26.09.2017, 18°C
  • 16.03.2017
  • von Gudrun Janicke

Potsdam-Mittelmark: Regionaler Spargel lässt noch auf sich warten

von Gudrun Janicke

90 Prozent der Spargelfelder in Brandenburger befinden sich unter Folien. Doch da tut sich noch nicht viel. Foto: R. Hirschberger/dpa

Auf den Spargelhöfen wird die Erntezeit sehnsüchtig erwartet. Bei den Bauern klingelt dann das erste Geld des Jahres in der Kasse. Und bei den Genießern kommt wieder frisches Gemüse aus heimischem Anbau auf den Teller.

Fans des Brandenburger Spargels müssen sich noch etwas in Geduld üben: In den mit Folien bedeckten Dämmen herrschen zum Teil zwar schon Temperaturen um die 23 Grad. "Beste Bedingungen, damit der Spargel wächst", sagt Spargelbauer Jürgen Jakobs aus Beelitz (Potsdam-Mittelmark). Mit der Hand unter der Folie ist die Wärme zu spüren - doch Spargelstangen sind noch nicht zu fassen. Das wird sich bald ändern. "Ende des Monats können die ersten Stangen gestochen werden", sagt Jakobs. 

"Wir rechnen mit guter Qualität", sagt Jürgen Schulze, Geschäftsführer des erst zu Jahresbeginn gegründeten neuen Verbandes ostdeutscher Spargel- und Beerenanbauer. Im Winter sei es zum Teil knackig kalt gewesen: für die Pflanzen der Kick zum Wachsen.

90 Prozent der Brandenburger Spargelfelder sind mit Folien bedeckt

Zwischen Elbe, Havel und Oder gedieh das königliche Gemüse im vergangenen Jahr nach Angaben des Landesamtes für Statistik auf knapp 3345 Hektar. Gestochen wurden 19 565 Tonnen - die bislang höchste Erntemenge seit der Wende. Nach Niedersachsen mit 5930 Hektar liegt Brandenburg bei der Anbaufläche in der Länderrangliste auf Platz 2. Die bundesdeutsche Erntemenge betrug 2016 etwa 120 000 Tonnen.

90 Prozent der Spargelfelder in Brandenburg sind derzeit von Folien bedeckt. "Die Landwirte können dadurch die Qualität des Gemüses und den Erntezeitraum beeinflussen", erläutert Schulze. "Mit dem richtigen Folienmanagement ist da einiges zu erreichen."

Beheizte Flächen sind in Brandenburg keine Alternative

Auf Zelt-Tunnel und beheizte Flächen wie bei einigen Berufskollegen in Sachen-Anhalt werde in Brandenburg verzichtet, sagt Schulze. In der Altmark kann mit solchen Hilfsmitteln teilweise bereits seit 5. März geerntet werden. "Für uns ist das bislang keine Alternative", sagt Schulze. Aufwand und Nutzen würden sich hier nicht rechnen.

"Ist die richtige Temperatur erreicht, dann wächst das Königsgemüse bis zu sieben Zentimeter am Tag", sagt Spargelbauer Jakobs. Binnen vier Tagen erreiche die Stange dann die optimale Erntelänge von 24 Zentimetern. 

Beelitzer Spargelbauer nutzt Funksensor

Spargelbauer Thomas Syring aus Beelitz nutzt als einer der ersten in Brandenburg in dieser Saison einen speziellen Funksensor, entwickelt von der Firma Bosch. In vier unterschiedlichen Höhen misst der etwa 50 Zentimeter lange Sensor die Wärme im Boden. Über das Smartphone seien die Temperaturen dann abrufbar. Ab einem bestimmten Wert könne die Ernte starten. "Ich sammele noch Erfahrungen", sagt Syring.

In Brandenburg wird nach Angaben von Schulze vor allem auf ein ausgefeiltes Folienmanagement für gute Ernteergebnisse gesetzt. Um den Spargeldamm mit Sonnenlicht aufzuheizen, kommt die schwarze Seite der Folie nach Außen, die weiße dann, wenn gekühlt werden soll. 

Unter den Folien tut sich noch nicht viel

Die Folien auf den Feldern bescheren den Spargelbauern eine frühe Ernte, aber auch Kritik von Naturschützern. Sie sehen nicht nur die verschandelte Landschaft. Tieren werde durch Folien eine Nahrungsgrundlage entzogen, wird beklagt. Der Spargelanbauer-Verband will mit den Naturschützern ins Gespräch kommen, um Lösungen zu finden. Möglich wären unter anderem extra angelegte Blühflächen und Hecken.

Und was tut sich derzeit unter den Folien? "Noch nicht viel", sagt Landwirt Jakobs. Von den Stangen ist noch nichts zu spüren. Langsam werden aber die Händler bereits unruhig und fragen nach, wann die begehrte Ware endlich kommt. Die Spargelsaison ist nicht lang. Eine alte Bauernregel besagt: "Kirschen rot, Spargel tot". Am 24. Juni ist es traditionell vorbei mit dem Spargel. (Dpa)

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