27.05.2018, 26°C
  • 04.12.2017
  • von Julia Frese

Weiterbetrieb der Gaststätte: Ein Businessplan für die Waldschänke

von Julia Frese

Begehrtes Objekt. Für die Waldschänke gibt es mehrere Interessenten. Foto: A. Klaer

Stahnsdorfer Gaststätte soll nun öffentlich ausgeschrieben werden. Der Weiterbetrieb dürfte sich damit verzögern. Warum sich der Besitzer getäuscht fühlt.

Stahnsdorf - Die Gemeinde Stahnsdorf wird den Weiterbetrieb der Waldschänke öffentlich ausschreiben. Wie Gemeindesprecher Stephan Reitzig bestätigte, wurde dieser Beschluss am Dienstag im Finanzausschuss gefasst. Zuvor hatten vier Gastronomen, die Interesse am Weiterbetrieb der Waldschänke haben, ihre Konzepte vor dem Ausschuss präsentiert. Der bisherige Betreiber Gunther Lassotta hatte nach eigener Aussage zuvor von der Gemeinde zugesichert bekommen, dass nach Präsentation der Konzepte einer der vier Interessenten ausgewählt würde. „Anschließend wurde dann aber plötzlich entschieden, erstmal keinen der vier auszuwählen, sondern eine öffentliche Ausschreibung zu starten“, so der Pächter der Gaststätte.

Lassotta, der die Waldschänke seit 57 Jahren betreibt, fühlt sich von der Gemeinde erneut getäuscht. Nachdem er im Sommer seinen Pachtvertrag zum Ende des Jahres kündigen musste, weil Familienmitglieder den Weiterbetrieb aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr stemmen können, hatte Bürgermeister Bernd Albers (BfB) ihm zugesichert, dass er selbst einen Nachmieter bestimmen dürfe.

Auch ein Bürgerhaus war mal der Plan

Wenige Wochen später, als Lassotta der Gemeinde einen Interessenten präsentierte, hätte ihm der Bürgermeister plötzlich mitgeteilt, dass die Waldschänke nun ein Bürgerhaus werden solle, so Lassottas Schilderung. Erst nach Protesten von Bürgern und Gemeindevertretern wurde schließlich mehrheitlich entschieden, dass die Waldschänke nun doch als Gastronomie weiterbetrieben werden solle.

Durch die öffentliche Ausschreibung sieht Lassotta die Übergabe nun erneut in Gefahr. „Bis Ende des Monats wird es sicher nichts mehr“, so der Noch-Pächter. Er fühle sich veräppelt und den vier Bewerbern gehe es ebenso. Interesse am Weiterbetrieb der Gaststätte hatten bisher zwei italienische und zwei indische Gastronomen bekundet, von denen einer allerdings beabsichtigen würde, ein mexikanisches Restaurant zu eröffnen. Der Noch-Pächter vermutet, dass die Konzepte den Gemeindevertretern schlicht nicht gepasst haben.

Bewerberkreis soll erweitert werden

Dies dementiert Gemeindesprecher Stephan Reitzig jedoch: „Dass dieser Weg gewählt wurde, ist keine Wertung der vorgestellten Konzepte.“ Die vier bisherigen Bewerber sollen in der öffentlichen Ausschreibung ebenfalls berücksichtigt werden. „Wir wollen den Bewerberkreis aber erweitern.“ Interessenten müssen nun noch einiges mehr an Arbeit investieren: Für die Bewerbung sollen ein Konzept sowie einen Businessplan für den Zeitraum von fünf Jahren abgegeben werden, teilt Gemeindesprecher Reitzig auf PNN-Anfrage mit.

Wie der Zeitplan für die Ausschreibung aussehen soll und wann mit der Übergabe an den neuen Pächter zu rechnen sei, ließ Reitzig offen. Die eingereichten Konzepte sollten „die inhaltliche Ausrichtung des Gastronomiebetriebes beschreiben und darlegen, welche baulichen Veränderungen durch deren Betrieb erfolgen werden“, heißt es. „Die öffentliche Ausschreibung ist ein transparenter Weg mit dem Weiterbetrieb der Gaststätte umzugehen“, erklärt Reitzig. Es solle „kein Gemauschel geben“. Auch solle der Zustand der Räume begutachtet werden um eventuellen Investitionsbedarf zu prüfen.

Geststättenbesitzer kritisiert Gemeinde

Der Investitionsbedarf werde sicher nicht hoch sein, ist Gunther Lassotta überzeugt. Er habe regelmäßig in den Erhalt des Gebäudes investiert und erst vor wenigen Jahren eine neue Elektroanlage installieren lassen. Die Küche und die Gasträume seien erst vor eineinhalb Jahren renoviert worden. Das Argument der Gemeinde, den Prozess transparent gestalten zu wollen, leuchte ihm ein, sagt Lassotta. „Aber dann hätte man das ja auch gleich so kommunizieren können.“

Der Stahnsdorfer CDU-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Brenneis, der am Dienstag mit im Finanzausschuss saß, möchte die Entscheidung zur öffentlichen Ausschreibung zwar nicht direkt kommentieren, betont allerdings, er fände es „sehr schade, wenn sich der Weiterbetrieb als Gaststätte verzögern würde.“

Dietmar Otto (SPD) bedauert, dass die Entscheidung über den Kopf des Pächters hinweg passiert sei. „Wenn Herr Lassotta eine andere Zusage bekommen hat, sollte die auch gelten“, so Otto. Bernd Albers war wegen einer anderen Konferenz am Dienstag nicht im Finanzausschuss anwesend. Allerdings bezweifelt Dietmar Otto, dass sich der Bürgermeister für Lassottas Anliegen eingesetzt hätte: „Herr Albers wollte immer, dass die Waldschänke ein Bürgerhaus wird.“

Social Media

Umfrage

Die Einengung der Zeppelinstraße in Potsdam hat im Zuge der Dieseldebatte bundesweit Interesse geweckt. Ist die Maßnahme nötig, um ein Dieselfahrverbot in Potsdam zu verhindern? Stimmen Sie ab!