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  • 14.06.2018

Konzert im Bataclan: Konservative französische Politiker wollen Hip-Hop-Konzert verhindern

Der Rapper Médine ist bekannt für Provokationen, ist bisher aber nicht mit fundamentalistischen Texten aufgefallen. Foto: Wikipedia/Monsieur Nas

Nach dem Anschlag auf den Pariser Nachtclub Bataclan ist ein Streit um geplantes Konzert des muslimischen Rappers Médine entbrannt.

Zwei für Oktober geplante Auftritte des Rappers Médine im Pariser Konzertclub Bataclan sorgen in Frankreich für Streit wegen umstrittener Texte des Musikers. Am 13. November 2015 waren 89 Menschen im Bataclan bei einem islamistischen Terroranschlag gestorben. Am Mittwoch hatte Innenminister Gérard Collomb in der Nationalversammlung eine Prüfung des Falls angekündigt: Falls eine Störung der öffentlichen Ordnung drohe, sei ein Verbot möglich. „Wir werden das bis Oktober sehen“, sagte er. Konservative und rechtsextreme Politiker wie der Chef der konservativen Republikaner Laurent Wauquiez fordern ein Verbot. Ein Mitglied von Marine Le Pens Partei Rassemblement National – vormals Front National – sammelte in einer Online-Petition bislang über 25 000 Unterschriften gegen den Auftritt. Auf Twitter bezichtigte Le Pen den Rapper der „Anstiftung zum islamistischen Fundamentalismus“.

Die einen sprechen von Affront, die anderen von Zensur. Médine Zaouiche, 35, hat algerische Wurzeln, in seinen Songs beschäftigt er sich häufig mit dem Alltag und der Diskriminierung muslimischer Migranten. Manche seiner früheren Songs sind umstritten, etwa „Jihad. Der größte Kampf ist gegen dich selbst“ auf dem „Jihad“-Album von 2005, die Texte enthalten jedoch keine Aufforderung zu Terrorakten. Schwieriger ist es mit „Don’t Laik“. Der Song erschien Anfang 2015 kurz vor dem Anschlag auf die Redaktion von „Charlie Hebdo“. Darin singt Médine die Zeilen „Lass uns die Säkularisten kreuzigen ... Fatwas über die Köpfe der Idioten verhängen“. Später erklärte er diese als Zitat, um den Laizismus zu feiern und dessen aggressive Kritiker zu kritisieren. Der Textzusammenhang legt diese Deutung nahe. Gleichwohl räumte der Musiker ein, er sei „zu weit gegangen“. Provokation sei nur sinnvoll, „wenn sie eine Debatte provoziert, nicht wenn sie die Fronten verhärten lässt“.

Zum aktuellen Streit schrieb der Rapper auf Twitter, er habe „15 Jahre lang gegen jede Art von Radikalismus in seinen Alben gekämpft“. Der Agentur AFP sagte Médine, die extreme Rechte verwechsle ihn, den Bombenentschärfer, mit einem Bombenleger. Seit dem 13. November 2016 finden im Bataclan wieder Konzerte statt. dpa/chp

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