17.10.2017, 21°C
  • 19.04.2017
  • von Gerold Paul

KulTOUR: Geradlinig, bunt, authentisch

von Gerold Paul

Teltow - Wohl dem, der seinen Lehrer lobt und ihn doch „überwindet“, um seinen eigenen Weg zu gehen. Dabei muss niemand „besser“ sein als sein Lehrer, nur wenigstens genauso gut, und vor allem anders. Dies alles trifft auf die Teltower Malerin Angelika Watteroth ohne Abstriche zu. Von ihr wird ja derzeit viel geredet und berichtet: weil eine Personalausstellung zu ihrem 70. Geburtstag im Teltower Bürgerhaus davon erzählt. Weil sie ihr Vorbild Lyonel Feininger verstanden und sich also selbst durch ihn verändert hat und man ihre Bilder nicht mehr zwingend mit ihm in Verbindung bringen kann, sondern höchstens ein wenig. „Echte Watteroths“ also, im Selbstverständnis irgendwo zwischen Expressionismus und Kubismus angesiedelt. Die gebürtige Berlinerin des Jahrgangs 1947 hat im Leben so manch’ lebensnotwendige Wege und Umwege machen müssen, um auf ihre jetzige „Position 70“ zu kommen: Sehnsucht nach der Kunst, aber staats- und verwaltungstechnischer Polizeidienst bis 1971, Werbegrafik als Beruf, die Familie, die Nordsee, Krankheit, die entscheidende Begegnung mit Michael Hegewald als ihrem wichtigsten Lehrer, dazu Teltow, Feininger natürlich, den sie erst vor zwei Jahren original in Quedlinburg zu sehen bekam. Seitdem auch ein wachsendes Interesse der Öffentlichkeit, sie verkauft. Ist jede Biografie auch Exempel, so auch diese, und zwar mehrfach. Gleichnisse sind ja immer für andere da, zum Lernen, und in Watteroths Ausstellung „farbenfroh“ kann man das reichlich.

Sie selbst sieht ihren Weg von der bloßen Gegenständlichkeit hin zur Abstraktion. Zur Abstraktion, nicht zum Abstrakten! Insofern bleiben ihre Bilder stets erkennbar, und sind doch „ganz anders“. Die ersten wollten Feininger noch gleichen, dann löste sie sich mehr und mehr von ihm. Auch ihre Zeit an der Nordsee folgte dem Meister, wie im Bürgerhaus gut zu erkennen. Später ist es vor allem der Hintergrund in seiner geradlinigen Buntheit, der wie ein Prisma Licht und Farben wiedergibt. Bunte, eigentlich „unwahrscheinliche“ Farben, die trotzdem glaubhaft wirken. Anfangs, so die Künstlerin, malte sie, was sie sah, dann, was sie beim Schauen empfand. Gefühle. Gefühle in oder aus Farbe. Sehen allein ist ihr zu wenig, das nennt sie, wie auch die Abbild-Malerei, „Handwerk“. Meist gibt sie Architektur in der Malerin eigenem Lichte wieder, Teltow, Potsdam, Berlin, wobei ihr selbst nicht immer alle Bilder gefallen. Und warum fast nur Gebäude? „Weil sie so schön geradlinig sind.“ Kommt da etwa die gelernte Beamtenseele durch? Tatsächlich sind ihre eigenwilligen Veduten von einer ganz erstaunlichen Geradlinigkeit. Kurven und Bögen lässt sie im Gegensatz zu Feininger kaum zu. So wirken sie einerseits schön, andererseits (trotz wärmender Farbtöne) ziemlich kühl, zumal Menschen darauf weitgehend fehlen. Manche der Bildnisse scheinen gar wie Kristalle einer märchenhaften Ordnung zu sein, getürmt, von ungewissen Kraftlinien zer- und geteilt und dann in zarter und zarter werdende Farbtöne getaucht.

Angelika Watteroth kann natürlich auch „anders“. Sie porträtiert gern, versucht sich an „kubistischer“ Blumengestaltung, am Tier. Die im Bürgerhaus gezeigten Pinguine haben viel von diesem „expressionistischen Kubismus“ abbekommen, doch die Eisbären widersetzten sich diesem Stil tapfer, und so blieben sie, wie sie sind, eher „gerundet“. Auch das ist ein Gleichnis – des Sehens und des Lernens wert. Wie alles in dieser Ausstellung. Gerold Paul

Bis zum 2. Juni zu den Öffnungszeiten des Hauses, Ritterstraße 10

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