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Werder

  • 13.06.2018
  • von Eva Schmid

Werder: Immer Ärger mit der Post

von Eva Schmid

Foto: dpa

Noch immer erhalten Werderaner tagelang keine Briefe, obwohl die Post mehr Zusteller eingestellt hat. Die Verteilung von kostenlosen Exemplaren der „Bild“-Zeitung sorgte für Ärger.

Werder (Havel) - Die Verteilung von kostenlosen Exemplaren der „Bild“-Zeitung, die vergangenen Donnerstag in einer bundesweiten Aktion in Briefkästen gesteckt wurde, hat in Werder (Havel) für Ärger gesorgt. Denn dort soll das Ausliefern des Boulevardblattes teilweise dazu geführt haben, dass Briefe liegengeblieben und verspätet zugestellt worden sind. Das zumindest berichtete ein Zusteller einem verärgerten Anwohner. Dieser hat sich deshalb an die PNN gewandt.

Unpünktlich zugestellte Post ist für Haushalte besonders in den Havelauen ein Dauerproblem. „Wir kriegen zwei bis drei Mal die Woche Post“, erzählt Unternehmer Eckhard Müller, der einen Hausmeisterservice betreibt. Immer mal wieder frage er beim Zusteller nach, woran es hake, doch der weiß oft auch keine genaue Antwort. Einmal ist es eine Sonderaktion wie das Verteilen der „Bild“-Zeitung, ein anderes Mal ist die dünne Personaldecke, wieder ein anderes Mal das arbeitsintensive Weihnachtsgeschäft. Klar ist nur, dass – so jedenfalls die Vermutung des Unternehmers – die Post nicht täglich zugestellt werde. Er könne sich nicht vorstellen, dass er als Unternehmer an manchen Tagen gar keine Briefe bekomme. An anderen Tagen hingegen liege ein dicker Batzen mit Kuverts im Kasten. Das sei ärgerlich, weil er auf Rechnungen warte, deren Zahlungsfristen sich durch verspätete Zustellungen verkürzen würden. „Es gibt keinen Ansprechpartner, wenig Service, und dann will die Post auch noch das Porto erhöhen“, schimpft Müller. 

Beschwerden bei der Bundesnetzagentur auf Höchststand

Tatsächlich könnte die Post im kommenden Jahr die Kosten für den Standardbrief erneut erhöhen. Bisher gibt es aus der Konzernzentrale dazu noch keine Bestätigung. Verschiedene Medien hatten vor wenigen Wochen aber berichtet, dass das Porto von derzeit 70 auf 80 Cent steigen könnte. Und das trotz zahlreicher Beschwerden: Laut einem Bericht von „Spiegel Online“ haben sich bei der Bundesnetzagentur seit Anfang des Jahres so viele Verbraucher wie noch nie über die Deutsche Post beschwert.

Auch in Werder ist der Ärger über die verspätete Zustellung nicht verflogen. Im Dezember vergangenen Jahres erreichten die PNN zahlreiche Beschwerden. Zum Teil sei die Post nur einmal die Woche gekommen, hieß es damals. Pakete für mehrere Haushalte sollen in den Hausflur gelegt worden sein, die Bewohner mussten sie dann angeblich selbst an die Adressaten verteilen. Auch soll ein Zusteller genervten Kunden empfohlen haben, die Post direkt am Zustellstützpunkt abzuholen. Das Paket- und Briefaufkommen vor Weihnachten sei hoch, die Post warb um Verständnis bei ihren Kunden und versprach Verbesserung.

Doch Verständnis haben jetzt, ein gutes halbes Jahr später, so manche Werderaner nicht mehr. Die Probleme würden anhalten, berichtet Simone Holzwarth, die in der Genossenschaft Uferwerk wohnt, kurz hinter dem Bahnübergang. Im Uferwerk gibt es derzeit insgesamt 55 Haushalte, sie alle würden öfter drei Tage lang gar keine Post erhalten. Von der „Bild“-Zeitungs-Aktion habe Holzwarth indes nichts mitbekommen und könne daher nicht sagen, ob es auch dieser Tage deshalb zu verspäteten Zustellung gekommen sei. „Ich kann nur sagen, dass die Zustellung nicht zuverlässig ist und es immer wieder hakt“.

Die Post indes hat nach Aussagen ihrer Sprecherin Tina Birke in den Zustellbezirken in Werder und den Ortsteilen nachgebessert. Es seien in den vergangenen Monaten neue Zusteller eingestellt worden, das gelte auch für die Landeshauptstadt, so Birke.

Warum die „Bild“-Zeitung trotzdem kam

Die Verteilung der „Bild“-Zeitung sei zudem eine mittelfristig geplante Aktion gewesen, für die zusätzliches Personal eingestellt worden sei. „Es wurden auch Zusteller damit beauftragt, die normalerweise die Post austragen“, erklärt Birke. Nur so könne sie sich die Aussage des Postboten aus den Havelauen erklären, für den es so ausgesehen haben muss, dass er zugunsten der „Bild“-Zeitung Briefe habe liegen lassen müssen. Birke betonte, dass es zu keinen „Verzögerungen im betrieblichen Ablauf“ gekommen sei. Auch, dass in Werder die Briefkästen tagelang leer bleiben, verwundert sie: 94 Prozent der Briefe würden am nächsten Tag ankommen. Zum Vorwurf, dass vor allem montags der Kasten leer bleibe, erklärt die Sprecherin: Bei 84 Prozent der 59 Millionen pro Tag versandten Briefe handle es sich um Geschäftspost. „Und am Wochenende werden keine Rechnungen verschickt.“

Zumindest in einigen Haushalten, in denen kurz vor Weihnachten die Zustellung noch hakte, ist wieder Alltag eingekehrt. So berichtet Reinhard Stragies, der sich damals per Leserbrief an die PNN gewandt hatte: „Wir hatten über ein Jahr Probleme, jetzt hat es sich aber stark gebessert.“ Innerhalb von ein bis zwei Tagen würde er Post zugestellt bekommen. Auch der in Phöben wohnende Henning Heese, der damals die Zustände beklagte, bekomme zumindest von dienstags bis freitags nun regelmäßig Post.

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