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  • 22.09.2017
  • von Martin Anton

Bad Belzig: Awo sieht soziale Arbeit bedroht

von Martin Anton

Der Landkreis Potsdam-Mittelmark hat die Schuldnerberatung sowie die ambulante Suchtberatung neu ausgeschrieben. Zuvor hatte sich die Arbeiterwohlfahrt (Awo) Potsdam in einem Brief an die Medien gewandt und die Ausschreibung als „Anfang des Ausverkaufs der sozialen Arbeit“ bezeichnet.

Bad Belzig/Potsdam - Der Landkreis Potsdam-Mittelmark hat die Schuldnerberatung sowie die ambulante Suchtberatung neu ausgeschrieben. Das bestätigte am gestern Kreissprecher Kai-Uwe Schwinzert auf PNN-Anfrage. Zuvor hatte sich die Arbeiterwohlfahrt (Awo) Potsdam in einem Brief an die Medien gewandt und die Ausschreibung als „Anfang des Ausverkaufs der sozialen Arbeit“ bezeichnet.

Die Potsdamer Awo betreibt nach eigenen Angaben seit 18 Jahren die Schuldnerberatungsstellen im Landkreis. Seit 25 Jahren ist sie für die Behandlungs- und Beratungsstelle für Suchtkranke verantwortlich. Die Ausschreibung traf den Verband unvorbereitet. Es hätte „zuvor nichts darauf hingedeutet, dass diese Hilfsangebote zur Disposition stehen“, heiß es in dem Schreiben.

Angela Schweers, Vorstandsvorsitzende der Awo Potsdam, zeigte sich außerdem verärgert über die Befristung der Ausschreibung auf ein Jahr. Erhielte der Verband den Zuschlag, müssten unbefristete Arbeitsverhältnisse in prekäre umgewandelt werden. Der Verband überlege, ob er sich überhaupt an der Ausschreibung beteiligen solle.

Beim Landkreis verteidigt man die Ausschreibung. Die Leistungen würden prinzipiell nicht auf Dauer vergeben. Man sei „nicht unzufrieden“ mit der Awo, betonte Sprecher Schwinzert, wolle aber auf dem Markt nach anderen Konzepten Ausschau halten. Ein wirtschaftlich besseres Angebot wäre ein willkommener Nebeneffekt. Der Vertrag könne im Übrigen auf insgesamt drei Jahre verlängert werden. Schließlich spiele Kontinuität eine Rolle in der Sucht und Schuldnerberatung. „Eine Sicherheit für die Träger gibt es allerdings nicht“, gab Schwinzert zu.

Eben diese Kontinuität sieht die Awo bedroht. Gebe der Verband die Beratungsstellen auf, breche ein ganzes Netzwerk weg, heißt es. In den landkreisweit zehn Einrichtungen seien derzeit 859 Klienten in Beratung, teilweise seit Jahren.

Für Irritation bei der Awo sorgt neben der eigentlichen Entscheidung zur Ausschreibung der Dienste auch ihr Zustandekommen. Das Thema wurde nicht im zuständigen Ausschuss des Kreistages diskutiert, sondern wurde in der Verwaltung entschieden. Martin Anton

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