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  • 09.01.2018
  • von Solveig Schuster

Zur Stippvisite im Präsidentenschloss

von Solveig Schuster

Hilfsbereit. Seit Jahren engagiert sich Marita Münzner in der Hilfe für obdachlose Menschen, sammelt Spenden und verteilt sie. In ihrem Keller lagert sie auch die Spielsachen. Nun wird sie dafür geehrt – mit einer Einladung zu Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Foto: Andreas Klaer

Michendorfer Polizistin wird für ihr langjähriges Engagement in der Obdachlosenhilfe geehrt

Beelitz - Im Keller der Beelitzer Polizeiwache hütet Marita Münzner einen wahren Schatz. Kisten und Tüten randvoll mit Plüschtieren und Spielsachen stehen dort, daneben ein Bobbycar, Schaukelpferd, sogar ein Fahrrad. Zu Weihnachten kommen die gesammelten Gaben beim traditionellen Weihnachtsessen des Berliner Entertainers Frank Zander bedürftigen Kindern und Jugendlichen zu und sorgen dort für Festtagsstimmung, wo sonst vor allem Not und Sorgen sind.

Am heutigen Dienstag wird die 60-jährige Michendorferin für ihr langjähriges Engagement in der Obdachlosenhilfe besonders geehrt. Gemeinsam mit rund 70 weiteren ehrenamtlich engagierten Brandenburgern ist sie ins Berliner Schloss Bellevue zum Neujahrsempfang geladen und wird dort im Großen Saal des Amtssitzes von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu Mittag essen. Doch ganz wohl ist Marita Münzner bei dem Gedanken nicht. „Ich wirke lieber im Hinter- als im Vordergrund“, gesteht sie.

Als sie im Dezember 2016 aus gleichem Grund bereits einmal in die Brandenburger Staatskanzlei eingeladen worden war, dachte sie: „Es reicht jetzt eigentlich.“ Doch kurz vor dem vergangenen Weihnachtsfest trudelte erneut eine Einladung ein – diesmal aus dem Bundespräsidialamt. „Natürlich fühle ich mich auch geehrt“, sagt sie.

Dem Anlass gemäß wird die 60-jährige heute in Uniform im Schloss Platz nehmen. Seit 1977 arbeitet Marita Münzner bei der Polizei. Bis zur Wende regelte sie in Potsdam den Verkehr, kam dann nach Dreilinden und 2007 schließlich nach Beelitz. Heute gehört sie bei der Verkehrspolizei einer Sonderbewachungsgruppe an, die vorrangig Lkw und Busse kontrolliert. Zusätzlich zu ihren 40 Stunden in der Woche bringt sie seit neun Jahren drei bis vier Stunden täglich mit der Weihnachtsaktion für Obdachlose und Bedürftige zu. Neben Haus und Garten, um die sie sich daneben noch kümmern muss, ist das alles an verfügbarer Zeit. „Die Menschen sind so dankbar“, erzählt sie. Wenn sie ihr vor Freude um den Hals fielen, wisse sie, wofür sie das alles macht.

Dabei war es, so wie es gekommen ist, anfangs gar nicht geplant. Im Intranet der Polizei hatte ihr Schwiegersohn einen Aufruf gelesen, erzählt Marita Münzner. Der damalige Organisator der Spendensammlung hatte Mithelfer gesucht. Marita Münzner meldete sich, nicht wissend, dass ihr der Inserent bereits ein Jahr später die komplette Aktion überließ. „Er hatte keine Spenden mehr zusammenbekommen und wollte aufhören.“ Dann schlüpfte die Michendorferin in seine Rolle und rief – ebenfalls per Intranet – zur Spende auf. „Das hat sofort eingeschlagen.“ Heute kämen pro Jahr rund 80 Müllsäcke voll mit Plüschtieren und 50 bis 60 Kisten an Spielzeug, Büchern, Puzzles zusammen und etliche weitere Spielsachen, die nicht verpackt werden können, weil sie zu sperrig sind. Mit zwei Kurierfahrzeugen der Polizei und neuerdings auch einem von den Beelitzer Verkehrsbetrieben gestellten Transporter fahren Münzner und ihre 13 Kollegen die Sachen zum alljährlichen Weihnachtsessen für Obdachlose und Bedürftige ins Berliner Estrel-Hotel und richten dort einen riesigen Gabentisch an.

Als sie vor neun Jahren das erste Mal an dem Weihnachtsessen teilnahm, hatte sie noch einen Fotoapparat dabei, wollte den Berliner Entertainer und Organisator Frank Zander ablichten. Gelungen sei ihr das nicht. „Mir fiel der Fotoapparat aus der Hand“, erzählt sie. Zander gab jedem Einzelnen die Hand, auch ihr, viele drückten ihn. „Alles war so unbeschreiblich herzlich und rührend“, erinnert sich Marita Münzner.

Mehr als 3000 Gäste kamen im vergangenen Jahr, doch wie immer waren am Ende des Tages die Geschenke alle weg. Die Kinder dürfen sich selbst etwas nehmen, große Dinge teilen die Helfer zu.

Jedes einzelne Teil ist vorher durch ihre Hände gegangen. Im Gewölbekeller des Dienstgebäudes stehen Marita Münzner drei Räume zur Verfügung. Dort hat sie ein Sammel- und Sortiersystem entwickelt, das ihr hilft, die Übersicht zu behalten. Auch werde hier Spreu von Weizen getrennt. Die Chance, es auf den Gabentisch zu schaffen, habe nur sehr gut erhaltenes, vollständiges und voll funktionsfähiges Spielzeug. Alles werde vorab überprüft, jedes Puzzle gezählt, die Plüschtiere gewaschen, wo es sich anbietet, das Spielzeug repariert. Was nicht mit nach Berlin kann, kommt zum Wertstoffhof. Zwei Anhänger voll habe ihr Mann im vergangenen Jahr nach Potsdam gefahren, es nehme zu, dass auch Müll bei der Polizei abgeladen werde.

Das alles hält Marita Münzner aber nicht davon ab, weiterzumachen. Ganz im Gegenteil ist der Aufwand seit einigen Jahren noch etwas größer geworden. Mit ihrer Familie bastelt die Michendorferin alljährlich einige Hundert bunte Weihnachtssterne, die sie neben den Spielsachen vor Ort verteilt. Eine Bastelvorlage fand sie dazu im Internet. 30 Blatt eines Notizblockes benötigt sie pro Stern, an Arbeit pro Exemplar eine Dreiviertelstunde. Neben der 80-jährigen Mutter helfen auch die beiden 39 und 41 Jahre alten Töchter fleißig mit, „die Ecken zu kniffen“. Die Mutter habe so eine Beschäftigung und auch sie selbst genieße die Bastelei beim Fernsehen, erzählt sie. Dabei hatten die Veranstalter zunächst zurückhaltend auf die Idee reagiert. „Sie hatten Angst, dass die Sterne durch den Saal geworfen werden und am Ende alle am Boden liegen“, erzählt Marita Münzner. Doch: „Kein einziger!“ Die Leute freuen sich über die Sterne und nehmen sie dankbar mit, erklärt die Michendorferin. Solveig Schuster

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