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Werder

  • 11.03.2017
  • von Enrico Bellin

Werder (Havel): Die unvollendete Blütentherme

von Enrico Bellin

Da die Hälfte des blütenförmigen Thermalbeckens im Freien liegt, steht Wasser im ganzen Becken. Foto: S. Gabsch

Seit zwei Jahren ruhen die Arbeiten an der Blütentherme in Werder (Havel). Nun sucht die Stadt einen neuen Investor. Der bekommt viel zu tun. Ein Rundgang durch eine Baustelle, die keine ist.

Werder (Havel) - Es brummt in Werders Blütentherme. Aber lediglich im Wortsinn. Wer das halbfertige Bad in den Havelauen betreten will, muss durch einen Seiteneingang vorbei an den Technikräumen, in denen rund um die Uhr die Heizlüfter mit sonorem Ton für lauschige Temperaturen zwischen 18 und 20 Grad Celsius sorgen. Seit Ende 2014 ruhen die Arbeiten auf der Baustelle. Die eigentlichen Eingänge sind zugemauert, das Gelände wird von Wachschützern und Kameras überwacht, um Vandalismus zu verhindern. An einer Balustrade im Obergeschoss der Therme haben Vandalen schon mehrere Säulen zerstört. Ansonsten zeigen sich erstaunlich wenig Folgen des Stillstands. Keine Schimmelflecken oder muffiger Geruch, es wirkt, als hätten die Bauarbeiter gerade Mittagspause.

Wie viel es Monat für Monat kostet, die Therme zu beheizen, ist noch nicht zu beziffern, sagt Projektmanagerin Cathleen Schönbrunn beim Rundgang am Freitagmorgen. „Das Gebäude wird über unser eigenes Blockheizkraftwerk versorgt, und wir wissen noch nicht endgültig, wie viel wir für den ins Netz eingespeisten Strom zurückbekommen“, so Schönbrunn. Das Kraftwerk hat eine Leistung von 400 Kilowatt und kann damit in zehn Stunden in etwa so viel Energie erzeugen, wie ein Vier-Personen-Haushalt im ganzen Jahr verbraucht. Für Therme, Kraftwerk und Grundstücke hat die Stadt bisher rund 21 Millionen Euro ausgegeben.

Im Saunabecken steht nach starkem Regen das Wasser mehrere Zentimeter hoch

Kabel und Heizungsrohre schlängeln sich an der Decke im Erdgeschoss entlang. Sie führen aus den dunklen Technikräumen hinaus zum hellen Saunabereich, von dem aus man über die breite Glasfront direkt auf den Zernsee schauen kann. Im Saunabecken, das mit dem Außenbecken verbunden ist, steht nach dem starken Regenguss vom Donnerstagabend das Wasser mehrere Zentimeter hoch. So lange es keinen Dauerfrost gebe, ist das Schönbrunn zufolge nicht schädlich fürs Becken.

Die einzelnen Saunakabinen sind schon mit filigranem Stuck verziert, an Wänden und Boden der insgesamt 10 000 Quadratmeter großen Therme glänzt hingegen der nackte Beton. „Wer den Auftrag für das Bad erhält, kann hier wetterunabhängig sofort mit den Arbeiten loslegen und fliesen“, sagt Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU). Nachdem am Donnerstagabend die Stadtverordneten wie berichtet entschieden haben, das Bad von einem privaten Investor fertig bauen und betreiben zu lassen, wird nun die Ausschreibung vorbereitet. Sie kann Saß zufolge frühestens Ende April abgeschlossen sein, anschließend sollen Verhandlungen geführt und Angebote ausgewertet werden. Zum Jahresende soll dann die Entscheidung für einen Partner fallen. Da der dann auch erst mal noch Baufirmen suchen muss, ist eine Fertigstellung im kommenden Jahr kaum mehr möglich. „Wir werden uns nicht drängen lassen, nur um noch 2018 zu eröffnen“, sagt Saß. Nach erfolgtem Zuschlag muss der Investor einem Gutachten zufolge noch etwa zwölf Millionen Euro investieren, die Arbeiten würden zehn bis zwölf Monate dauern.

Sichtbar wird das etwa an den noch nicht gefliesten Thermal- und Saunenbecken. Wer sich dort später erholen will, wird nach aktuellem Stand zudem an der Decke auf Holzbalken schauen, unter denen blanke Pressholzplatten liegen. Vom früheren Investor, der Kristall Bäder AG, ist das Schönbrunn zufolge so gewollt gewesen – ein krasser Gegensatz zum Stuck an der Wand. Die Holzverkleidung ist im Erdgeschoss zudem erst auf etwa einem Viertel fertig. Ein neuer Investor könnte selbst wählen, ob er sie wie vorgesehen vollendet oder die Decke anders gestaltet.

Grün veralgtes Wasser im blütenförmigen Becken

Im oberen Geschoss hingegen ist die Holzdecke fertig. An der Großraumsauna sind schon die Duschen installiert, auch der Pool mit mittiger Bar ist schon betoniert, aber noch nicht gefliest. Im Nachbarraum kommt man dann zum namensgebenden, blütenförmigen Becken, in dem grün veralgtes Wasser steht – zwei der vier miteinander verbundenen Blütenblätterbecken liegen außerhalb der Therme. Auch hier sei das Wasser für die Substanz aber nicht schädlich. An der Außenseite muss noch ein kompletter Erdhang aufgeschüttet werden, auf dem Liegebereiche entstehen sollen und Badegäste zum Zernsee hinab laufen können. Der weitläufige Ausblick über die Seenlandschaft entspannt schon jetzt, ohne das warme Thermalwasser auf der Haut.

Später könnte die Ruhe aber gestört werden: Nur wenige Meter neben dem Thermalbereich liegt das Sportbecken, 25 Meter lang, bis zu vier Meter tief, fertig gefliest und mit einem Bauzaun gesichert. Zwar soll eine Glaswand den Lärm etwa von pfeifenden Sportlehrern abhalten – das Becken soll auch dem Schwimmunterricht dienen. Doch ein Drehkreuz soll an dieser Stelle den Sportbereich, für den die Eintrittspreise mit vier Euro für zwei Stunden, zehn Euro für eine Tageskarte und vielfältigen Ermäßigungen schon festgelegt sind, mit dem Thermenbereich verbinden. Schalldicht wird es also nicht. Und direkt neben dem großen Becken ist das Treppenhaus für den Rutschenturm, eine weitere Freudenquelle für Kinder mit entsprechendem Lärmpotential. Allerdings soll die Therme ohnehin eher Familien ansprechen, und Eltern freuen sich womöglich, vom Thermalbecken aus ihre Kinder spielen sehen zu können.

Bis zu 1000 Gäste werden täglich in der Blütentherme erwartet

Bis zu 1000 Gäste täglich soll die Therme in ihren jetzigen Dimensionen aufnehmen können. Mit zuletzt 255 000 Gästeübernachtungen im Jahr und knapp 26 000 Einwohnern ist sich Werders Bürgermeisterin auch sicher, die Blütentherme voll zu kriegen. „Aus dem Potsdamer Bad schaut man aufs Leipziger Dreieck und den Hauptbahnhof, bei uns auf den schönen Zernsee“, sagt Saß.

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