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  • 14.03.2017
  • von Solveig Schuster

Pläne für Teltows Hafen: Neuer Experte warnt: Teltow droht ein Millionengrab

von Solveig Schuster

Während die Bauarbeiten auf der Großbaustelle ruhen, wird hinter den Kulissen an einem neuen Konzept für das mittlerweile recht kostspielig gewordene Projekt gearbeitet. Der renommierte Stadtplaner und Architekt Heiner Haass soll Teltow vor einer Investitionsruine retten. Foto: Sebastian Gabsch

Ein Experte für Sportboothäfen will die Teltower Marina mit neuen Ideen auf Kurs bringen und eine drohende Investitionsruine verhindern. Seine Ideen präsentiert er Ende März im Hafenausschuss.

Teltow - Rettet er die Marina? Der Hannoveraner Architekt und Stadtplaner Heiner Haass soll beim Teltower Hafenbau die Wende bringen. Haass kommt im März auf Initiative einer Gruppe von Hafenkritikern nach Teltow und soll dort dem Hafenausschuss ein neues Konzept für Teltows größtes Bau- und Pannen-Projekt präsentieren. Die Initiatoren bereiten dazu derzeit einen entsprechenden Antrag vor.

Mit dem Professor für Städtebau und Tourismusarchitektur der Hochschule Anhalt haben sich die Kommunalpolitiker dabei einen ausgewiesenen Experten an Bord geholt. Haass ist Sachverständiger für Anlagen der Sportbootschifffahrt und seit mehreren Jahrzehnten aufs Bauen am Wasser, insbesondere im städtischen Kontext, spezialisiert. Wie die Ideen aussehen werden, die er den Mitgliedern des Hafenausschusses am 28. März präsentieren wird, könne er derzeit aber noch nicht sagen. „Ich stehe noch ganz am Anfang“, sagte er den PNN. Jedoch gäbe es „eine Reihe an Alternativen“.

Experte: Am Ende bliebe eine „schreckliche Investitionsruine“

Eines steht für den Experten aber schon jetzt fest: Wird der Hafen so weiter geplant wie bisher, droht Teltow ein Millionengrab. Die Marina sei nicht wirtschaftlich zu betreiben. Sie bringe zu wenig Gäste, um das Projekt zu refinanzieren. Auch glaubt er nicht, dass sich für den mit 39 Liegeplätzen konzipierten Anleger genug Interessenten finden. Für die Unterhaltung, Wartung und spätere Reparaturen kämen zudem „gigantische Kosten“ auf Teltow zu. „Der Hafen würde der Stadt finanziell das Genick brechen“, ist sich der Professor sicher. Am Ende bliebe eine „schreckliche Investitionsruine“.

Die interfraktionelle Gruppe, der Vertreter der BIT, Umweltaktiven, Grünen, Piraten, BfB und teilweise der Linken angehören, erhofft sich ein Umdenken aller Stadtverordneten. „Ich war nie ein genereller Gegner von Häfen, aber von unwirtschaftlichen Projekten, wo Steuergelder verschwendet werden“, sagte Mit-Initiator Andreas Wolf (BfB). Die Frage, vor der die Kommunalpolitiker stünden, sei, weitermachen wie bisher und jedes Jahr weitere Millionen für einen letzten Endes dauerhaft unwirtschaftlichen Hafenbetrieb zu verschwenden oder ein neues Konzept anzunehmen, das kostengünstiger und wirtschaftlicher sei, sagte er. „Ein Hafenprojekt, mit dem sich noch Geld verdienen lasse, wäre eine wirkliche Investition in die Zukunft“, erklärte Wolf.

Ob und inwieweit wird die Stadt den Architekten unterstützen?

Wie berichtet waren die Kosten für die Marina von anfänglich knapp fünf Millionen Euro wegen unvorhergesehener Probleme mit den Altlasten und dem Boden auf derzeit rund 14 Millionen Euro geklettert. Für Heiner Haass „ein absoluter Horror und Irrsinn“. Schon 3,8 bis vier Millionen Euro seien für einen Bootsanleger mit 39 Liegeplätzen die absolute Maximalgrenze, sagte er. Auch die Millionen für den umfassenden Austausch des kontaminierten Bodens hätte sich Teltow möglicherweise sparen können, meint der Experte. „Bei den bisherigen Verschwendungen können wir die Zeit nicht zurückdrehen“, sagte indes Andreas Wolf. Je nach Ergebnis des mit der Untersuchung der Vorgänge betrauten Gutachters werde es aber Rückforderungen geben, erklärte er.

Leider starte er nicht mehr bei Null, sagte Hafenplaner Heiner Haass. Um Teltow vor der drohenden Investitionsruine zu retten, gäbe es aber immer noch „viele Möglichkeiten“. Offen ist jedoch, ob und inwieweit die Stadtverwaltung den Architekten dabei unterstützen wird. Ein Termin beim Bürgermeister der Stadt Teltow, Thomas Schmidt (SPD), kam bislang nicht zustande, bedauert Haass, der gern einen Blick in die bisherigen Planungen geworfen hätte. Die Stadt Teltow betont indes, dass sich der Professor im Rahmen diverser Ausschreibungen der Stadt nicht um eine Projektbeteiligung beworben hätte. Weiter kommentierte sie die Initiative der Stadtverordneten und des Hafenplaners nicht. Um die Ideen umzusetzen, müssen die Kommunalpolitiker demnach noch einiges an Überzeugungsarbeit leisten – sowohl in der Stadtverwaltung als auch bei den Stadtverordneten, denn eine Mehrheit bilden die Haass-Anhänger in der Stadtverordnetenversammlung derzeit noch nicht.

Teltower Hafenprojekt schaffte es zu RTL und ins Schwarzbuch der Steuerzahler

Diese hatte sich im Sommer vergangenen Jahres trotz der exorbitanten Kostensteigerung mehrheitlich für einen Weiterbau der Marina entschieden, nachdem ihnen das nach einem Varianten- und Kostenvergleich von einem externen Sachverständigen empfohlen worden war. Das Projekt hatte es zuvor wegen der rasanten Kostenexplosion bis in die RTL-Comedy-Show „Mario Barth deckt auf“ und ins Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes geschafft und befindet sich bereits zwei Jahre im Verzug (die PNN berichteten).

Auch stehen, bevor es auf der Baustelle überhaupt weitergehen kann, noch einige Untersuchungen an. Nachdem der Boden mit Rüttelstopfsäulen stabilisiert worden ist, muss er sich nun konsolidieren. Zudem sind wie berichtet aufgrund des aktiven Eingriffs in das Grundwasser umfassende Messungen nötig, um zu vermeiden, dass die angrenzende Oderstraße Schaden nimmt.

 

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Ist ein neuer Hafen für Teltow angesichts der zahlreichen Probleme noch das Richtige? Noch könnten Alternativen gesucht werden, wie zum Beispiel ein Sportbad, meint PNN-Autor Enrico Bellin.

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