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  • 05.12.2017
  • von Martin Anton

Bauruine in Werder: Teure Blütenträume

von Martin Anton

Kalte Therme. Vor sechs Jahren wurde der Grundstein für die Blütentherme Werder gelegt. Seit drei Jahren geht an der Baustelle nichts mehr. Wann die ersten Gäste hier baden können, ist nach wie vor unklar. Die Stadt sucht aktuell einen neuen Investor, der den Bau fertigstellen soll. Foto: Andreas Klaer

Die Therme in Werder ist seit Jahren eine Bauruine. Allein in diesem Jahr kostet sie die Stadt Werder 140.000 Euro.

Werder (Havel) - Ein dampfendes Außenbecken, Menschen in Bademänteln auf Liegestühlen, johlende Kinder auf der Rutsche: So oder so ähnlich sollte es eigentlich seit fünf Jahren am Zernsee in Werder (Havel) aussehen. Doch fünf Jahre nach dem geplanten Eröffnungstermin blicken Spaziergänger auf der Hafenpromenade noch immer auf einen Bauzaun und dahinter auf die unfertige Blütentherme, die nur mit viel Wohlwollen in ihrem derzeitigen Zustand nicht als Bauruine bezeichnet werden kann.

18 Millionen Euro Kosten überstiegen

Seit drei Jahren wird an dem Prestigeprojekt der Stadt nicht mehr gebaut. Die Gesamtkosten haben bereits jetzt die einst angepeilten 18 Millionen Euro überstiegen. Täglich kommen neue Kosten für die Stadt hinzu. Für Gas, Wasser, Strom, Kameraüberwachung, die Bewirtschaftung der Therme und des Grundstücks werden in diesem Jahr voraussichtlich 140.000 Euro anfallen, wie die Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU) auf PNN-Anfrage mitteilte.

Anja Spiegel, SPD-Fraktionsvorsitzende in der Werderaner Stadtverordnetenversammlung und Vorsitzende des Anfang 2016 eingerichteten Badausschusses, geht aber davon aus, dass die tatsächlichen Kosten noch höher sind. „Die Kosten zur Grundstückssicherung sind nicht so relevant“, sagte sie den PNN. Vielmehr würden die Schäden am Bauwerk ins Gewicht fallen, die seit dem Stopp der Bauarbeiten entstanden sind. „Was draußen ist, ist durch“, erklärte Spiegel lakonisch. „Es ist wie bei einem Haus: Es wird nicht besser, es wird nur teurer.“ Wie viel Geld die Stadt dadurch verloren hätte, dass die Therme nicht wie geplant im Jahr 2012 eröffnet wurde, sei gar nicht zu beziffern.

Badausschuss hat seit Mai nicht mehr getagt

Der Badausschuss hat im Übrigen seit Mai nicht mehr getagt. Spiegel sagt dazu: „Es gibt nichts zu berichten.“ Die Stadt befindet sich seit dem Frühjahr auf der Suche nach einem Investor für die Fertigstellung und den Betrieb der geplanten „Gesundheits- und Wellnesstherme mit Familien- und Sportbad“. Wie berichtet hatten acht Unternehmen Angebote abgeben. Jetzt werden laut Bürgermeisterin Saß Gespräche geführt. Im März hatte es geheißen, die Suche solle bis Jahresende beendet sein. Einen dezidierten Zeitplan gibt es aber nicht.

Das trifft auch auf die Eröffnung des noch unter Ex-Bürgermeister Werner Große (CDU) gestarteten Projekts zu. SPD-Politikerin Spiegel befürchtet, dass die Therme auch 2019 noch nicht eröffnet wird. Die Stadt hält sich mit Terminen zurück. Eine „belastbare Zielvorstellung“ könne nur mit dem neuen Betreiber und in Abhängigkeit eventueller weiterer Genehmigungsverfahren genannt werden, sagte Saß den PNN.

Alles gehe "ein bisschen langsam"

Spiegel versicherte indes, der Badausschuss werde den Bau der Therme auch über die Vergabe hinaus kritisch begleiten. Ihrer Einschätzung nach geht „alles ein bisschen langsam“. Die Ausschussvorsitzende bemängelt außerdem, dass der Ausschuss von der Verwaltung nicht ausreichend über die Entwicklungen bei der Blütentherme informiert werde. Die Mitglieder müssten immer von sich aus Kontakt mit dem Rathaus aufnehmen, wenn sie Informationen wollten.

Bürgermeisterin Saß weist die Vorwürfe zurück. Im Rathaus sei keine solche Kritik bekannt, teilte sie mit. „Aus Sicht der Stadtverwaltung und der juristischen Berater wird eine Sitzung des Badausschusses mit Vorliegen präsentierbarer Ergebnisse der laufenden Bewertung der vorliegenden Angebote erforderlich“, lautet die Antwort auf eine PNN-Anfrage. Bis zur finalen Vergabeentscheidung müssten aus „strengen vergaberechtlichen Gründen“ alle Sitzungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.

Dieses Jahr wahrscheinlich keine Gremien-Sitzung mehr

Spiegel sagte ihrerseits, sie wolle sich mit der Bürgermeisterin abstimmen, ob in diesem Jahr überhaupt noch eine Sitzung des Gremiums, das zur stärkeren Einbindung der Stadtverordneten in die Fortschritte des Thermenbaus gegründet worden war, geben wird.

Bei der Ausschreibung handelt es sich laut Rathaus um ein europaweites Vergabeverfahren, das besondere Anforderungen an die Durchführung des Wettbewerbs stellt. Wie berichtet hatten sich acht Interessenten auf die Ausschreibung gemeldet.

Eigentlich sollte der kommunale Anteil 9 Millionen Euro betragen

Die Neuausschreibung war notwendig geworden, weil die Stadt sich vom ersten privaten Partner für die Therme, die Kristall Bäder AG, nach einem langen Rechtsstreit getrennt hatte. Inzwischen hat die Stadt etwa 21 Millionen Euro für die halbfertige Therme und deren Umfeld ausgegeben. Ursprünglich geplant war ein kommunaler Anteil von lediglich neun Millionen Euro.

Ein Gutachten hatte festgestellt, dass ein neuer Investor noch einmal etwa zwölf Millionen Euro in den Bau stecken müsste, um ihn fertigzustellen. Die Blütentherme soll unter anderem ein 25-Meter-Sportbecken, ein Thermalbecken und eine große Saunalandschaft umfassen. Sie ist für 1000 Gäste täglich ausgelegt. Wenn ein neuer Partner gefunden ist, würden die Bauarbeiten voraussichtlich noch einmal zehn bis zwölf Monate in Anspruch nehmen.

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