21.08.2017, 18°C
  • 17.03.2017
  • von Klaus Büstrin

PNN-Serie "Potsdamer Intendanten" Teil 1: Die 40er-Jahre: Von einem Provisorium ins nächste

von Klaus Büstrin

Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte Potsdam für gut 60 Jahre mit Theaterprovisorien. In den 40er-Jahren wechselten die Intendanten in rascher Folge.

Ein Hagel britischer Bomben fiel am 14. April 1945 auf Potsdam. Feuerstürme fegten durch die Straßen und ließen eine brennende Wüstenei zurück. Doch das Schauspielhaus, das König Friedrich Wilhelm II. erbauen ließ, blieb davon zunächst unbehelligt. Elf Tage später geriet das Haus unter schweren Artilleriebeschuss und wurde zerstört. Potsdam lebte von nun an für gut 60 Jahre mit Theaterprovisiorien, wenn man vom Theater im Neuen Palais absieht. Dieses war mit seinen rund 300 Sitzplätzen ab 1946 eine Möglichkeit, vor allem Schauspiel zu etablieren. Dafür wurde das Brandenburgische Landestheater gegründet. Zum Intendanten ernannte man Fritz Kirchhoff (1901–1953). Während der nationalsozialistischen Zeit war er bei der Ufa als Regisseur tätig. Vor allem Unterhaltungsstreifen gehörten zu seiner Filmografie. Das Schlosstheater musste spielfähig gemacht und ein Ensemble engagiert werden, das den Glauben an die Kunst und die Hoffnung auf die Zukunft nicht verloren hatte. Doch der Vorhang öffnete sich im Herbst 1946 für Goethes „Iphigenie auf Tauris“. Auf dem Programm standen jedoch vorrangig Lustspiele, die das Publikum nach den Schrecknissen des Krieges erfreuen sollten. Kirchhoff verließ Potsdam nach einem Jahr. Er drehte in München wieder Filme. Den Auftakt machte die Schnulze „Schuld allein ist der Wein“.

Rochus Gliese und Alfred Dreifuß blieben nicht lang

Als Nachfolger gewann man 1947 Rochus Gliese (1891–1978). Auch er blieb nur eine Spielzeit. Gliese hatte sich in der Kinowelt als Bühnen- und Kostümbildner einen Namen gemacht. So hat er bei vier Filmen Friedrich Wilhelm Murnaus als Architekt mitgewirkt, auch als Ufa-Regisseur war er aktiv. Einen logistischen und künstlerischen Erfolg konnte Gliese mit der Realisation von Mozarts Oper „Die Hochzeit des Figaro“ mit Gastsängern im Schlosstheater verbuchen.

Ab der Spielzeit 1948/49 wurde Alfred Dreifuß (1902–1993) Intendant. Der Schauspieler, Dramaturg und Regisseur gehörte der KPD an. Im Untergrund kämpfte er gegen die Nationalsozialisten. Die steckten ihn ins Konzentrationslager. Nach seiner Entlassung emigrierte er nach China. 1947 kehrte Dreifuß nach Deutschland zurück. Dem Potsdamer Theater versuchte Dreifuß ein neues künstlerisches Gesicht zu geben. Das Repertoire sollte sich nicht auf seichte Unterhaltung beschränken. Bildung gehöre zum Theater dazu, so seine Meinung. Ein Mehrsparten-Theater sollte aufgebaut werden. Dafür waren aber die Bedingungen im Schlosstheater unbefriedigend. Eine neue Spielstätte wurde gesucht und in der Zimmerstraße gefunden. Die ehemalige Tanzgaststätte „Zum alten Fritz“ baute man zum Theater um. Das Ensemble vergrößert, im Spielplan fand man Stücke, die sich mit Nationalsozialismus und Krieg auseinandersetzten. Eröffnet wurde das neue Haus am 16. Oktober 1949 mit Goethes Faust. Dreifuß blieb bis 1950 in Potsdam.

Social Media

Umfrage

Soll die Biosphäre abgerissen werden, wie es die Grünen-Fraktion im Stadtparlament nun fordert? Stimmen Sie ab!