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  • 23.12.2017
  • von Julia Frese

Heiland im Heizhaus

von Julia Frese

Generationenübergreifend. Im Krippenspiel stehen Hobby-Sänger vom Kindes- bis zum Rentenalter zusammen auf der Bühne. Klassische Einsteigerrollen sind die Engel und die Hirten. Foto: Sebastian Latzke

Seit 2009 veranstaltet Sängerin Christiane Heinke mit dem Verein Kult-Raum jedes Jahr ein Krippenspiel im Heizhaus Damit brachte sie eine Familientradition, deren Wurzeln inzwischen über 90 Jahre zurückreichen, in die Gemeinde

Kleinmachnow - Als sie zum ersten Mal einen der Engel im Krippenspiel darstellte, muss sie so etwa drei Jahre alt gewesen sein, sagt Christiane Heinke. „In meiner Familie wuchsen wir da einfach hinein.“ Vor acht Jahren brachte die 51-Jährige, die gebürtig aus einem Dorf in der Nähe von Hannover stammt, die Familientradition nach Kleinmachnow. Jedes Jahr am vierten Advent treten rund 40 ehemalige Gesangsschüler, Familienmitglieder und Bekannte von Christiane Heinke im Heizhaus auf: als Engel, Hirten, Heilige Drei Könige, Maria und Josef. Rund 700 Zuschauer besuchen die fünf Vorstellungen, die über das gesamte Adventswochenende verteilt werden. Ausnahmsweise fand das Krippenspiel in diesem Jahr am dritten Advent statt, da auf den vierten ja bereits Heiligabend fällt.

Christiane Heinkes Urgroßmutter, die mit einem Pfarrer verheiratet war, veranstaltete die ersten Krippenspiele in den 1920er-Jahren – damals noch im heimischen Wohnzimmer. „Der Grund war wohl, dass sie den Kindern der Gemeinde nach den Schrecken des Ersten Weltkriegs etwas Schönes bieten wollte“, sagt Heinke. Die Urgroßmutter fing mit der Hirtenszene an, später kamen mit der Suche Marias und Josefs nach der Herberge und den Heiligen Drei Königen immer mehr Teile des Krippenspiels zusammen. Die Urgroßmutter hätte sich aus mehreren Krippenspiel-Texten bedient, hier mal einen Dialog und da mal ein Lied übernommen, sagt Heinke. Die Fassung, die daraus entstand, ist bis heute unverändert geblieben.

Nach der Urgroßmutter übernahmen die Großmutter und später Christiane Heinkes Mutter die Organisation des Krippenspiels. Seit 2009 ist sie es nun selbst, die dafür sorgt, dass jedes Jahr kurz vor Weihnachten Engel, Hirten, Könige und Maria und Josef auf der Bühne stehen. Die Sängerin und Gesangspädagogin zog 2001 mit Mann und Kindern von Berlin nach Kleinmachnow. „Ich war immer ein Dorfkind und als wir Eltern wurden, wuchs in mir der Wunsch, wieder ländlicher zu wohnen.“

Enttäuscht war Heinke jedoch zunächst von der Kleinmachnower Kulturszene: „Es lebten so viele Künstler- und Sängerkollegen von mir hier, aber es gab damals kaum Veranstaltungen“, erinnert sie sich. Und machte sich – ganz in der Tradition der Heinke-Frauen – daran, dies zu ändern. Bald gab es erste kleine Konzerte in Wohnzimmern, wie einst bei der Urgroßmutter. Schließlich gründete sich der Verein Kult-Raum, dessen Vorsitzende Christiane Heinke ist, und der bei Finanzierung und Organisation des Krippenspiels eine große Stütze ist, wie sie sagt.

Als sie 2009 von ihrer Mutter übernahm, hatte sie jedoch auch viel Unterstützung von beiden Elternteilen, so Heinke. Die hatten das Krippenspiel zuletzt im niedersächsischen Bokenem in der Scheune eines Gutshauses veranstaltet, die ein Bekannter ihnen zur Verfügung stellte. „Die Zuschauer saßen auf Brettern und Strohballen, der Wind pfiff durch die Ritzen und manchmal rieselte sogar der Schnee durch die Decke“, beschreibt Christiane Heinke das romantische Ambiente, in dem sie als Jugendliche ihre ersten Krippenspielrollen sang.

In Kleinmachnow einen scheunenähnlichen Veranstaltungsort zu finden erwies sich hingegen als weniger einfach. Anfangs hatte Heinke die Remise der Hakeburg angefragt. „Das war aber gerade zur Zeit des Besitzerwechsels“, so die Gesangspädagogin. „Das wurde schließlich so kompliziert, dass wir die Segel gestrichen haben.“ Bald darauf habe ihr ein Bekannter jedoch den Tipp gegeben, sich einmal das Heizhaus anzusehen. Der Ort, auch wenn er weit weniger Romantik ausstrahlte als die niedersächsische Gutshausscheune, erwies sich als perfekt. Mit der leeren weißgetünchten Halle durfte Christiane Heinke machen, was sie wollte. Und so schuf sie mit Stellwänden, Europaletten und Strohballen unterm Schrägdach ganz einfach ihre eigene Scheune. Die Kostüme, die einst ihre Mutter nähte, waren nach wie vor gut brauchbar und die begabten Hobby-Sänger hatte die Gesangslehrerin im Nu zusammengetrommelt.

Schon bei der ersten Vorstellung merkte Heinke, dass sie bei den Kleinmachnowern einen Nerv getroffen hatte. „Die Zuschauer kamen anschließend zu mir und dankten mir, weil sie etwas wiedergefunden hatten – das kindliche Gefühl, das sie früher mit Weihnachten verbunden hatten“, so die Veranstalterin. Dass das Krippenspiel dabei unabhängig von der Kleinmachnower Kirchengemeinde sei, tue der Beliebtheit keinen Abbruch. Mitsingen dürfen die Zuschauer schließlich auch im Krippenspiel, immer wenn der Scheinwerfer im Publikumsbereich angeht. Das Repertoire besteht vor allem aus älteren und dadurch nicht ganz so bekannten Kirchenliedern, sagt Heinke: „Wir bringen Frieden“, „Macht hoch die Tür“, „Joseph lieber Joseph mein“ oder „Lobt Gott Ihr Christen“ sind etwa darunter. Wie im Gottesdienst bekommt aber jeder Zuschauer die Texte gereicht, sodass es sich auch bei unbekannten Liedern schnell mitsingen lässt.

Auch Christiane Heinkes Tochter, inzwischen 25-jährig, tritt bereits seit Kindertagen im Krippenspiel auf. In diesem Jahr war sie der Sternträger, eine leitende Gesangsrolle. Wie Christiane Heinke selbst hat auch ihre Tochter einst als dreijähriger Engel angefangen.

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