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  • 12.08.2017
  • von Gudrun Janicke

Fipronil: Biobauer in Werder: Nutznießer des Gifteier-Skandals?

von Gudrun Janicke

Unter Hühnern. Über mangelnde Nachfrage musste sich Landwirt Jochen Fritz auch vor dem jüngsten Eier-Skandal keine Sorgen machen. In den Bauwagen bringt er die Tiere von Wiese zu Wiese. Nachts können die Hühner in den Wagen schlafen. Foto: Sebastian Gabsch

Nach dem massenweisen Fund mit Fipronil belasteter Eier sind Verbraucher zunehmend beunruhigt. Ein Betrieb in Werder könnte davon profitieren

Werder (Havel) - Tagsüber picken die Hühner in der Kirschplantage in Werder (Havel) im Boden, nachts geht es zurück in den mobilen Stall in einem umgebauten alten Bauwagen. „Gefressen wird Bio-Futter“, sagt Landwirt Jochen Fritz, einer der Geschäftsführer des Bio-Hofes Werder. Verkauft werden Bio-Eier. Über mangelnde Nachfrage muss Fritz nicht klagen – wie auch nicht vor dem Skandal um Gifteier, die mit dem Insektizid Fipronil belastet waren. Aber der Skandal könnte biologisch produzierenden Betrieben weitere Kunden bescheren.

Seit Kurzem beliefert der Hof auch eine Supermarktfiliale in Werder, ansonsten gibt es die Eier im Direktverkauf auf dem Hof. „Zugenommen haben die Eier- Abonnenten, die eine bestimmte Menge in der Woche abnehmen“, sagt der Landwirt, der im Nebenerwerb arbeitet.

Verbraucher greifen immer öfter zu Bio-Produkten

Michael Wimmer, Geschäftsführer des Fördervereins ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg, berichtet: „Unsere Bio-Landwirte haben auch vor dem Skandal nicht wirklich unter Absatzproblemen gelitten.“ Die Verbraucher seien sehr sensibilisiert. Sie wollten immer ganz genau wissen, woher ihre Lebensmittel stammen. Immer häufiger griffen sie zu Bio-Produkten. Wichtig sei auch, wie die Tiere leben und ob sie artgerecht gehalten werden, sagt Landwirt Fritz. Dazu müsse er oft Fragen beantworten. Doch auch die mobilen Hühnerställe blieben nicht von Parasiten verschont. „Die Rote Vogelmilbe bekämpfen wir beispielsweise mit Kalk, die Sitzstangen werden abgeflammt. Damit werden Schädlinge vernichtet“, berichtet er.

Der Betrieb startete vor zwei Jahren mit 100 Hühnern, jetzt sind es 250 der Rassen Domäne Gold und Domäne Silber. Sie liefern am Tag etwa 250 Eier. Mit dem mobilen Stall werden die Tiere auf dem Land des Betriebes zu immer anderen Stellen gefahren. Nachts finden sie im Bauwagen Schutz. Dort erhalten sie ihr Futter und legen die Eier in Nester.

Mit den Preisen wird artgerechte Haltung unterstützt

„Mit dem Preis von 45 Cent liegen wir über Supermarktpreisen“, sagt er. Damit werde artgerechte biologische Hühnerhaltung und Landschaftspflege unterstützt, betont er.

In Brandenburg gibt es ungefähr 820 Betriebe mit Geflügelhaltung. Landesweit werden rund 8,6 Millionen Hühner gehalten. Im Vorjahr hatten die Tiere rund 860 Millionen Eier gelegt, 1,4 Prozent weniger als 2015. 675 Millionen Eier davon stammten aus Bodenhaltung und 113 Millionen aus ökologischer Haltung, der Rest aus Freiland- und Käfighaltung. Jeder Bundesbürger verbraucht laut Statistik durchschnittlich 235 Eier im Jahr. (dpa)


Hintergrund: Im Zuge des Fipronil-Skandals haben sich Bund und Länder auf ein deutschlandweites Überwachungsprogramm geeinigt. Im Fokus von Kontrollen sollen Lebensmittel stehen, in denen mit dem Insektizid belastete Eier verarbeitet worden sein könnten, etwa Tiefkühlprodukte. Bei verarbeiteten Lebensmitteln können Verbraucher nicht erkennen, woher die verwendeten Eier stammen – anders als bei rohen Eiern mit Stempelaufdruck. Seit vergangener Woche wurden in Brandenburg und Berlin mehrere Lieferungen gifthaltiger Eier sowie belastete eihaltige Produkte entdeckt. axf/dpa

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