29.06.2017, 23°C
Themenschwerpunkt:

Werder

  • 15.04.2017
  • von Enrico Bellin

Baumblütenfest in Werder (Havel): Note Vier für die Bretterknaller

von Enrico Bellin

Werderaner Vielfalt. 29 Erzeuger haben 231 Obstweine zur Verkostung abgegeben. Erstmals trafen sich die Tester im großen Saal des Werderaner Schützenhauses auf der Insel. Foto: eb

Ein strengeres Testverfahren soll dem Obstwein zu einem besseren Image verhelfen. Am 20. April werden die Preise verliehen.

Werder (Havel) - Es ist eine Armada von 231 Obstweinflaschen, die am Mittwochabend im großen Saal des Werderaner Schützenhauses aufgereiht zur Verkostung bereit steht. „Das sind zwar nur fünf Flaschen mehr als im Vorjahr, aber sonst hat man diese Vielfalt ja nie gesehen“, sagt Walter Kassin, Chef des Obst- und Gartenbauvereins der Stadt. Erstmals findet die Verkostung für das Qualitätssiegel Goldene Kruke, das für den besten Obstwein in neun verschiedenen Kategorien vergeben wird, im großen Rahmen auf der Werderaner Insel statt. Vorher traf sich der Testzirkel, bestehend aus früheren Baumblütenköniginnen und anderen engagierten Werderanern, in gemütlicher Runde im Café Muckerstube. Für die 32 Tester in diesem Jahr wäre es dort jedoch zu eng geworden.

Auch das Testprozedere hat sich im Vergleich zu den Verkostungen in den vergangenen 20 Jahren verändert, wie Weinbauer Manfred Lindicke erklärt: „Statt des bisherigen 20-Punkte-Systems für Geschmack, Aussehen und Ähnliches gibt es jetzt Schulnoten von eins bis fünf mit Abstufungen“, so Lindicke. Abstufungen in Zehntelschritten seien erwünscht. Schulnote Eins stehe für ausgezeichnetes, sortentypisches Aroma mit wenig Süße. Die Note Vier sei für die Bretterknaller: gerade noch trinkbar, aber „gewöhnungsbedürftig süß und alkohollastig“.

„Wir wollen damit das Profil der Weine deutlich klarstellen und weg vom süßen Zeug und dem Saufimage“, begründet Lindicke die Veränderungen. Man habe sich jetzt den Weinproben etwa in Saale-Unstrut angenähert.

Die Weinflaschen auf den Tischen sind nummeriert, nur die Veranstalter wissen, welche Ziffer zu welchem der knapp 39 Obstbauern und Hobbywinzer gehört, die ihre Weine abgegeben haben. Jeder Tester muss 29 Proben beurteilen. Spuckeimer stehen auf den Tischen bereit, ebenso wie Käse und Weißbrot. Nach spätestens fünf Sorten solle man sein Glas wechseln, empfiehlt Lindicke noch. Dann werden die Tische umzingelt. Die exotischste Variante ist wohl der Löwenzahnwein, der im Duft an süßen Sekt erinnert und einen buttrig-süßen Nachgeschmack in der Kehle hinterlässt. Unterteilt wird in die Kategorien Sauerkirsche, Erdbeere, schwarze Johannisbeere, weiße und rote Johannisbeere, Himbeere, Mehrfrucht, heimische Raritäten (etwa Aronia), Kernobst (Apfel, Birne) und Steinobst (etwa Pflaume).

Die meisten Probanden sind mit dem neuen Prozedere mit deutlich mehr Raum und Licht sowie klaren Vorgaben zur Bewertung zufrieden. Austausch untereinander, den Lindicke eigentlich durch das Herumlaufen unterbinden wollte, gibt es trotzdem. Dem Stadtverordneten und Tester Gerhard Opitz kommt das neue Bewertungsverfahren indes wie ein „Streckenlauf“ vor: „Das Testen im Sitzen hatte einfach eine nettere Atmosphäre.“ Opitz ist streng: Nachdem er die Hälfte seiner Proben am Gaumen hatte, stehen Noten zwischen 2,5 und einer glatten Vier auf seinem Zettel. „Meine Favoriten sind Sauerkirsche und schwarze Johannisbeere, da gibt es einen nachhaltigen Ausdruck im Wein.“ Bei der Erdbeere hingegen seien zu viele Enttäuschungen möglich.

Welche Weine am überzeugendsten waren, wird am Mittwoch, dem 20. April bekannt gegeben. Um 16 Uhr werden die Gewinner auf dem Werderaner Tannenhof, einem Mitgliedsbetrieb des Obst- und Gartenbauvereines, ausgezeichnet. Für Obstwinzer wie Kunden ein wichtiges Gütesiegel, sagt Walter Kassin: „Die Gewinnerweine sind oft schon am ersten Festwochenende ausverkauft.“ Enrico Bellin

Social Media

Umfrage

Soll die Biosphäre abgerissen werden, wie es die Grünen-Fraktion im Stadtparlament nun fordert? Stimmen Sie ab!