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Kleinmachnow

  • 21.12.2017
  • von Solveig Schuster

Kleinmachnow aufgewühlt: Wildschweine rücken Einwohnern auf die Pelle

von Solveig Schuster

Aufwühlend. Einwohner in Kleinmachnow beschweren sich über die wachsende Zahl von Wildschweinen im Ort und verlangen einen Zaun. Die Kommunen behaupten, die Lage habe sich bereits gebessert. Im betreffenden Jagdgebiet wurden seit April bereits 190 Wildschweine geschossen. Foto: Lino Mirgeler/dpa

Durchgewühlte Gärten, Wildschweinrotten auf Gehwegen: Die Kleinmachnower fordern einen Zaun, um sich im Wald wieder sicher zu fühlen. Die Zahl erlegter Tiere ist bereits gestiegen.

Kleinmachnow - Seit dem Frühjahr kommen sie vermehrt, teilweise im Abstand weniger Tage. Im Wald nahe des Wohnhauses von Gregor Schiwietz im Kleinmachnower Kirschfeld haben sich Wildschweine niedergelassen und sorgen seit einiger Zeit dafür, dass sich niemand mehr in den Forst hineintraut. „Sie verteidigen ihr Gebiet“, erklärt Schiwietz. Er hat sich eine neue Gassirunde gesucht und meidet den mitten im Zentrum des Ortes gelegenen Grünzug. Ganze Rotten seien dort gesichtet worden, immer häufiger auch ein Keiler. Schiwietz organisierte Unterschriften für eine Petition, reichte sie bei der Gemeinde ein. Mehr als 80 Anwohner unterzeichneten. „Es wären sicher noch mehr geworden, wäre ich auch noch die weitere Umgebung abgelaufen“, sagt er.

Die Anwohner wollen, dass der Wald für Spaziergänger und Kindergarten- Gruppen wieder nutzbar wird, sagt Schiwietz. In der Petition fordern sie, den Wald einzuzäunen. Nur durch eine Tür soll er noch betreten und verlassen werden können. Doch daraus wird vorerst nichts. In der vergangenen Woche stimmten die Kleinmachnower Gemeindevertreter einer Stellungnahme zur Petition zu, die sich gegen eine solche Lösung richtet.

In Kleinmachnow wollen Jäger den Bestand reduzieren

Die Gemeinde hatte die Anfrage an den Landesforstbetrieb weitergeleitet, der für den Wald zuständig ist. Doch die Behörde lehnte ab. Ihrer Ansicht nach stelle die angestrebte Einzäunung „ein Sperren des Waldes“ dar, heißt es in der Begründung. Dem könne jedoch nur zugestimmt werden, wenn wichtige Gründe vorlägen, etwa Waldbesucher besonders geschützt werden müssten. Das sei hier nicht gegeben. Nach Angaben des Landesforstbetriebes hätten Mitarbeiter vor Ort keine starke Nutzung der Fläche durch Wildschweine erkennen können.

Gregor Schiwietz kann das nicht nachvollziehen. In seinem Garten hätten sich die Wildschweine schon gesuhlt und den Rasen verwüstet, sagt er. Inzwischen kämen sie immer tiefer in den Ort, stünden auf Gehwegen und hielten Passanten von ihrem Heimweg ab.

Dass es seit einigen Jahren eine erhöhte Population an Schwarzwild in der Gemeinde gibt, leugnet auch Kleinmachnow nicht. Die Gemeinde grenzt ebenso wie das benachbarte Stahnsdorf an großflächige Waldgebiete, etwa den Berliner Forst. Das Gebiet der beiden dort zuständigen Jagdpächter und ihrer etwa ein Dutzend Jägerkollegen erstreckt sich über 1000 Hektar. Die Jäger würden „einen hohen Jagddruck ausüben, um den Bestand zu reduzieren“. Dies werde durch die Gemeinde ausdrücklich unterstützt, heißt es in dem Antwortschreiben Kleinmachnows zur Petition.

Stahnsdorf hat eine Kopfprämie von 35 Euro pro Wildschwein eingeführt

Im Vergleich zum letzten Jagdjahr sei ein leichter Anstieg des Jagderfolgs zu verzeichnen, sagt auch Stahnsdorfs Gemeindesprecher Stephan Reitzig. Wurden in der Saison 2016/17 im gesamten Jagdbezirk rund 240 Tiere erlegt, so seien in diesem Jahr seit April bereits 190 Wildschweine geschossen worden. Stahnsdorf hatte im Frühsommer bei der Abschussprämie nachjustiert und für kleine Schweine, die sich nicht so gut verwerten ließen, eine Kopfprämie von 35 Euro pro Tier eingeführt. Nach Angaben des Gemeindesprechers wurde diese für 69 der erlegten Schwarzkittel ausgezahlt. Wie sich die Population entwickelt hat, ließe sich jedoch erst im Frühjahr sagen, wenn die Wildschweine gefrischt haben.

Gerade in der Ortslage sei die Jagd aber schwierig und vor dem Hintergrund der sicheren Schussabgabe nur in sehr begrenztem Rahmen möglich. Hinzu käme, dass noch immer viele Bewohner durch Komposthaufen oder Fallobst bewusst oder unbewusst den Tieren Nahrungsquellen bieten würden. Auch in dem Waldstück an der Förster-Funke-Allee seien Gartenabfälle gefunden worden, die die Schweine anlockten, erklärt Kleinmachnows Gemeindesprecherin. Insgesamt scheine sich die Situation aber etwas entspannt zu haben.

Aufgewühlte Erde am Friedhof

Auch in Stahnsdorf wurden in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr weniger Wildschweine beobachtet und auch weniger Schäden gemeldet, so Stephan Reitzig. Selbst auf dem Südwestkirchhof, wo sich im vergangenen Herbst noch große Wildschweinrotten ausgetobt, bis zu einem halben Meter tief durch Schmuckrabatten gewühlt und ein Bild des Schreckens hinterlassen hatten, sei die Lage inzwischen im Griff, sagt Friedhofsverwalter Olaf Ihlefeldt.

Unmittelbar vor dem Haupteingang und entlang des rund 4000 Meter langen Zaunes würden sich die Tiere zwar immer noch durch die Erde wühlen, auf dem rund 200 Hektar großen Friedhofsareal wurden aber keine Schäden mehr festgestellt, sagt er. „Wir sind sehr intensiv dabei, den teils desolaten Zaun wilddicht zu halten“, erklärte Ihlefeld. Zudem würden auch die Friedhofsbesucher helfen, indem sie – gewarnt durch Wildschwein-Hinweisschilder – Eingangstore und Türen geschlossen hielten. Noch im vergangenen Januar war auf dem Südwestkirchhof zur großen Treibjagd geblasen worden. In diesem Winter müsse er eine solche Jagd wohl nicht planen, freut sich der Friedhofsverwalter.

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