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  • 04.04.2017
  • von Frank Jansen, Frank Herold

Nach Anschlag von St. Petersburg: Selbstmordattentäter stammte aus Kirgistan

von Frank Jansen, Frank Herold

Russlands Präsident Putin legt Blumen für die beim Anschlag getöteten Menschen nieder. Foto: AFP/Mikhail Klimentyev

Nach dem Anschlag von St. Petersburg mit elf Todesopfern kommen Details über den Täter ans Licht. Er kam aus Kirgistan und soll Verbindungen zu radikal-islamischen Gruppen gehabt haben.

Bei einer Explosion in der U-Bahn der russischen Metropole St. Petersburg sind am Montag mindestens elf Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt worden, darunter auch Kinder. Von den rund 50 Verletzten waren am Dienstag den Angaben zufolge noch mehrere in kritischem Zustand. Eine zweite Bombe wurde rechtzeitig entschärft. Die Explosion soll von einem Selbstmordattentäter ausgelöst worden sein. Bei einem der Täter handelt es sich um einen kirgisischen Staatsbürger. Ein Sprecher des kirgisischen Geheimdienstes sagte am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP in Bischkek, das Selbstmordattentat sei von dem Kirgisen Akbarschon Dschalilow verübt worden. Ob noch mehr Täter für den Anschlag verantwortlich sind, ist noch unklar. Die staatliche Agentur Tass zitierte eine Quelle, nach der ein Mann und eine junge Frau aus Zentralasien in die Tat involviert sein könnten.

Bereits am Montag hatte Interfax unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtet, die verdächtige Person sei 23 Jahre alt und komme aus Zentralasien. Sie habe Verbindung zu radikal-islamistischen Gruppen gehabt, die in Russland verboten seien. Genauere Rückschlüsse könnten erst nach einem DNA-Abgleich gezogen werden. Den vorläufigen Erkenntnissen zufolge hat sich der Sprengsatz in einem Rucksack befunden.

Präsident Putin zum Tatzeitpunkt in Vorort von St. Petersburg

Unterdessen habe sich ein Mann, dessen Bild auf Überwachungskameras festgehalten wurde, der Polizei gestellt und angegeben, nichts mit dem Attentat zu tun zu haben. Medien hatten zuvor berichtet, die russische Polizei suche zwei verdächtige Personen und dazu das Bild eines Mannes veröffentlicht.

Präsident Putin befand sich zum Zeitpunkt der Explosion in einem Vorort von St. Petersburg und führte Gespräche mit dem weißrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko. Russischen Agenturmeldungen zufolge informierte sich Putin bei den Sicherheitsbehörden über den Vorfall. An der Metrostation, an der sich die Detonation ereignete, legte der Präsident Blumen nieder.

Die Detonation ereignete sich am Nachmittag in einem Waggon der Metro bei der Ausfahrt aus der Station Sennaja Ploschad nahe dem Zentrum von St. Petersburg. In den sozialen Netzwerken wurden rasch Bilder verbreitet, die eine zerstörte Metro-Tür, starke Rauchentwicklung in der Station und am Boden liegende Verletzte zeigten, denen Erste Hilfe zuteil wird. Nach Angaben von Sicherheitskräften habe der in einem Aktenkoffer versteckte Sprengsatz zwar keine große Explosivkraft besessen, die Wirkung sei jedoch so verheerend gewesen, weil er wie ein Schrapnell mit Metallkugeln gefüllt war. Rettungskräfte evakuierten die Station, der Metro-Betrieb wurde zeitweise komplett eingestellt.

Zahlreiche russische Medien und der Oppositionspolitiker Gennadi Gudkow stellten einen direkten Zusammenhang zwischen dem Putin-Besuch in St. Petersburg und dem Anschlag her. Das Attentat sei nicht zufällig ausgeführt worden, sondern sorgfältig geplant gewesen, sagte Gudkow. Der oder die Terroristen hätten gewusst, dass während eines Präsidentenbesuchs die Sicherheitsvorkehrungen in St. Petersburg ohnehin verstärkt würden. Mit ihrer Aktion hätten die Terroristen ein Zeichen setzen wollen, „dass sie über neue Möglichkeiten verfügen, ihre Verbrechen zu verüben, wann und wo sie sie geplant haben“.

Verdacht auf islamistischen Hintergrund

Auf dem St. Petersburger Flughafen Pulkowo wurden die Kontrollen verstärkt. Auch in der Moskauer Metro und auf den Flugplätzen der russischen Hauptstadt befanden sich die Sicherheitskräfte in Alarmbereitschaft. Politiker aus zahlreichen Ländern sprachen den Angehörigen der Opfer ihr Beileid aus. Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich in einem Kondolenztelegramm an Putin entsetzt. Ihre Gedanken seien bei den Familien der Todesopfer und bei den Verletzten, denen sie rasche Genesung wünsche.

Deutsche Sicherheitskreise vermuteten einen islamistischen Hintergrund. Russland sei gleich zweifach ins Visier der salafistischen Terrorszene geraten, hieß es. „Die Stichworte lauten Tschetschenien und Syrien“, sagte ein hochrangiger Experte dem Tagesspiegel. In Tschetschenien kämpften trotz der massiven Unterdrückungspolitik durch Putins Statthalter Ramsan Kadyrow weiterhin militante salafistische Gruppen für einen Gottesstaat. Russische Städte waren vor Jahren mehrmals Ziel von Anschlägen militanter Tschetschenen. 2010 waren 38 Menschen gestorben, als zwei weibliche Selbstmordattentäter ihre Sprengsätze in der Moskauer Metro zündeten.

Brandenburger Tor nicht angestrahlt

Das Brandenburger Tor wurde am Montagabend nicht in den Farben Russlands angestrahlt. Die Beleuchtung des Berliner Wahrzeichens mit der Flagge der Länder, in denen Menschen Opfer eines Terroranschlags wurden, soll die Anteilnahme der Berliner mit den Opfern ausdrücken, sagte Senatssprecherin Claudia Sünder. Um dieses angemessen zu tun, wolle sich Berlin dabei aber auf die Partnerstädte beschränken. St. Petersburg gehört nicht dazu. Ausnahmen könnten bei Städten gemacht werden, zu denen es einen besonderen Bezug gebe. Beispielsweise war nach dem Anschlag durch einen islamistischen Täter auf einen queeren Club in Florida das Tor in den Farben der Regenbogenfahne angestrahlt worden. Zuletzt wurde der Union Jack, die Flagge Großbritanniens, nach einem Anschlag in London am 23. März auf das Brandenburger Tor projiziert.

Lesen Sie hier den Newsblog vom Montag zu diesem Thema.

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