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  • 31.12.2016
  • von Enrico Bellin

Jahresrückblick Potsdam-Mittelmark 2016: Neustart und Stillstand

von Enrico Bellin

Dreimal wurde 2016 im Kreis gewählt, dreimal gewannen die Amtsinhaber. Wenige Änderungen gab es auch beim Zustand der beiden Großprojekte in Teltow und Werder. In Kleinmachnow und rund um Michendorf wird dagegen kräftig gebaut.

Die Neuen sind die Alten. Bernd Albers, Wolfgang Blasig, Michael Grubert: Bei den diesjährigen Wahlen in Potsdam-Mittelmark haben die drei Amtsinhaber sich jeweils mit großem Abstand durchsetzen können. Den Anfang machte der Stahnsdorfer Bürgermeister: In der Stichwahl am 1. Mai gewann Bernd Albers (Bürger für Bürger) mit 58,5 Prozent deutlich gegen den CDU-Kandidaten Daniel Mühlner, der 41,5 Prozent der Stimmen erhielt – obwohl der Wahlkampf von Unstimmigkeiten auf seiten des Amtsinhabers flankiert war. So hatte etwa sein Name auf dem Wahlzettel doppelt so viel Platz wie der der Gegner. Ebenfalls in der Stichwahl durchgesetzt hatte sich am 9. Oktober Landrat Wolfgang Blasig (SPD) gegen Franz Herbert Schäfer (CDU). Blasig erhielt 70,4 Prozent der Stimmen. Zugleich nahm er damit die Hürde für Direktwahlen, nachdem der Wahlsieger von 15 Prozent aller Wahlberechtigten gewählt worden sein muss. Blasig hatte gut 9 000 Stimmen mehr als nötig. Auch sein Parteikollege Michael Grubert setze sich bei der Kleinmachnower Bürgermeisterwahl durch: Mit 57,8 Prozent gewann er am 27.November gegen Uda Bastians (CDU).

 

Neue Pläne, kein Betreiber. An der Baustelle der Werderaner Blütentherme gab es in diesem Jahr kaum Bewegungen. Es dauerte bis zum 1. April, bis sich die Stadt und die Kristall Bäder AG, die das Bad seit 2011 halbfertig gebaut hat, nach langem Streit getrennt hatten. Einen Monat später präsentiert das Planungsbüro GBP Project Hamburg dann Pläne, die Therme zum Resort auszubauen: Durch zwei Außenbecken, eine Saunainsel in der Havel, ein Leuchtturm mit Restaurant und einen Dampferanleger soll sichergestellt werden, dass der Standort in der Brandenburger Thermenlandschaft dauerhaft bestehen kann. Was von den Vorstellungen verwirklicht werden kann, ist offen. Schließlich startet die Stadt ein Interessenbekundungsverfahren. Sechs Investoren melden bis Ende Oktober ihr Interesse am Kauf der Therme an, drei von ihnen würden sie auch pachten, falls die Stadt das Bad selbst fertig stellt. Doch die abgegebenen Angebote überzeugen die Stadtverordneten nicht. Die Therme hat Werder bereits 16,2 Millionen Euro gekostet. Wie es mit ihr weitergeht, soll in den kommenden Wochen entschieden werden.

 

Später und teurer. Für den Teltower Hafen ist 2016 kein gutes Jahr. Im Januar wurde ein Bauverzug von sechs Monaten bekannt, da die Entsorgung der Altlasten im Boden wesentlich aufwendiger sei als geplant. Im April folgte das Eingeständnis einer Kostensteigerung von 10,1 auf 14 Millionen Euro. Im August dann die erste gute Nachricht: Der Boden der verseuchten Osthälfte des Hafens ist komplett ausgetauscht. Statt von einer Eröffnung des Hafens im Frühjahr 2018 spricht die Stadtverwaltung aber nur noch vage von „in etwa zwei Jahren“. Im November gab es schließlich einen Antrag der Linken-Fraktion, statt des Hafens eine Schwimmhalle auf der Fläche zu bauen. Ein Stopp der Bauarbeiten wird jedoch abgelehnt. Ende November gab die Stadt schließlich bekannt, dass sie einen Investor für das Hafengebäude sucht. Die Ausschreibung soll im Januar starten.

 

Stillstand durch Bau. Dass es nicht nur an Baustellen, sondern auch rund herum still stehen kann, beweisen die Arbeiten zum achtspurigen Ausbau der A 10 zwischen den Dreiecken Nuthetal und Potsdam. Am 5. April begannen die Arbeiten, für die ursprünglich zugesichert wurde, dass immer drei Fahrspuren pro Richtung zur Verfügung stehen würden. Doch während verschiedener Bauphasen war das nicht möglich, und Nuthetal, Michendorf, Seddiner See, Beelitz und Schwielowsee versanken nach eigenen Aussagen „in einer Blechlawine“. Anfang Juni beklagten sich die Kommunen in einem offenen Brief an die Landesregierung über die schlechte Planung. Staus in der Baustelle gibt es noch immer regelmäßig. Die Arbeiten sollen 2020 abgeschlossen sein.

 

Die Kirche ist bald wieder im Dorf. Nach Jahren der Planung wird am 5. November der Grundstein für das neue Gemeindehaus im Kleinmachnower Dorfkern gelegt. Für zweieinhalb Millionen Euro soll bis Ostern 2018 ein neuer Kirchensaal entstehen. 13 Jahre lang war zuvor über den Standort der Kirche gestritten worden. Das alte Gemeindehaus am Jägerstieg mit 230 Plätzen ist für die gewachsene Gemeinde seit Jahren zu klein. Es soll Teil eines Grünen Bandes werden, in dem Orte für Vereins- und Familienleben konzentriert werden sollen.

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