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Schwielowsee

  • 16.03.2017
  • von Enrico Bellin

Bahn-Arbeiten in Caputh: Gleiswechsel

von Enrico Bellin

Die Bahn erneuert derzeit ihre Strecke durch Caputh. Dabei kommen monströse Maschinen zum Einsatz.

Schwielowsee - Mit lautem Scheppern frisst sich das gelbe Ungetüm durch das Gleisbett. Mehr als 150 Meter lang ist die Maschine, die am gestrigen Mittwoch eineinhalb Kilometer südlich des Bahnhofes Caputh-Schwielowsee ansetzt, um die mehr als 20 Jahre alten Gleise auf der Strecke zwischen Ferch-Lienewitz und Potsdam zu ersetzen. Seit Montag ist die Strecke gesperrt und für die Linie des RB23 Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet, der noch bis zum 27. März andauert. 1,2 Millionen Euro investiert die Bahn nach eigenen Angaben in das zwei Kilometer lange Streckenstück.

„Wenn die Maschine richtig eingestellt ist, schafft sie etwa 250 Meter Gleis pro Stunde“, sagt Bauüberwacher Julian Aniorte-Jimenez. Bisher wurde schon der Schotter gereinigt und teilweise ausgetauscht, am Morgen kam die Spezialmaschine an. Bevor sie loslegen kann, müssen Aniorte-Jimenez und der Bauleiter der Firma Spitzke, die die Arbeiten im Auftrag der Bahn ausführt, allerdings noch Probleme lösen. So fehlen insgesamt 70 Meter neuer Schienen. Warum, lässt sich vor Ort nicht nachvollziehen. Auch wurden mehrere Hundert speziell beschichteter Schwellen, die im Kurvenbereich direkt am Bahnhof Caputh-Schwielowsee verlegt werden sollen, 20 Zentimeter zu breit geliefert und passen so nicht vor den Bahnsteig.

Das Gleisbett kann sich noch leicht verschieben

Nach kurzer Absprache wird entschieden, dass die Kurve gerade noch weit genug ist, um Schwellen ohne die Gummischicht an der Unterseite einzubauen und die zu breiten auf freier Strecke einzusetzen. Auch wird auf wenigen Metern zunächst die alte Eisenschiene wieder verbaut. „Wir müssen im Herbst eh noch einmal nacharbeiten. Da kann das kurze Schienenstück dann nachträglich getauscht werden“, so der 33-jährige Bauüberwacher, der in Deutschland geboren und dessen Vater einst aus Spanien eingewandert ist. Die Nacharbeiten würden nötig, da sich das Gleisbett noch leicht verschieben kann, wenn mehr als tausend Tonnen schwere Güterzüge mit bis zu 100 Stundenkilometern über die Strecke fahren, sagt er. Da wie berichtet ab Mai die benachbarte Brücke über den Templiner Damm für mehrere Monate gesperrt wird, dient die Strecke über Caputh als Umleitung und ist die einzige direkte Anbindung des nahen Seddiner Rangierbahnhofes in Richtung Norden.

Deshalb müssen die Arbeiten zügig vorangehen. Bis die große Gleiswechselmaschine, um die herum ein gutes Dutzend Männer arbeiten, flüssig arbeiten kann, dauert es fast eineinhalb Stunden. Zunächst muss die Riesenmaschine, vor die auch noch mehrere mit insgesamt knapp 3000 Schwellen beladene Waggons gespannt sind, millimetergenau an den Beginn des zu tauschenden Gleisstückes manövriert werden. Dann klettert ein Arbeiter über mehrere Balken in den Bauch der Maschine hinein und ölt die Förderbänder.

Ein voll synchronisiertes Beton-Ballett

Um für Nachschub zu sorgen und gleichzeitig das alte Material auf die Waggons umzustapeln, fahren ständig zwei Kräne über den gesamten Zug, die Waggons sind durch kleine Metallstücke miteinander verbunden. „Nur gucken, nicht anfassen“, sagt Julian Aniorte-Jimenez, und ein neben ihm stehender Arbeiter erzählt Horrorgeschichten von abgetrennten Fingern erfahrener Kollegen, die nur ein Mal nicht aufgepasst hätten. Auf der Baustelle wird oftmals in Zwölf-Stunden-Schichten gearbeitet. Dabei die Konzentration zu bewahren, ist nicht immer einfach.

Finger weg heißt es auch im unteren Bereich des Riesen: Rollen heben die Eisenschienen an und drücken sie zur Seite weg. Ein Haken presst sich unter die alten Schwellen, reißt sie im Minutentakt heraus und legt sie mit einer Bewegung aufs Förderband. Eine Ebene höher laufen die neuen Schwellen auf einem zweiten Band in die Gegenrichtung, ein voll synchronisiertes Beton-Ballett. Bis zum Abend sind so bis zum Bahnhof Caputh-Schwielowsee Gleise gewechselt.

Nun werden die Gleise ausgewechselt

Trotzdem dauert die Sperrung der Strecke noch gut eineinhalb Wochen: In der Nähe des Bahnhofes, der direkt am Bahnübergang über die Kreisstraße liegt, kann der lange Zug nicht eingesetzt werden – er würde die Straße stundenlang blockieren. „Dort werden wir dann ganz klassisch mit einem Bagger die Gleise auswechseln“, so Julian Aniorte-Jimenez. Die Schranken sind bereits ausgeschaltet. Männer in Orange sichern die Straße, wenn der Bagger über die Gleise muss. Und ab Freitag, wenn das neue Gleis liegen soll, gehen die Arbeiten südlich des Bahnüberganges weiter: Bis hinter die Brücke über das Caputher Gemünde wird die Strecke hergerichtet.

Anschließend muss die sogenannte Stopfmaschine noch mehrmals über das neue Gleis fahren, es in seine Endposition wenige Zentimeter höher bringen und den Schotter feststopfen, damit er sich bei Zugfahrten nicht verschiebt. „Da wir wegen des Lärms keine Genehmigung für Nacht- und Sonntagsarbeit erhalten haben, dauert es insgesamt länger“, so der Bauüberwacher. Sein Trupp rückt jedoch in drei Jahren erneut an: Dann muss die restliche Strecke nach Potsdam erneuert werden, ebenfalls mit Vollsperrung. Das Baubudget der Bahn sei begrenzt, heißt es, die Arbeiten würden deshalb aufgeteilt.

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