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  • 17.05.2018

Naher Osten: Überwiegend Hamas-Mitglieder unter Getöteten am Gazastreifen

50 der 60 im Gazastreifen getöteten Demonstranten seien Hamas-Mitglieder gewesen, so ein Vertreter der Palästinenser-Organisation. Foto: AFP Photo/Thomas Coex

50 der rund 60 getöteten Palästinenser seien ihre Mitglieder gewesen, so die Hamas. Israel wertet das als Beleg, dass die Proteste nicht friedlich waren.

Bei den jüngsten Unruhen an der Grenze des Gazastreifens zu Israel sind nach Angaben der Hamas überwiegend Mitglieder der radikalislamischen Palästinenserorganisation getötet worden. 50 der rund 60 bei den Protesten am Montag und Dienstag getöteten Palästinenser seien Hamas-Mitglieder gewesen, sagte Hamas-Vertreter Salah Bardawil am Mittwoch im palästinensischen Fernsehen. Israel wertete dies als Beleg dafür, dass es sich nicht um friedliche Proteste handelte.

Die übrigen Toten seien "aus dem Volk" gewesen, sagte Bardawil. Er erläuterte nicht, ob es sich bei den Toten um Mitglieder des bewaffneten oder des politischen Hamas-Flügels handelte. Auch machte er keine Angaben dazu, was die Opfer gerade taten, als sie getötet wurden. Bardawil sprach von "offiziellen Zahlen".

Hamas-Sprecher Fausi Barhum bestätigte die Angaben nicht. Er sagte lediglich, die Hamas bezahle die Begräbnisse der 50, unabhängig von ihrer Beziehung zur Hamas. Ein weiterer ranghoher Hamas-Vertreter, Bassem Naim, sprach lediglich von der Hamas als einer "großen Bewegung" mit großem Rückhalt in der Bevölkerung. Natürlich seien bei derartigen Protesten entsprechend viele Hamas-Anhänger anwesend. Naim sagte, die Getöteten hätten "friedlich" protestiert.

Israel: Beleg, dass Proteste nicht friedlich waren

Israel wertete die Hamas-Angaben als Beleg dafür, dass es sich nicht um friedliche Proteste gehandelt hat. "Wir nehmen ihn beim Wort, das war kein friedlicher Protest", schrieb Armeesprecher Jonathan Conricus bei Twitter. Regierungssprecher Ofir Gendelman twitterte, Bardawil habe die "Wahrheit offengelegt". "Das war keine friedliche Demonstration, sondern ein Einsatz der Hamas."

Der israelische Parlamentspräsident Juli-Joel Edelstein sagte in Paris, die Proteste hätten wenig mit der US-Botschaftsverlegung nach Jerusalem zu tun gehabt: "Das war eine wohl überlegte Aktion der Hamas, die die Bevölkerung, darunter Frauen, Kinder und Jugendliche, als menschliche Schutzschilde einsetzt."

Die Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem am Montag war von blutigen Zusammenstößen zwischen Palästinensern und der israelischen Armee an der Grenze zwischen Israel und dem Gazastreifen begleitet gewesen. Dutzende Palästinenser wurden getötet und mehr als 2400 verletzt.

In der Nacht zum Donnerstag flog Israel mehrere Luftangriffe auf Ziele der radikalislamischen Hamas-Organisation im Gazastreifen. Es handle sich um einen Vergeltungsangriff für den Beschuss israelischer Soldaten und der Stadt Sderot vom Vortag, erklärte das Militär. Ziel seien Einrichtungen der radikalislamischen Hamas gewesen, teilten die Streitkräfte über Twitter mit. Getroffen wurden demnach mehrere Gebäude, Infrastruktur in einem Hamas-Militärkomplex und ein Waffenwerk.

Nach Angaben des örtlichen Gesundheitsministeriums wurde bei den Angriffen ein Mensch verletzt. Die Armee bezeichnete die Luftangriffe als Reaktion auf schweres Maschinengewehrfeuer auf die israelische Ortschaft Sderot an der Grenze zum Gazastreifen. Zuvor hatte ein israelischer Panzer am Mittwoch eine Hamas-Einrichtung beschossen.

Ägypten ruft zur Zurückhaltung auf

Ägypten rief am Mittwoch beide Seiten zur Zurückhaltung auf. Präsident Abdel Fattah al-Sisi sagte im Staatsfernsehen, sein Land sei mit beiden Seiten in Gesprächen, "damit dieses Blutvergießen aufhört". Er hoffe, dass die Palästinenser aus Protest gegen die Verlegung der US-Botschaft keine weiteren "Maßnahmen" ergriffen, die zu weiteren Opfern führen könnten. Zugleich hoffe er, dass die Israelis erkennen würden, dass die palästinensischen Reaktionen auf die US-Entscheidung "legitim" seien und Israel mit "größter Vorsicht mit dem Leben von Palästinensern" umgehe.

Auch der russische Präsident Wladimir Putin rief in einem Telefonat mit dem türkischen Regierungschef Recep Tayyip Erdogan zu einem Ende der Gewalt auf. Erdogan beklagte später in Ankara das "Schweigen" der internationalen Gemeinschaft über die Gewalt im Gazastreifen. Russlands Außenminister Sergej Lawrow nannte es "gotteslästerlich" von Israel, die zu Dutzenden bei den Protesten getöteten "friedlichen Demonstranten", darunter auch Kinder und Säuglinge, als "Terroristen" abzustempeln.

Kanadas Premierminister Justin Trudeau forderte eine unabhängige Untersuchung zu der Gewalt vom Montag. Es sei sei dringend notwendig, aufzuklären, "was im Gazastreifen passiert". Zuvor hatten bereits europäische Länder eine solche Untersuchung gefordert.

Am Donnerstag berät die Arabische Liga in einer Sondersitzung in Kairo über die tödlichen Unruhen. Die Außenminister der Mitgliedstaaten sollen auf Antrag Saudi-Arabiens eine Reaktion auf die "illegale" Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem und die "israelische Aggression gegen das palästinensische Volk" beschließen. (AFP, dpa)

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