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  • 12.07.2018
  • von Andreas Busche

Actionkino: „Skyscraper“: Menschliche Gegner reichen Dwayne Johnson längst nicht mehr

von Andreas Busche

Will Sawyer erkämpft sich seinen Weg in das flammende Inferno. Foto: Universal

Ein Mann wie ein Felsen: US-Schauspieler und Ex-Wrestler Dwayne Johnson ist ein Phänomen. In „Skyscraper“ nimmt er es mit einem brennenden Hochhaus auf.

Dwayne Johnson ist im gegenwärtigen Hollywoodkino eine derart omnipräsente, in ihrer geradezu absurd ausgeprägten larger than life Physis übertriebene Erscheinung, dass der Mann eigentlich längst ein eigenes Witz-Genre verdient hätte. Chuck Norris, der Kino-Einzelkämpfer der Reagan-Ära und rückblickend ein toter Arm in der Evolution des Actionhelden, hat es vorgemacht.

Dwayne Johnson, der seinen Wrestler-Namen The Rock früh abgelegt hat, weil dieser Berg von einem Mann solch rhetorischen Pleonasmus natürlich gar nicht nötig hat, verfügt gegenüber Chuck Norris allerdings über einen entscheidenden Vorteil, nämlich entwaffnende Selbstironie. Seine Filme sind sozusagen gespielte Dwayne-Johnson-Witze, im Stil von: Dwayne Johnson ist ein militanter Raucher, er zündet sich seine Zigarette an einem brennenden Hochhaus an.

Geraucht wird in Hollywood-Filmen natürlich längst nicht mehr, diese schlechte Angewohnheit wurde vor einer gefühlten Ewigkeit abgeschafft, etwa zeitgleich mit dem Typus des unironischen Actionhelden. Aber das Hochhaus, das brennt in „Skyscraper“ tatsächlich. Und wenn man sich im Action-Genre auf eins verlassen kann, dann auf die bewährte Formel vom „richtigen Mann am falschen Ort“, die Traditionslinie reicht von Bruce Willis über Jean Claude Van Damme bis zu Steven Seagal.

240 Stockwerke mit eingebauter Parkanlage

Johnson spielt in „Skyscraper“ den ehemaligen FBI-Agenten Will Sawyer, der bei einem Einsatz zehn Jahre zuvor ein Bein verlor. Im Auftrag eines chinesischen Milliardärs (Chin Han) soll er einen letzten Sicherheits-Check an dessen gerade fertiggestelltem Super-Wolkenkratzer „The Pearl“ mit 240 Stockwerken – inklusive einer eingeschlossenen Parkanlage – vornehmen, bevor die oberen hundert Etagen von den neuen Bewohnern bezogen werden können.

Der technophile Milliardär, der in der Spitze des Megaturms in einem gepanzerten „Panikraum“ residiert, schuldet jedoch finsteren Zeitgenossen sehr viel Geld, das sie sich nun zurückholen wollen. Zur Ablenkung legen sie im 96. Stock ein Feuer, das sich rasend schnell nach oben ausbreitet. Dort befinden sich auch Sawyers Frau Sarah (Neve Campbell) und ihre beiden Kinder. Der Sicherheitschef mit dem Handicap muss einen Weg zurück in das brennende Gebäude finden, um seine Familie vor Feuer und Terroristen zu retten.

Dwayne Johnson kämpft im Kino heute nicht mehr gegen menschliche Gegner, denen ist er längst entwachsen. Im Erdbebenfilm „San Andreas“ nimmt er es mit den kalifornischen Naturgewalten auf, in „Rampage“ mit einem Riesengorilla und in dem Edel-Trash „Baywatch“ muss er sich aus dem übermächtigen Schatten von David Hasselhoff befreien. Der wahre Gegner, den es in „Skyscraper“ zu bezwingen gilt, ist der titelgebende Wolkenkratzer selbst – und Sawyer nimmt die Herausforderung in Dwayne-Johnson-Manier an.

Um in das flammende Inferno zu gelangen – der gleichnamige Katastrophenfilmklassiker steht ebenso Pate wie „Stirb langsam“ –, klettert Sawyer auf einen Superkran, von dem er 96 Stockwerke über der Erde mit Anlauf in den Turm springt. Wenn es um die Familie geht, schalten Johnsons Figuren auf Autopilot, dann setzen sie übermenschliche Kräfte frei. Notfalls hält Sawyer auch mit bloßer Muskelkraft eine Brücke zusammen, damit seine Frau mitsamt Kind den brennenden Abgrund überqueren kann.

Dwayne Johnson ist Hollywoods letzter Kassenmagnet

Dwayne Johnson ist längst mehr als bloß Hollywoods kassenträchtigster Darsteller. Er ist ein Phänomen. Im Franchise-Zeitalter gilt er als der letzte Star, der einen Film außerhalb der Marvel- und „Star Wars“-Universen noch in einen Blockbuster verwandeln kann. In Hollywood reibt man sich bereits die Hände, „Skyscraper“ wird am kommenden Startwochenende ein Rekordeinspielergebnis prognostiziert – für einen Originalfilm wohlgemerkt.

Wobei der Begriff „Original“ mit Vorsicht zu genießen ist.
„Skyscraper“ besteht letztlich aus Versatzstücken des Action- und Katastrophenkinos mit seinen millionenschweren Produktionswerten. Johnson gehört immerhin zu den wenigen Stars, die der Übermacht der Spezialeffekte noch etwas entgegenzusetzen haben. Er macht seine Filme zu Dwayne-Johnson-Originalen – so wie man früher mal von John-Wayne-Filmen sprach.

In 19 Berliner Kinos (2D/3D); OmU: Neukölln Arcaden, OV: Neukölln Arcaden, Cinestar Sony Center, Cinestar Imax

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