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  • 10.03.2017
  • von Julia Frese

Caputh: Vom Forstwirt zum Künstler des Waldes

von Julia Frese

Schwielowsee - Die schönste Tageszeit im Wald ist für Zeichner Ralf Wilhelm Schmidt der frühe Morgen, wenn der Nebel sich verflüchtigt und die Sonne aufgeht. Der gebürtige Luckenwalder weiß, wovon er spricht, denn er hat fast zwei Jahrzehnte als Forstwirt gearbeitet. Als er zunehmend das Gefühl bekam, nur noch nach ökonomischen Gesichtspunkten über die Lebewesen um ihn herum entscheiden zu müssen, kündigte er nach einem Bandscheibenvorfall seine Stelle. Nach einer Phase der Neuorientierung begann er, sich autodidaktisch das Zeichnen beizubringen. Das, was er am Wald am meisten liebte, hält er seitdem in nahezu fotorealistischen Bildern fest: einen Reiher, der auf einem Bootssteg rastet, zwei aus einem Astloch hervorlugende Eichhörnchen oder die Morgensonne, die durch das Geäst einer Buche scheint. Die neuesten Werke, die er in seinem Caputher Atelier gezeichnet hat, präsentiert Ralf Wilhelm Schmidt ab Sonntag, 12. März, in der Sonderausstellung „Tiere gezeichnet!“ im Treppenflur des Naturkundemuseums Potsdam.

Schmidts bekanntestes Werk zeigt einen Eisvogel, der auf einem Baumstamm an einem Seeufer sitzt. In seinem Caputher Atelier füllt die rund zwei mal zwei Meter große Zeichnung, die er im Jahr 2013 angefertigt hat, beinahe eine ganze Wand. „Die meisten Besucher kommen erst einmal wegen dieses Bildes“, sagt Schmidt. Pro Wochenende hat er zwischen 50 und 60 Gäste in seiner Galerie, in den Sommermonaten auch mal deutlich mehr. Dass sein Atelier sich in der Nähe des Einsteinhauses befindet, sei natürlich praktisch, sagt der 48-Jährige schmunzelnd. Aber ab und zu schauten die Besucher nicht nur, sondern kauften auch ein Werk für die Wohnzimmerwand.

Seine Motive zeichnet Schmidt teils nach Fotos, teils aber auch aus der Erinnerung. Ganz in der Nähe seines Ateliers liegt Schmidts Boot, mit dem der Naturliebhaber auf Inspirationstour fährt, wann immer er Zeit dafür findet. Dabei kommt ihm die jahrelange Erfahrung als Forstwirt zugute: „Man kennt den Ruf der verschiedenen Vögel, weiß wie es riecht, wenn ein Wildschwein im Anmarsch ist“, sagt der 48-Jährige. Seine Werke, an denen er meist mehrere Monate arbeitet, sind in der Regel Momentaufnahmen solcher zufälligen Tierbegegnungen im Wald. „Ich möchte mit meinen Bildern dem Betrachter die Freude vermitteln, die ich selbst in diesen Augenblicken empfunden habe“, sagt der freischaffende Künstler.

Zur Eröffnung am Sonntag wird Schmidt ab 14 Uhr persönlich durch seine Ausstellung führen. Die Sonderausstellung ist noch bis zum 20. August dienstags bis sonntags jeweils von 9 bis 17 Uhr im Naturkundemuseum Potsdam in der Breiten Straße zu sehen.

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