18.06.2018, 22°C
  • 09.06.2018
  • von Enrico Bellin

Diskussion über Werders Havel-Therme: Lob und Kritik für Havel-Therme

von Enrico Bellin

Neuer Familienbereich. Die Therme soll größer werden, um dem dreigeteilten Becken mit verschiedenen Wassertiefen Platz zu bieten. Simulation: Schauer & Co.

Die Skepsis über die neue Therme ist groß bei den Werderanern. Doch der Vertragsabschluss gilt als sicher. Das Versprechen: Werders künftiges Bad soll alle Zielgruppen ansprechen.

Werder (Havel) - Die Skepsis überwiegt bei den Werderanern, die am Donnerstagabend den Weg auf die Bismarckhöhe auf sich genommen haben. In knapp drei Jahren soll ihre Therme endlich fertig sein. Nach Investitionskosten von gut 28 Millionen Euro soll die Stadt für den Betrieb der Therme nichts mehr zahlen müssen, sondern von der Schauer & Co GmbH als künftigem Pächter jedes Jahr eine sechsstellige Summe erhalten. Das sieht das Konzept vor, das die Stadt und der wahrscheinliche neue Partner den rund 200 anwesenden Gästen zum Informationsabend vorgestellt haben. Doch ist das neue Bad nicht zu groß? Wie wird gewährleistet, dass Schauer die Therme auch fertig baut, und wer trägt das Betriebsrisiko? Das waren die drängendsten Fragen der Werderaner am Abend.

Beantwortet haben sie Firmenchef Andreas Schauer, Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU) und Paul Oppermann von der Beratungsagentur Profund Consult. Wie berichtet will die Schauer & Co. GmbH die Therme in einer um ein Familienbad und eine Seesauna ergänzten Planung vollenden. Dafür soll die Stadt, in deren Besitz die Therme bleibt, 28,275 Millionen Euro zahlen. Anschließend soll das Bad für 30 Jahre an Schauer verpachtet werden. Die Vertragsunterzeichnung soll von den Stadtverordneten am 4. Juli beschlossen werden, eine Mehrheit gilt als sicher.

Es wird mit 285 000 Besuchern im Jahr gerechnet

„Das geplante Bad spricht Familien, Wellnesssuchende und Sportler gleichermaßen an und ist damit für die wichtigen Besuchergruppen interessant“, fasst Paul Oppermann zusammen, der die Planungen von Schauer im Auftrag der Stadt analysiert hat. Damit sei es nicht zu groß für die Stadt mit derzeit 26 200 Einwohnern. Im Einzugsbereich der nun als Havel-Therme bezeichneten Halle würden zwei Millionen Menschen leben. Schauer kalkuliere mit 285 000 Besuchern im Jahr. „Wenn die Therme so kommt, werden es aber sicher mehr“, so Oppermann. Er hält es auch für realistisch, dass der Betrieb, wie vorgesehen, ohne Zuschüsse der Stadt funktioniert.

Andreas Schauer machte auch deutlich, dass das Betriebsrisiko ausschließlich bei seiner Firma liege. „Uns ist natürlich klar, dass es in den ersten zwei Jahren ein Zuschussgeschäft bleiben wird. Wir sind vom Gesamterfolg aber überzeugt“, so der 47-Jährige. Er wolle die Therme auf jeden Fall vollenden. Zwar gibt es für die geplante Sauna im Zernsee, in der 100 Menschen Platz haben sollen, noch keine Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde. „Es gibt aber schon deutliche Signale, dass die Sauna gebaut werden kann“, so Schauer. Sollte die Behörde den Bau ablehnen, würde er die Therme aber trotzdem vollenden.

Dass auch wirklich gebaut wird, will die Stadt Manuela Saß zufolge von vornherein durch externe Controller überwachen lassen. Wie berichtet hatte die Stadt beim ersten Vertrag mit der Kristall Bäder AG zwar das Geld zum Bau überwiesen, die vereinbarten Leistungen waren aber nicht erbracht worden. Andreas Schauer zufolge fehlt etwa die Entrauchungsanlage, für die nun 23 Löcher ins Dach geschlagen werden müssen. Allein die Fertigstellung des vorhandenen Baus würde 17 Millionen Euro kosten, dazu kommen die Kosten für die Seesauna und den geplanten neuen Familienbereich mit dreigeteiltem Wasserbecken und Cabriodach.

"Es sieht alles durchdacht und professionell aus"

Dass die Pläne verwirklicht werden können, ist sehr wahrscheinlich. Mit den Stimmen von CDU und Freien Bürgern werden voraussichtlich 17 von 28 Stadtverordneten für den Vertragsabschluss mit Schauer stimmen, wie eine Umfrage der PNN bei den Fraktionen ergab. „Wir haben nichts bedenkliches über den Investor gefunden, außerdem macht er einen sehr kompetenten Eindruck“, sagt Peter Kreilinger, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion. „Die Mehrheit der Werderaner möchte ein Bad. Das Angebot von Schauer war das beste, was die Stadt erhalten hat“, so Kreilinger weiter. Ähnlich klingt das Urteil von Sigmar Wilhelm, dem Fraktionsvorsitzenden der Freien Bürger: „Bisher muss man sagen: Es sieht alles durchdacht und professionell aus, was Herr Schauer präsentiert hat. Ein gewisses Grundvertrauen ist vorhanden.“

Gegen die Firma Schauer an sich haben auch SPD und Grüne nichts, wie der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Robert Dambon und der Grünen-Fraktionsvorsitzende Markus Altmann den PNN gegenüber betonen. Trotzdem werden ihre Fraktionen gegen den Vertragsabschluss stimmen. „Wir haben unsere Haltung nicht verändert, dass ein kleineres, von der Stadt gebautes und betriebenes Bad der richtige Weg wäre“, so Robert Dambon. Die Initiative der Stadtmitgestalter, die für einen transparenteres Verfahren, die Umnutzung des Thermengeländes für Wohn- und Bildungszwecke sowie den Bau eines kleinen Bades war, zeigt Dambon zufolge, dass auch viele Werderaner die Therme nicht wollen.

Die SPD und die Grünen unterstützen deshalb auch das Bürgerbegehren (siehe Kasten). „Schon jetzt sind fast 25 Millionen Euro in das Badprojekt geflossen, denen nun mehr als 28 Millionen Euro folgen sollen“, so Markus Altmann. Die Stadt brauche das Geld aber dringender, um einen Investitionsstau bei Kitas und Schulen zu beseitigen. Auch ist er skeptisch, ob der Thermenbetrieb wirklich ohne Zuschüsse auskommt. „Bei vielen Projekten steht das ja erst einmal im Vertrag, und später fordert der Betreiber dann doch mehr Geld“, so Altmann.

Wie sich die vierköpfige Linke-Fraktion bei der Abstimmung verhalten wird, ist noch unklar. Laut dem Vorsitzenden Peter Hinze laufen noch die Abstimmungen.

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HINTERGRUND: 200 Unterschriften für Bürgerbegehren

Die Initiative Stadtmitgestalter sammelt seit dem 30. Mai Unterschriften, um mit einem Bürgerbegehren die Vergabe der Therme zu stoppen. Vielmehr soll in einem transparenten Verfahren gemeinsam mit den Bürgern entschieden werden, wie mit dem halbfertigen Bau in den Havelauen umgegangen wird. Wie Mitinitiator Elmar Schlenke den PNN sagte, sind inzwischen etwa 200 Unterschriften gesammelt worden, nötig sind 2000. Die Initiatoren haben noch bis zur Stadtverordnetenversammlung am 4. Juli Zeit, um Stimmen zu sammeln. Über das Bürgerbegehren soll am Donnerstag, den 14. Juni, ab 19 Uhr im Werderaner Scala in der Eisenbahnstraße informiert werden. Sollte die nötige Stimmanzahl nicht zusammenkommen, würden Schlenke zufolge erneut Stimmen gesammelt, um die Vergabe der Therme an die Firma Schauer aufzuheben. Für diese Sammlung hätten die Initiatoren dann acht Wochen Zeit. Sollten die Stimmen zusammenkommen, von der Politik aber ignoriert werden, könnte ein Bürgerentscheid über die Therme angestoßen werden. 

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