war mir das nie, ich habe mich eher darüber gefreut, wie beliebt sie ist.“Klaus Büstrin

„Menschenskind“. Dagmar Manzel stellt ihre Autobiografie morgen um 18 Uhr im HOT im Gespräch mit Knut Elstermann vor. Die Veranstaltung ist ausverkauft

— Dagmar Manzel: Menschenskind. Aufbau Verlag 2017, 239 Seiten, 19,95 Euro

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