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Teltow

  • 16.05.2018
  • von Solveig Schuster

Teltow: Eine Straße quer durchs Plangebiet

von Solveig Schuster

Angelegt als Allee. 1914 säumten den Osdorfer Weg beidseits hohe Bäume.Foto: O. Semler

Eine Bürgerinitiative in Seehof sammelt Unterschriften für Erhalt der Osdorfer Straße und alter Weiden

Teltow - Teltows Bewohner wollen die Osdorfer Straße in Teltow-Seehof noch nicht verloren geben. Nachdem der Bebauungsplan für den Diakonischen Stadtteil nochmals leicht geändert worden war, liegt er nun zum zweiten Mal öffentlich aus. An einem hält das Diakonissenhaus aber weiterhin fest: Um das Areal optimal bebauen zu können, soll die Osdorfer Straße, die das Plangebiet diagonal quert, verlegt werden. Statt mittendurch soll sie später außen um das Baugebiet herumführen (PNN berichteten).

Am Wochenende hat sich eine Bürgerinitiative formiert, die genau das noch verhindern will. Derzeit sammelt sie Unterschriften, die anschließend den Stadtverordneten übergeben werden sollen. „Wahrscheinlich gibt es nur eine Chance, die Straße zu erhalten, wenn die politischen Entscheidungsträger sehen, dass sich viele Bürger für sie engagieren“, sagt Mitinitiator Hans Ledderhos.

Mit dem bei Fußgängern und Radfahrern beliebten Weg verschwinde nach Ansicht der Bürgerinitiative eine historisch bedeutsame Wegeverbindung. Die Straße führte einst von den heute nicht mehr existierenden Scheunen am Ruhlsdorfer Platz zum Stadt- und Rieselgut Osdorf. Wie der Berliner Historiker Jens Leder recherchierte, war das Dorf in den 1960er Jahren dem Grenzbau geopfert worden und wurde mit Ausnahme einer Gutsscheune komplett abgerissen. Die Bewohner waren zuvor von sowjetischen Soldaten aus Wünsdorf ins benachbarte Heinersdorf (Großbeeren) umgesiedelt worden, sagt Leder.

Laut Bürgerinitiative spreche aber noch ein weiterer Grund für den Erhalt der derzeit unbefestigten Straße: Ein Bild des Fotografen Otto Semler aus dem Jahr 1914 zeigt, dass der ehemalige Osdorfer Weg als Kopfbaumallee angelegt worden war. Die heutige Kartierung zeige zwar an den Straßenrändern unterschiedliche Bäume und Sträucher, dennoch handele es sich noch um eine nach dem Brandenburgischen Naturschutzgesetz zu erhaltende Allee, meint der Seehofer Wolfgang Köhn. Die streckenweise fehlende zweite Baumreihe sei in den 1980er Jahren zugunsten von Fernwärmeleitungen gefällt worden und hätte durch die Stadt Teltow nachgepflanzt werden müssen, meint er. Weil dies unterblieb, werde die Beseitigung des Restbaumbestandes erleichtert und der Investor erspare sich die Fällgenehmigung, beklagt Köhn.

Um den Schutzstatus der noch vorhandenen Bäume zu klären, hatten sich die Teltow-Seehofer an die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Potsdam-Mittelmark gewandt. Nach Angaben des Landratsamtes prüft die Behörde den Sachverhalt noch.

Im früheren Beteiligungsverfahren hatte bereits das Landesbüro anerkannter Naturschutzverbände in seiner Stellungnahme auf einen „ausgeprägten Alleen-Charakter“ der Osdorfer Straße hingewiesen, erläutert Stadtsprecher Jürgen Stich. Die Stadt hätte dies geprüft und sei zu dem Schluss gekommen, dass sich die Struktur der Baumreihen im Laufe der Jahre so verändert habe, dass nicht mehr von einer Allee gesprochen werden könne, erklärt er.

Das Schicksal der Straße hatten Teltows Stadtverordnete schon im Sommer 2017 besiegelt, in dem sie mehrheitlich einen Antrag der Fraktion von Linken/Umweltaktiven/BfB und Piraten abwiesen. Diese hatten gefordert, die Straße als öffentlich gewidmeten Fuß- und Radweg zu erhalten. Im Zuge der nochmaligen Auslegung des Bebauungsplans erneuerte die Stadtverordnete Jeannette Paech (Piraten) ihre Kritik: Mit dem Wegfall des Weges werde die Lebensqualität in Teltow eingeschränkt, mahnte sie. Der Weg sollte ausgebaut und die teilweise noch vorhandene Weiden-Allee vollständig wiederhergestellt werden, sagte sie.

Das Diakonissenhaus, das vor Ort weitere Wohn- und Sozialbauten plant, nannte die Verlegung des Weges indes alternativlos. Bisher ist vorgesehen, dass sich Stadt und Investor in einem städtebaulichen Vertrag auf einen Flächentausch verständigen. Denn noch gehört die Straße der Stadt. 

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