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Werder

  • 13.03.2017
  • von Kirsten Graulich

"Werder klingt" im Scala: Werder jazzt

von Kirsten Graulich

Das Festival "Werder klingt" sorgte für gefüllte Reihen im Scala. Festival-Erfinder und Jazzmusiker Thomas Walter Maria stand mit Band auf der Bühne. Foto: S. Gabsch

Das Festival „Werder klingt“ lockte viel Publikum in den Scala-Kulturpalast.

Werder (Havel) - Schon eine Stunde vor Konzertbeginn trafen am Samstagabend die ersten Besucher im Scala-Kulturpalast ein. Eigentlich ein gutes Vorzeichen, aber Thomas Walter Maria meinte da noch skeptisch: „Na, wenn hundert Leute kommen, wird das ein guter Abend“. Doch dieser verhaltene Optimismus war gar nicht nötig, denn als immer mehr ins Foyer drängten, mussten schließlich die Flügeltüren zum Kinosaal aufgemacht werden und dort füllten sich die Reihen schnell.

Schon am Vorabend war die Premiere des dreitägigen Festivals „Werder klingt“ ausverkauft gewesen. Festival-Erfinder und Jazzmusiker Thomas Walter Maria schwärmte von den drei Zugaben, die das Publikum dem Berlin Jazz Orchestra und den beiden Stargästen Uschi Brüning und Ernst-Ludwig Petrowsky abgerungen hatte, mit stehenden Ovationen. Auch Werders Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU) sei gekommen, erzählt er, und habe mit ihm vor Konzertbeginn ein symbolisches rotes Band zum Event-Auftakt zerschnitten.

Werders Kulturkalender könnte eine spannende Erweiterung brauchen, nicht nur im Jahr des 700-jährigen Stadtjubiläums, ist der Jazzmusiker überzeugt, dass es dafür ein interessiertes Publikum gibt. Er selbst stand schon am Freitagabend mit dem Berlin Jazz Orchestra auf der Bühne und einen Tag später mit seiner eigenen Band. Hauptsächlich Titel aus den 50er- und 60er-Jahren standen auf dem Programm. Darunter auch Ohrwürmer wie etwa „Mambo Italiano“ oder „Goldfinger“ aus dem James-Bond-Film.

Angekündigt als intimes Wohnzimmer-Konzert bugsierte der Bandchef noch vor Beginn schnell die heimische Stehleuchte vor die Bühne. Deren LED-Leuchtmittel glimmte anfangs zwar etwas zaghaft, was zu dem Song „Morgens bin ich immer müde“ aber durchaus passte. Bei der Textzeile „Doch wenn tausend Lichter glühen, bin ich jede Nacht ganz groß“ startete dann auch die Lampe durch und entfaltete ein heimeliges Licht. Da wippten bereits einige Fußspitzen im Publikum und der erste Zwischenapplaus signalisierte Zustimmung hinauf zur Bühne.

Dort spielten fünf Musiker auf insgesamt zehn Instrumenten, vier davon spielt Thomas Walter Maria selbst: Sopran-, Alt- und Tenorsaxophon sowie Querflöte und Altklarinette. Ebenso war er Sänger und Moderator. Seinen Posaunisten Sören Pehrs stellte er vor als den „Mann mit den meisten Dämpfern“, ein Utensil, das dem Instrument mehr Klangfarben entlocken kann. Mohi Buschendorf zupfte am Bass und sein Sohn Ludwig spielte am Schlagzeug.

Am Piano saß Marius Moritz, dessen virtuosem Spiel auch Stargast Ruth Homann auf charmante Art Lob zollte und in eines ihrer Lieder einflocht: „Man müsste Klavier spielen können!“ Ihretwegen waren viele Gäste am Samstagabend gekommen. Auch ein Paar aus Potsdam verriet: „Wir wollten Ruth Homann hören.“ Beide hatten die First Lady of Jazz noch zu DDR-Zeiten erlebt. Damals, erinnern sie sich, sei sie mit dem Jazz-Collegium Berlin aufgetreten.

Die 85-jährige Sängerin zeigte am Samstagabend ganz lässig und ohne große Posen, wie man Jung und Alt gleichermaßen begeistern kann. So offenbarte sie beim Mackie-Messer-Song aus der Dreigroschenoper mit dem für den Jazz typischen Scat-Gesang ihr großes Können. Kraftvoll, vital und stimmgewaltig ließ sie ihr Publikum auch singend wissen, was ihr Lebensmotto ist: „Jazz is what I’m living for – Jazz ist das, wofür ich lebe“.

Ansteckend ist auch ihre gute Laune. So stellten sie und Thomas Walter Maria fest, in puncto Garderobe seien sie doch an diesem Abend gut aufeinander abgestimmt mit ihrer „Schale in black“. Ja, die Bluse, meinte sie augenzwinkernd, sei schon zehn Jahre alt und habe seinerzeit in der Komischen Oper Premiere gehabt – damals noch mit Verkaufsschild, das nun aber ab sei. Und dann gesteht sie: „Ick war noch nie in Werder, hab mich so gegräult vor dem Wein.“ Gelächter. „Is aber schön hier“, findet sie nun nach ihrem ersten Besuch.

Ob das ein Versprechen war, wiederzukommen? Immerhin hat sich Ruth Homann vorgenommen, hundert zu werden, und lieferte das Rezept dazu musikalisch mit dem Kanon: „Wer des Morgens dreimal schmunzelt … der wird hundert Jahre alt.“ „Und da habe ich es ja nicht mehr so weit“, ließ die Jazz-Lady ihr Publikum wissen.

Zu einem Liebeslied auf eine 700-Jährige stimmte dann noch Werders Maler Peter Weymann das Publikum ein. Mit wallendem Haar und Schnurrbart sang er Werder schon mal euphorisch zur Welthauptstadt. Dass die Stadt wächst, steht indes außer Frage und so sind auch die Chancen nicht schlecht, dass der Jazz in der Havelstadt eine neue Heimat findet, wenn auch vorerst nur für drei Tage im Jahr. Vorausgesetzt, es finden sich wieder Sponsoren. Das Publikum dafür ist jedenfalls da, wie das Festival zeigte.

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