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Werder

  • 14.05.2018
  • von Eva Schmid

Werder (Havel): Blütentherme: Bürger fordern Mitsprache bei Mammut-Investition

von Eva Schmid

Foto: A. Klaer

Kritiker der Blütentherme wollen jetzt ein Bürgerbegehren starten, um sich mehr Mitsprache über die geplanten Großinvestitionen in das Projekt zu sichern.

Werder (Havel) - Es sind die 30 Millionen Euro, die das Fass zum Überlaufen gebracht haben. So viel Geld will die Stadt Werder (Havel) in die Bauruine in den Havelauen stecken, um ihre Therme doch noch zum Blühen zu bringen. Für das neue Werderaner Bündnis „StadtMitGestalter“ ist das zu viel. 50 Millionen Euro werden es am Ende sein, die Werder mit den bereits investierten rund 20 Millionen Euro, nur für den Bau einer Therme investiert. Geld, das an anderer Stelle in der Stadt besser aufgehoben wäre, finden die Kritiker.

Um das Projekt in seiner bisherigen Planung noch zu verhindern, wollen die Thermenkritiker nun ein Bürgerbegehren auf die Beine stellen. Darin fordern sie, dass alle Werderaner in die Diskussion zur Zukunft der Therme miteinbezogen werden sollen und mitgestalten dürfen. „Es ist mittlerweile eine Größenordnung erreicht, bei der es legitim ist, sich stärker darüber öffentlich auszutauschen“, meint der 38-jährige Nils Hillebrandt. Er gehört neben dem Initiator des Bündnisses, dem 42-jährigen Architekten Elmar Schlenke, zu den bisher rund zehn Mitgliedern der Initiative. Der Zuspruch indes wächst: Nach einer ersten, von der Initiative organisierten Podiumsveranstaltung zur Zukunft der Therme im Werderaner Scala Kino vor zwei Wochen, haben bereits 70 Werderaner dem neuen Bündnis ihre Hilfe angeboten.

Millionengrab Blütentherme: Keine Lösung versus den Abriss

Die wird auch dringend gebraucht, denn viel Zeit bleibt den Kritikern nicht mehr. Die Stadt zurrt derzeit den Vertrag mit dem neuen privaten Partner fest, der in den Havelauen weiterbauen soll, nachdem die Kristall Bäder AG Ende 2014 ausgestiegen ist. Wann genau die Stadtverordneten über den neuen Vertrag und damit die Zukunft des Bads abstimmen werden, steht derzeit noch nicht fest.

Gemäß dem bisherigen Masterplan für das Areal geht es bei der Entwicklung nicht nur um das Thermengebäude, sondern auch um die Flächen drumherum. „Geplant sind dort bisher Feriendörfer und ein Hotel“, erklärt Elmar Schlenke. Davon hätten die Werderaner aber nichts. Schlenke und seine Mitstreiter sehen dort vielmehr Schulen, eine Kita, einen Park, Sportplätze, Wohnungen und ein kleines Schwimmbad mit Sauna vor. Was es genau sein könnte, darüber müsste die Stadt mit ihren Bürgern ins Gespräch kommen.

„Wir denken, es wäre gut, jetzt eine Pause einzulegen“, sagt Nils Hillebrandt. Durchatmen, noch einmal alles auf den Prüfstand stellen und die Werderaner an der weiteren Gestaltung zu beteiligen, darum gehe es den „StadtMitGestaltern“, wie sich das Bündnis nennt. Es sei auch die „Augen zu und durch“-Mentalität der Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU) gewesen, die sie so verärgert habe, als das Rathaus verkündete, weitere 30 Millionen Euro investieren zu wollen.

„Wir wollen nicht die eine Lösung versus den Abriss“, sagt der 40-jährige Meiko Rachimow. Er lebt im Gegensatz zu Schlenke und Hillebrandt schon seit 14 Jahren in Werder und kennt die Entwicklung rund um die Blütentherme gut.

Rachimow: Ausmaß des Scheiterns wird erst jetzt klar

Dass es erst jetzt so richtig in der Bevölkerung brodelt und nicht schon viel früher massive Kritik an dem Großprojekt öffentlich wurde, liege laut Rachimow daran, dass „erst jetzt wirklich allen das Ausmaß des Scheiterns klar ist“. Es seien die 30 Millionen Euro gewesen, die vielen nun die Augen geöffnet hätten. „Bisher lief vieles oft unterhalb des Radars.“ Damit spielt Rachimow unter anderem auf die Badausschusssitzungen und Stadtverordnetenversammlungen hin, die zwar allen Bürgern offenstehen würden, bei denen es aber dennoch offenbar eine Hürde für viele gebe, dort auch regelmäßig hinzugehen. Vermutlich fehle der konstruktive Impuls, und die Möglichkeit, mitdiskutieren zu dürfen, schätzt Rachimow.

„Die Stadt wäre gut beraten, mehr Diskussion zuzulassen“, ergänzt Schlenke. Wie groß das Interesse sei, hätte die vom Bündnis organisierte erste Podiumsdiskussion zur Zukunft der Therme bereits gezeigt. Rund 200 Besucher sind gekommen, das Scala war fast voll besetzt. Schlenke und seine Mitstreiter wollen einen stadtweiten Dialog anstoßen – mit offenem Ausgang. Moderiert von Experten, „die professionell und unabhängig die Bedürfnisse für Werder ableiten“.

„Wenn die Stadt uns nicht abholt, werden wir es einfordern“

Das Ergebnis aus einem derartig offenen Verfahren, „führt dann zu einer Empfehlung, über die die Stadtverordneten abstimmen können“. Damit sei das Bürgerbegehren recht weich, so die Bündnisvertreter. Es werde nicht der Abriss der Therme, sondern lediglich die Mitgestaltung gefordert.

Am morgigen Dienstag will die Initiative ihr Vorhaben um 19 Uhr in der Klimawerkstatt in der Luisenstraße 16 vorstellen. Parallel dazu bemühe man sich um einen Termin mit Bürgermeisterin Saß, die Kommune muss vorab von dem Bürgerbegehren informiert werden. Damit es erfolgreich ist, müssten die „StadtMitGestalter“ rund 2000 Unterschriften sammeln, das entspricht etwa einem Anteil von zehn Prozent der Wahlberechtigten. Der nächste Schritt wäre dann ein Bürgerentscheid. „Wenn die Stadt uns nicht abholt, werden wir es einfordern“, so Schlenke.

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