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Werder

  • 20.04.2017
  • von Julia Frese

MC Blütenstadt Werder (Havel): Motorsportverein erreicht das Oldtimeralter

von Julia Frese

Ehrenplatz für den Ältesten. Auf der Jubiläumsausstellung wird Udo Müllers Dürkopp- Rad aus dem Baujahr 1902 auf einem drehbaren Podest stehen. Foto: Andreas Klaer

Der MC Blütenstadt Werder (Havel) wird 30. Zur Feier gibt es eine Sonderausstellung.

Werder (Havel) - Das älteste noch zugelassene Motorrad Brandenburgs steht in Glindow. Udo Müller, der ehemalige Vorsitzende des Motorclubs Blütenstadt Werder (Havel), präsentiert das gute Stück aus dem Baujahr 1902 stolz in seiner Einfahrt. Er bekam das Gefährt der Marke Dürkopp von einem Freund geschenkt, für den er ein anderes Motorrad repariert hatte. In Stand gesetzt hat Müller es selbst. Auch wenn die Technik an der Schwelle des 20. Jahrhunderts noch nicht so ausgereift war wie heute, ist das Motorrad mit allem Notwendigen ausgestattet. „Um das Licht zum Brennen zu bringen, musste man diesen Schalter drehen, damit Wasser und Karbid sich vermischten“, erklärt Udo Müller und betätigt eine silberne Schraube an einem Behälter, der über einen Schlauch mit der Vorderlampe verbunden ist. „Dann musste man vorn ein Streichholz an die Lampe halten.“ Je weiter der Fahrer den Schalter aufdrehte, desto heller wurde das Licht. Zu weit durfte es aber auch nicht sein – sonst drohte der kleine silberne Behälter zu explodieren.

Udo Müller hat den Vereinsvorsitz des Motorclubs vor Kurzem offiziell an das langjährige  Clubmitglied Paul Wodak abgegeben, doch aus dem Club zurückgezogen hat er sich der 78-Jährige noch längst nicht. Im Gegenteil – in Müllers Garage und auf seinem Dachboden stehen nach wie vor die meisten der 60 Motorräder, die am Samstag und Sonntag in einer Sonderausstellung zum 30-jährigen Vereinsbestehen im „Deutschen Haus“ in Glindow zu sehen sein werden. Beim Ausstellungsaufbau ist Müller mit voller Tatkraft dabei. Für sein Dürkopp-Rad hat er bereits einen Ehrenplatz auf einem drehbaren Podest arrangiert.

Von 1990 bis 2012 betrieb der Motorclub das Zweirad- und Technikmuseum, zunächst in einer Industriehalle in Glindow, ab 1997 in einem Büroneubau in den Havelauen. Im Museum konnten Besucher rund 120 Fahrräder und Motorräder besichtigen. Obwohl das Museum gut besucht war, musste es nach 22 Jahren schließen, als ein neuer Eigentümer das Gebäude in den Havelauen übernahm. Er wollte dem Verein die Museumsräume nicht länger kostenlos überlassen, was für den Verein nicht mehr tragbar gewesen wäre.

Viele Werderaner vermissten das Museum bis heute, sagt Müller. Eine Neuauflage sei aber nicht geplant. „Meine Frau und ich müssen inzwischen auch aus Altersgründen etwas kürzer treten“, sagt der 78-Jährige. Weder sein Nachfolger als Vereinsvorsitzender, Paul Wodak, noch die übrigen 25 Vereinsmitglieder hätten die Zeit, nach neuen Räumen für ein Museum zu suchen. Paul Wodak studiert noch und auch die übrigen Mitglieder haben zumeist andere Verpflichtungen. In ihren freien Stunden beschäftigen sie sich lieber mit dem, was ihnen immer am meisten Spaß gemacht hat: dem Schrauben.

In einem Nebenraum der Garage hat Udo Müller seine Werkstatt eingerichtet. Aktuell hat er dort eine Maschine der Marke Triumph aufgebockt, an der er arbeitet, wann immer er eine ruhige Minute findet. Ein Bekannter hat ihm die Maschine überlassen. „Die Leute in der Gegend kennen mich ja und wissen, dass ich sammle“, sagt Müller. Während technisch weniger Begabte mit einem beschädigten Motorrad meist nichts mehr anzufangen wissen, beginnt für den ehemaligen Maschinenbauer dann erst der Spaß.

Auch Einzelteile nimmt Müller gern – daraus entstehen dann schon mal Unikate wie das Motorrad, das er schlicht „UMW“, „Udo Müller Werder“ taufte. Ein Motor der Marke Rinne aus dem Jahr 1925 war das Grundmaterial, auf dem der Schraubprofi sein selbst kreiertes Fahrzeug aus immer weiteren Einzelstücken aufbaute. Kurz nach der Wende, erinnert er sich, waren die Menschen so in Aufbruchsstimmung, dass sie alles Mögliche wegwarfen. Er bekam damals ständig von irgendwoher alte Räder oder Bauteile, die den vorherigen Besitzern wertlos erschienen. „Einmal stellte jemand ein Oldtimer-Rad einfach vor die Hoftür“, so Udo Müller.

Die meisten früheren Exponate gingen nach 2012 an ihre Leihgeber zurück, ein paar verschenkte Müller an Freunde und Familienangehörige. Die übriggebliebenen sind jährlich auf der Parade des Baumblütenfestes zu sehen. Dazu kommen über das Jahr verteilt zahlreiche Oldtimer-Ausfahrten, an denen der Club mit seinen Maschinen teilnimmt. Am häufigsten zum Einsatz kommen die D-Räder, Motorräder, die zwischen 1922 und 1932 in den Deutschen Industriewerken in Berlin-Spandau gebaut wurden. Udo Müller freut sich schon auf die nächste Tour: Auf der Straße machten sich die Oldtimer-Räder schließlich viel besser als in einer Garage. Julia Frese

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